Hermione Frank (rRoxymore) macht seit über zehn Jahren elektronische Musik jenseits der üblichen Genre-Grenzen. Nach ihren letzten Alben (2019 und 2022) knöpft sie sich mit ihrem neuen Werk „Juggling Dualities“ nun die New-Age- und Wellness-Kultur vor – mit einem leicht ironischen Unterton. Das Album ist das Resultat einer harten Phase. Nach monatelanger persönlicher Krise und einer fetten Schreibblockade half ihr nur räumlicher Abstand. Daraufhin entstand die gesamte Platte in einem intensiven, sechswöchigen Kreativ-Rausch. Sie selbst nennt es einen „Hoffnungs- und Heilungstrip“ und ihr bisher ehrlichstes Werk Statt harter Club-Tracks gibt es hier das volle, modern verpackte Entschleunigungs-Programm. Warme Synths, tropische Vogelstimmen, organisches Sounddesign und jazzige Drums treffen auf tiefes Drum-Programming. Tracks wie ‚Am I Human?‘ (spacige Synths), ‚Upward Spiral‘ (verspielte Holzbläser) oder ‚Solace‘ (Sci-Fi-Vibes) klingen exakt so, wie ihre Titel vermuten lassen. Eine musikalische Einladung zur Selbstreflexion. Es ist ein Album, das einen dazu zwingen will, die Klappe zu halten, tief durchzuatmen und zu akzeptieren, dass auch beschissene Phasen irgendwann vorbeigehen.

Mit den ersten Vorboten für ihr 2026er Album beweist Yu Su, dass sie musikalisch enorm wandlungsfähig bleibt, ohne ihre klangliche Handschrift zu verlieren. Das hier ist die mit Abstand clubtauglichste Veröffentlichung von ihr seit Langem. Statt sich in Ambient-Texturen auszuruhen, paart sie auf „Foundry“ und „Bonita“ minimalen Techno-Drive mit ihrem typischen, warmen Downtempo-Feingefühl. Das Sounddesign bleibt extrem detailverliebt und vielschichtig, hat aber deutlich mehr PS unter der Haube als man es zuletzt von ihr gewohnt war. mie Tracks wurden 2025 bei Live-Sets auf Festivals wie dem Mutek als gezielte Groove-Waffen erprobt. Sie deuten an, dass das kommende Album insgesamt eine rauere, forderndere Kante haben wird – hörbar beeinflusst durch ihren Umzug von Vancouver in die Londoner Szene. Auch wenn das Konzept ihrer multisensorischen „Polyphonic Eating“-Dinner-Events auf dem Papier prätentiös wirken mag: Es beweist exakt das tiefgreifende Verständnis für Raum, Klang und Wahrnehmung, das ihre Produktionen so herausragend macht. Diese Tracks liefern nicht nur auf dem Dancefloor ab, sondern haben auch die akustische Tiefe, um beim genauen Hinhören zu bestehen.

Hier ein elektronisches/ambient-lastiges Release aus der usbekischen Szene. „Jannat Yurtim“ bedeutet auf Usbekisch in etwa „Mein paradiesisches Heimatland“, und die Tracks spiegeln offensichtlich Eindrücke aus Taschkent (Yashnobod ist ein Bezirk dort) wider. Josef Tumari, Lisunovsky und Xyarim sind tief in dieser lokalen Szene verwurzelt. Josef Tumari ist kein x-beliebiger Schlafzimmer-Produzent, sondern eine feste Größe der Underground-Szene in Taschkent und Teil des dortigen „Sublimation“-Kollektivs. Er rührt dort vor allem Breaks, Electro und Techno mit orientalischen Einflüssen zusammen und hat 2023 sogar schon ein Boiler-Room-Set in Usbekistan abgeliefert. Die Features mit Lisunovsky und Xyarim auf den hinteren Tracks (Tash Qper 2, Strings Dubovaya, Trip210) sind pure lokale Nabelschau. Da wurde nicht auf Krampf nach internationalen Namen geangelt, sondern die eigene Crew aus Taschkent eingespannt. Im Grunde ist das Album genau das: Ein ungeschönter, lokaler Elektronik-Auswurf aus Usbekistan, der den Vibe seiner Heimatstadt in Sound presst, ohne dabei in billige Folklore-Klischees abzurutschen.

Sabrina Bellaouel ist eine französisch-algerische Sängerin und Produzentin aus dem Pariser Vorort Bagneux, die sich erfreulicherweise weigert, in vorgefertigte Genre-Schubladen zu passen. Statt auf Industrie-Einheitsbrei setzt sie auf einen kantigen, hybriden Sound, der zeitgenössischen R&B, Neo-Soul und elektronische Club-Kultur mit ihren algerischen Wurzeln verquirlt. Wenn man musikalische Referenzen sucht, bewegt sie sich klanglich und visuell eher im experimentellen Fahrwasser von Künstlerinnen wie Kelela oder der Avantgardistin Sevdaliza. Ihr bisher wichtigster Meilenstein ist das Debütalbum „Al Hadr“, das im März 2023 auf dem Pariser Label InFiné erschienen ist. Darauf wirft sie alles von euphorischem Pop über technoide House-Einflüsse bis hin zu Thematiken wie Spiritualität und Astrologie kompromisslos in einen Topf. Zuvor hatte sie sich bereits mit EPs wie „Libra“ (2020), „Arab Liquor“ (2021) und dem HIER erwähnten „We Don’t Need To Be Enemies“ (2020) warmgelaufen.

„This is an In Memoriam release featuring 15 tracks from our dear friend, dj and producer , Funk E, that passed away recently in accident in Sri Lanka. The tracks were in our shortlist for two vinyl releases, one on Blacktooney as Yogi Bear and one on Underplay as Funk E. The Yogi Bear track will have also a vinyl release in the future. Profits will be donated to Funk E’s his family.“