JENS

jens-schwanMoin Moin, wer steckt den hinter dem Kram hier? Its me… Jens Schwan, ehemals Hohmann. Ich wurde 1972 geboren, in dem Jahr, als für Unternehmer im Osten die letzte Stunde schlug. Seit Mai 72 gab es in der DDR keine Privatbetriebe mehr, das Volkseigentum regierte, und die letzten Krämerseelen, die glaubten, die aufkommende Entspannungspolitik ließe Gnade auf sie scheinen, wurden ihrer Tante Emma Läden beraubt. Im Westen bombte die RAF und ein paar kranke Menschen verbreiteten Terror in München. Und als wäre das alles nicht schon genug, störte ich mit meiner Geburt die holde Mama beim Mittagessen.

Mit fünfzehn war ich restlos vom Osten bedient und wollte, wie unser Nachbar, Hochsee Matrose werden. Der kam dadurch in alle möglichen Länder, und erzählte zuhause dann gern von Hamburg und Afrika. Viel mehr anderes blieb mir bei der Jobauswahl auch nicht mehr übrig, nachdem ich mit ein paar Freunden auf dem Schulhof unsere FDJ Hemden verbrannt hatte. Auf Wiedersehen Abitur. Der Matrosen Lehrgang, der mir den Weg ebnen sollte, stellte sich allerdings als paramilitärisches Camp der GST heraus. Daraufhin resignierte ich und wurde Punk. 1987 besetzte ich mein erstes Haus. Im August 89 folgte das zweite direkt am Senefelder Platz.

Die „Wende“… Tja, so als Dissident war man eh nicht so am Konsum interessiert. Die BRD fand ich als kapitalistische Kackscheiße genauso falsch wie die DDR Diktatur. Klar hat sich einiges geändert. Aber das lag eher an der Freiheit die wir nun in Berlin hatten. Alle kamen zu uns, um was Neues zu machen. Ostberlin war ein anarchistisches Paradies, das Kreative aus aller Welt anzog. Gleichzeitig wurden die Neonazi Gruppierungen größer und stärker, und wir hatten andere Probleme als Reiseplanung oder Shopping.

Das erste Mal im „Westen“ war ich übrigens zwei Tage nach dem 9. November um 2 Uhr nachts. Reine Langeweile. Einen Monat später waren wir regelmäßig in Kreuzberg zu Punk Konzerten. Kreuzberg war immer das Mekka für uns Ostpunks gewesen. All die coole Musik kam da her. Aber das führte auch dazu, dass ich nicht mehr Punk sein wollte. Am Halleschen Tor standen mehrere West Punks unten an der Treppe und schnorrten uns nach Geld. Ich fand das so würdelos, dass die Punk Szene für mich gestorben war. Danach wechselte ich zu den S.H.A.R.P. Skins.

Das Schwierigste für mich war, mit anzusehen, wie die Ostdeutschen sich für zügige Wiedervereinigung und D-Mark entschieden. Wir wollten einen neuen sozialistischen freien Staat. Bloß keinen Kapitalismus. Das Bündnis 90, dem Bürgerrechtsgruppen wie Neues Forum und Demokratie Jetzt angehörten, kam bei der Wahl im März 1990 auf magere 2,9 Prozent. Die erste freie Volkskammerwahl im deutschen Osten war zugleich auch die letzte und beendete unsere Träume.

Nachdem Nazis dann 1991 Teile des Hauses abfackelten, hatte ich erstmal genug von Politik und widmete mich dem Techno. Die ganzen 90er stand ich entweder hinter irgendeiner Bar oder spielte DJ. Lange ist es her. Ich weiß noch, wie ich meine erste Platte bei Hardwax kaufte: „Underground Resistance ‎– The Seawolf“ und Monika Dietl im Radio lauschte. 1992 startete ich mit dem Auflegen.

Ich hab jahrelang in Clubs hinter der Bar meine „Jugend verschwendet“, im Plattenladen gearbeitet, durfte mit Aphex Twin und Felix the Housecat auflegen, und Robert Hood & Jeff Mills schon 93 in unserem Club begrüßen. Es gab eigene Clubs und viele viele Veranstaltungsreihen. Es gab viele Freitagnächte, die erst Montag früh endeten. War ne gute Zeit. Ich habe das E-Werk, den Eimer, das Boudoir, und das alte Suicide geliebt, und trauere dem Rio nach. Aber vor allem aber konnte ich in den 90ern in Berliner Katabomben kriechen und tanzen, die es wohl so nie wieder geben wird. Es ist in diesen mehr als 20 Jahren viel geschehen. Ich hab keine Ahnung, warum heute alle von Electro reden, aber ganz was anderes meinen, und finde es einfach nur strange, dass der Begriff für alles rund um Detroit, Chicago House, Trip Hop, Big Beat, Jungle und Drum n Bass herhalten muss, weil Kategorisierungen scheinbar den heutigen Hörer überfordern. Hipster sind wie sinnentleerte Modeopfer und Karikaturen früherer, sich streng abgrenzender, Jugendkulturen wie Mods, Rocker, Hippies, Punks oder Gothics. Die Innovationsfähigkeit einer Berghainschlange zeigt sich schon an ihrer monochromen Uniformität. Techno ist eine professionelle Maschinerie geworden, die ihre Hybris in EDM gefunden hat. Nun ja…

Irgendwann kurz vor der Jahrtausendwende war es für mich genug mit Techno, und ich ging zum Fernsehen. Da blieb ich zehn Jahre, bis mich der Ruf Groupons ereilte, und man mich zum Redaktionsleiter erkor. Das machte ich bis 2013. War eine schöne  und sehr schräge Zeit. Aktuell bin ich Redaktionsleiter bei einer anderen Company, veranstalte ab und zu Open Airs mit OpenAir to go, und war bis Oktober 2015 im Team bei BLN.FM.

Seit 2015 ist der Zug der Liebe dazu gekommen. Daneben bin ich noch in ein Projekt des Musicboards namens Club Kataster involviert, das einen Überblick der gesamten Kreativ Wirtschaft Berlins darstellt. Das gibt es seit 2019 sogar auch in Hamburg. Ich hab die Pressearbeit für das Tanzngen, den Dice Club und die WEYDE gemacht, die alle drei leider in die Hose gingen. Man könnte direkt abergläubisch werden.

Farbe & Unordnung war eins meiner Lieblingsprojekte. Das Event schaffte die Fusion aus Streetart Exibition und Open Air Kultur und fand erstmalig im September 2014 statt. Dabei waren 17 Street Artists am Start und schufen eine über hundert Meter lange Graffiti Wall. Sollte ich mal wieder machen.

Wer mich mal hören will kann das auf Soundcloud tun. Und ja… ich fand früher alles besser, was ich aber eher fehlender Energie meinerseits, denn mangelnder Euphorie heutiger Protagonisten zuschreibe.

In diesem Projekt steckt eine Menge Arbeit, die ich NEBEN meinen eigentlichen Jobs mache. Es gibt also kein Office und keine Praktikumsstellen, denn das ist letztlich ein Hobby. Die Texte sind alle selbst verfasst, die Bilder sind entweder von mir, von befreundeten Fotografen, oder werden von den Clubs zur Verfügung gestellt. Die Idee, die Berliner Clubszene vereint auf einer Seite darzustellen, gab es schon lange, allerdings fehlte ein bisschen das technische Know How und Zeit. Tja, die neue Page steht jetzt seit etwas mehr als einem Jahr und ich glaube das Baby ist ziemlich gut geworden. Sagen zumindest die Zugriffszahlen, die monatlich wachsen, wofür ich auch mal DANKE! sagen möchte. Ich bin zwar unparteiisch, aber mit Vorlieben ausgestattet, und finde Artists oder Veranstalter auch mal Scheiße. Ich verarsche hier keinen, indem ich musikalischen Dreck hype, und versuche einfach ein gutes Gesamtbild der Berliner Clubszene zu bieten.

Gast Artikel auf BLN.FM

Gast Artikel auf BERLIN CITY GUIDE (GROUPON)

Mein Track für FLÜGGE

All Time Favorites:

UR – Final Frontier
DJ Pierre – Fall
Ron Trent -Altered States
The Martian – Star Dancer
Aphex Twin – Analogue Bubblebath
Armando – 151 (Terrace Mixx)
Basic Channel: Phylyps Trak II
Robert Armani – Circus Bells (Hardfloor Remix)
FUSE-TRAIN TRAC (KABOOSE)
Laurent Garnier – Wake Up
Liquid Crystal – You got me
Hypnotist – House is mine
Choice – Acid Eiffel
Maurizio – Domina (Maurizio mix)
Carl Craig – Climax

Polygon, Mensch Meier, Artheater, Ritter Butzke, Void, Prince Charles, R19, Techno Türken Open Air, Mensch Meier, Father Graham, Odonien, Kosmonaut, Neu West Berlin, Loftus Hall, Projekt Klunkerkranich, Willner Brauerei, Cookies, Brunnen70, VEB Club, Golden Gate, Cabuwazi, ZMF, Münze Berlin, f.u.c. ministerium, MIKz, Suicide Circus, Hangar 49, Spreekind, Maria, Berliner Festspiele, Rodeo, VCF, Bergstübl, Sophiensaele, Polar TV, Edelweiss, Lore.Berlin, Magnet Mitte, Freischwimmer, Hotelbar, künstliche BEATmung, Roberta, Stereo33, Phuture, HAU, Mr.Tibbs, mT34, Coffy, Bangaluu, reingold, zumiroderzudir, tanzngen, Lovelite, Pavillon, Trance UC, BPM Club, Liquid, Tor 1, Gig, Cyberhouse, Weltspiele, 0511, palo palo, Faust,  Brueckenpartys, INTERFACE! BERLIN, SLEAZE Partys, Theatertreffen, Downstairs Open Air, Newthinking, Open Air to go, Zug der Liebe, Insel der Jugend Magdeburg, Griessmuehle