Schon früher ließ sich ein klares Muster erkennen: Clubs, die sich politisch nicht „einmischten“ und einfach ihr Ding machten, letztlich sogar die Presse außen vor ließen und die „vierte Gewalt“ nur aktivierten, wenn es aktuell nützte > Crowdfundings, Investorenbedrohung, neue Konzepte zur Imagepflege etc. besser liefen. Mehr Wirtschaftsunternehmen, weniger Weltenretter. Nach 2015 war ein deutlicher ein Anstieg von Solipartys, Stellungnahmen, politischem Engagement… einer generellen Politisierung sichtbar. Ihr wisst was ich meine.

Mein Bauchgefühl sagt mir jetzt, dass politische Veranstaltungsformate mit Fokus auf Diversity, Awareness und Nachhaltigkeit zwar noch existieren, aber die rein wirtschaftlich optimierten Hedonismus-Maschinen dominieren.

Mein Bauchgefühl speist sich natürlich daraus, einen Eventkalender zu pflegen, jedes Wochenende Tipps zu schreiben und dadurch ganz gut das allgemeine Abend Angebot im Blick zu haben.

Das die rein wirtschaftlich orientierten Hedonismus Formate gewinnnen ist nicht verwunderlich, wenn man sich mal die letzten 15 Jahre der Start up Gründungen ansieht. Hier gewannen auch immer die rein wirtschaftlich fokussierten Projkete ohne sozialen Anspruch. In der Startup-Welt galt: „Social Impact“ ist immer ein ganz nettes Buzzword für das Pitch-Deck, aber das echte Risikokapital floss letztlich in die hyper-skalierbaren Geschäftsmodelle. FinTechs, Delivery-Apps und B2B-Software haben die großen Scheine abgeräumt, während Projekte mit echtem sozialem oder ökologischem Anspruch zwar gehypt wurden, aber meist Nischenprodukt blieben. Die Gewinner waren immer die, die Profitmargen und Wachstum kompromisslos über die Weltrettung stellten. Warum sollte es in der Clubkultur anders sein? Die Clubszene hat diese kapitalistische Evolution einfach mit ein paar Jahren Verspätung nachgeholt, bzw. sich nach 2015 wieder erneut angepasst. Neu ist das nicht. Frühr hat es allerdings nicht die komplette Kultur neu definiert. Das ist schon etwas ärgerlich.

Ähnlich wie in der Israel/Palestina Frage stehen sich zwei Blöcke gegenüber. Auf der einen Seite die rein profitorientierte Eskapismus-Maschinerie, auf der anderen die politische, oft akademisierte und wertebasierte Subkultur-Bubble. Die Mitte ist weggebrochen.

Der branchenführende IMS Business Report 2026 (erstellt von MIDiA Research) bewertet die globale elektronische Musikindustrie aktuell mit einem historischen Rekordwert von 15,1 Milliarden US-Dollar.

Heilige Guacamole sag ich da nur. Und kein Wunder, dass fröhlich aufgekauft wird. Mark Mulligan, der Autor der Studie, benennt die Ursache für dieses Wachstum brutal ehrlich:

„The escapist role of the dance floor has never been more important.“

Nach Pandemie, Inflation und Dauerkrisen will eine gigantische junge Zielgruppe einfach nur den Kopf ausschalten. Sie konsumieren 56-Stunden-Dauerbeschallung in Ferropolis wie Fastfood. Es geht um 15-Sekunden-Clips, schwarze Outfits und das pure Abschalten.Die politische DNA der Clubkultur? Wurde chirurgisch entfernt, weil Haltung die Skalierbarkeit stört und Investoren abschreckt.

Ich liebe es, wenn mein Bauchgefühl mich nicht trügt, aber es macht mir trotzdem Bauschschmerzen. Denn nimmt man mal:

  • Alterdiskriminierung der Gäste / DJs
  • und die Unsichtbarkeit älterer Frauen

mit in den Topf, bleibt für die Marktanalyse eine homogene Masse sinnentleerter junger Konsument:innen, die uniformiert gekleidet, identisch tanzen. Das ist ziemlich gut an jeglichen Ads auf Social Media sichtbar.

Nirgendwo zeigt sich diese kapitalistische Meisterleistung derzeit deutlicher als beim massiven Hype um „sexpositive“ und „kinky“ Partys. Was einst als intimer Schutzraum für schwule Typen #Lab.oratory begann, wurde erfolgreich zum lukrativen Produkt der Szene umgebaut. „Kink“ fungiert heute ganz gut als noch als Alleinstellungsmerkmal in einem gesättigten Markt. Der Glaube an eine Gated Community, bei der der schnell gekaufte Harness in der Danziger Straße sozusagen als optische Paywall dient, aber eigentlich den gleichen visullen Schemata, wie bereits oben erwähnt, folgt und böse gesagt, schon standardisierte Erlebnisgastronomie ist.