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Deutschrap und Livestreams – Inzwischen unzertrennliche Partner

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Viele Rapper, aber auch Produzenten oder Rap-Journalisten haben sich seit einiger Zeit auch dem Livestreaming gewidmet. Und das teilweise sehr ambitioniert und erfolgreich.

Viele Rapper, aber auch Produzenten oder Rap-Journalisten haben sich seit einiger Zeit auch dem Livestreaming gewidmet. Und das teilweise sehr ambitioniert und erfolgreich. stock.adobe.com © Mihail (DATEI-NR.: 215732057)

Livestreams sind aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Die Interaktivität mit den Streamern und die Unmittelbarkeit, das aktuelle „Dabeisein“ haben einen unglaublichen Reiz. Kein Wunder, dass auch deutsche Rapper inzwischen ihren festen Platz im Livestream-Business gefunden haben. Und auch andere Akteure, wie Produzenten oder Labelchefs streamen immer wieder, um von neuen Infos zu berichten, auf Rapvideos zu reagieren oder ihre Meinung kundzutun. Wir zeigen, welche Rapper ganz groß sind im Streamingbusiness und was in diesem Bereich sonst noch so los ist.

Streaming: Teil der Medien und damit auch des Raps

Livestreams sind ein Phänomen, das vor zehn Jahren noch kaum jemanden interessiert hat. Sicherlich – Liveübertragungen von Konzerten oder auch von Sportereignissen gab es schon seit dem 90er Jahren. Aber Livestreams im Internet, vor allem von Privatpersonen, haben erst vor wenigen Jahren angefangen, zu dem zu werden, was sie heute sind.

Einen Teil dazu trug sicherlich auch das Live-Streaming-Videoportal twitch bei, das hauptsächlich zur Übertragung von Videospielen genutzt wurde und wird. Inzwischen finden sich auf twitch, das erst 2011 online ging, aber auch immer mehr „Talkrunden“ oder Alternativen zu Videospielübertragungen. Wie extrem die Zunahme der Beliebtheit von Livestreams ist, lässt sich anhand des monatlichen Zuschauerzahlenwachstums gut ablesen. Während twitch im Dezember 2019 noch „nur“ rund 644 Millionen Besuche verzeichnen konnte, waren es im Dezember 2020 schon 1038 Millionen Besuche.

In den USA ist das Streaming noch größer als bei uns. Hier bekommen Rapper – in diesem Fall Logic – sogar von den Streamingplattformen selbst Millionendeals angeboten. Logic streamte etwa 2020 gerade einmal sechs Stunden auf twitch, doch das Unternehmen bot ihm genug Geld und bekam dafür seine Treue. Er verkündete, fortan exklusiv auf twitch zu streamen.

Streamingplattformen wie twitch, aber auch Videoplattformen, wie YouTube, auf denen inzwiwchen viel gestreamt wird, sind auch in Deutschland längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen und wichtige Bestandteile digitaler Medien. Natürlich lassen sich auch deutsche Rapper daher nicht die Chance entgehen, von diesem Phänomen zu profitieren.

Sido – Eine echte Streaminggröße

Sido ist wohl der Kandidat, der das Streaming bislang am intensivsten und besten genutzt hat. Sicherlich liegt das zum einen auch daran, dass Sido von vornherein eine viel größere Präsenz hat, als „kleinere Rapper“. Doch seine Projekte und Ideen setzte er bislang auch einfach gut um.

Allem voran steht wohl Zuhause mit Sido. Das Format entwickelte Sido kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie und nachdem feststand, dass Live-Konzerte nun erst einmal nicht mehr stattfinden können. Die Lockdown- und Quarantänezeit überbrückte er mit Livestreams auf YouTube und Twitch, in welche er wechselnde Gäste einlud, die entweder mal ins geräumige Streamingstudio kamen oder per Facecam zugeschaltet wurden.

Ob YouTube-Größen, wie Sturmwaffel, Gewitter im Kopf, Rezo, Unge oder Mr. Rap oder auch andere Rapper, Prominente und unbekannte Zuschauer – die Gästeliste war abwechslungsreich und sorgte für gute Unterhaltung. Auf dem eigens für die Highlights eingerichteten YouTube-Channel Mit Sido können sich alle, die geschlafen haben, von der Qualität der Produktion überzeugen.

Sido startete auf YouTube mit seinem Livestream-Format „Mit Sido“ 2020 voll durch. (unsplash.com © Christian Wiediger)

Apropos Qualität – Kaum ein anderes Twitch-Event hat im Jahr 2020 wohl für so viel Aufmerksamkeit und auch ein paar kleinere Skandale gesorgt, wie das „Angelcamp“, das Sido gemeinsam mit Streaming-Kollege „Knossi“ veranstaltete. Die beiden waren dafür ein langes Wochenende lang im Sommer gemeinsam mit Sascha Hellinger (unsympathischTV) und Manny Marc von den Atzen an einem See campen und angeln. Das Team hatte zwischendurch über 300.000 Zuschauer, womit sie den deutschen Live-Views-Rekord brachen. Vor dem Folge-Event, dem Horrorcamp, berichteten darüber sogar Zeitungen, wie die Berliner Morgenpost.

Gerade die Zusammenarbeit mit Knossi und das gute Verhältnis der Beiden könnte auch in Zukunft noch zu spannenden Streaming-Projekten führen. Knossi seines Zeichens wurde vor allem durch seine Casinostreams und dabei auch aufregende Versuche im Live Casino – der derzeit am schnellsten wachsenden Spielkategorie im Netz – bekannt. Sido nahm gemeinsam mit anderen an diversen Casinostreams teil, wodurch irgendwann auch die Idee mit dem Angelcamp entstand.

Bushido – Eine kurze Streamingkarriere?

Im Gegensatz zu Sido verlief die Streaming-Karriere des ehemaligen Rapkollegen und seit Langem eher als Konkurrenten zu bezeichnenden Bushido eher unbefriedigend.

Nach Sido wäre Bushido wohl tendenziell einer der Kandidaten, die genügend Reichweite und Fans haben, um in kürzester Zeit einen erfolgreichen Livestream-Channel aufzubauen. Doch Bushido nahm die Sache anscheinend nicht ganz so ernst. Mitte 2020 streamte er auf Twitch noch regelmäßig und hatte dabei durchaus auch einige regelmäßige Zuschauer. Er zockte World of Warcraft, was schon seit Jahren eines seiner Lieblingsspiele ist und quatschte über alles, was ihn bewegte. Dabei verlor er natürlich auch immer wieder das ein oder andere Wort zu anderen Rappern und zu Beef in der Szene.

Allerdings ließ sich Bushido nun schon länger nicht mehr live auf Twitch blicken. Auch er allerdings tat sich schon mit dem erwähnten Knossi zusammen und scheint beispielsweise dem Glücksspiel nicht abgeneigt. Zumindest zu Promozwecken könnte es auch von Bushidos Seite aus in Zukunft wieder Livestreams geben – es bleibt abzuwarten.

Philip Schlaffer – Über Bushido, den Abou-Chaker-Clan & Co.

Apropos Bushido – Was war denn da jetzt eigentlich mit dem Abou-Chaker-Clan, bzw. was genau ist davon zu halten? Wenn sich Bushido schon nicht selbst – etwa in Streams – darüber äußert und weil man da ja nie genau wissen kann, was von dem, was er darüber sagt, wirklich stimmt, könnte man ja Leuten zuhören, die von Gangster-Geschichten, Schutzgeld und Kriminellem richtig Ahnung haben.

Es gibt jemanden mit einer Vergangenheit, die all diese Dinge beinhaltet. Philip Schlaffer nennt sich dieser jemand. Der Lübecker war ehemals Neonazi, Rocker, Hooligan und Krimineller mit Bezügen zum Rotlichtmilieu und ist heute raus aus der Szene. Mehr noch: Er hat sich mit seiner gesamten Einstellung um 180 Grad gedreht und ist heute als Sozialarbeiter aktiv. Außerdem setzt er sich an Schulen gegen Rechtsextremismus ein.

Und nebenbei streamt der Gute eben auch immer wieder und nimmt beispielsweise Stellung zu besagter Bushido-Abouc-Chaker-Clan-Affäre. In dem nun auch auf YouTube nachzuschauenden Video mit dem Titel „Bushido – Abou Chaker – Schutzgeld & Die Geister die ich rief“ heißt es da etwa gleich am Anfang: „Das, was diese Gangster-Rapper und so da von sich geben, […] na ja, da krieg ich hässliches Würgen.“ Warum dem so ist, das hört und schaut man sich am besten selbst an.

Farid auf Talentsuche

Auch Farid Bang hat sich in der Welt des Livestreamings schon einen Namen gemacht. Er verfolgte dabei eine Idee, die noch kein anderer deutscher Rapper bislang vor ihm hatte: Er castete auf Instagram junge Nachwuchsrapper und ließ diese live im Stream performen.

Farid Bang castete in seinen Livestreams auf Instagram teilweise auch sehr junge Nachwuchsrapper, die ihr Talent vor tausenden von Zuschauern unter Beweis stellen konnten. stock.adobe.com © Seventyfour (DATEI-NR.: 408108620)

Seine Castingshow trug den durchaus nicht unkreativen Titel „Das Instalent“ und war erfolgreicher, als einige vorher für möglich hielten. Teilweise konnte Farid dabei mehr als 20.000 Zuschauer gleichzeitig an den Bildschirm, bzw. ans Smartphone fesseln.

Die Idee zur Show kam Farid eigenen Aussagen zufolge nachdem er einmal von DSDS angefragt wurde, ob er denn nicht Teil der Jury werden wolle. Farid beschloss stattdessen, das Ganze einfach in eigene Hände zu nehmen und sich gezielt auf die Suche nach Nachwuchstalenten aus dem deutschen Rapuntergrund zu machen. Faird schaffte es bereits, mit seinem Label Banger Music drei Rapper auf Platz eins in den deutschen Charts zu führen – wer wäre also besser geeignet um weitere junge Talente zu fördern und groß zu machen? Vielleicht geht die Castingshow ja irgendwann in eine neue Runde, ist doch aus dem ersten Versuch nicht wirklich ein neuer Star erwachsen.

Mois – Mit und ohne Manuellsen

Mois zählt inzwischen zu einer der wichtigsten Figuren in dem Bereich des Raps, der sich online und hier vor allem auf YouTube abspielt. Er selbst ist Rapper, aber vor allem auch Videoproduzent und Unterhalter und startete 2017 erst auf YouTube durch. In den paar Jahren hat er sich zu einem deutschlandweit bekannten Kommentator und Berichterstatter der deutschen Rapszene gemausert.

Im Mai 2019 gründete Mois schließlich auch sein eigenes Label Keller GmbH , worauf er Maestro als ersten Künstler signte. 2020 folgten dann die Rapper Arman, Sokko167 und Albozz.

Seit Ende 2019 reagierte er dann gemeinsam mit Rapper Manuellsen auf Neuveröffentlichungen der Deutschrapszene. Das Format „Nice or scheiß“ war bei vielen Hörern sehr beliebt. Das liegt auch daran, dass hier die Vorteile des Livestreamings voll ausgenutzt wurden. In den Kommentaren konnten Zuschauer im Austausch gegen eine kleine Geldspende Rapper vorschlagen, auf die Mois und Manuellsen dann reagierten. Die Beiden scheinen bis heute gut miteinander zu sein, auch, wenn das Format inzwischen stillgelegt wurde.

Mois streamt allerdings weiterhin, nur eben alleine. Gerade der Beef mit Asche, der seit Anfang 2021 auch in Mois Streams thematisiert wird und sich um Asches vermeintliche tschetschenische Herkunft dreht, dürfte weiterhin für spannenden Streamingstoff sorgen.

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Born 1972 DJ since 1992 Owner of THE CLUBMAP Part of Zug der Liebe & OpenAir to go