Die massiven Haushaltskürzungen der Jahre 2025 und 2026 bedrohen die Berliner Kulturszene in ihrer Existenz. Vom 1. bis 12. September 2026 geht das Bündnis #BerlinIstKultur nun in die Offensive und fordert Akteur*innen sowie das Publikum auf, im Vorfeld der Abgeordnetenhauswahlen laut zu werden.
Die Kultur Berlins steht mit dem Rücken zur Wand. Nach eklatanten und teils völlig planlosen politischen Eingriffen in die Haushalte kämpfen etablierte Räume für Produktion und Präsentation um ihr nacktes Überleben. Die Kulturschaffenden kritisieren den Mangel an politischer Rückendeckung deutlich: Es fehlt an einem Kultursenator, der sich schützend vor sein Ressort stellt. Die Konsequenz ist fatal – Orte kultureller Aktivität drohen für immer aus dem Stadtbild zu verschwinden.
Doch die Szene wehrt sich. Das 2024 gegründete Bündnis #BerlinIstKultur, dem sich bereits über 700 Theater, Museen, Projekträume, Initiativen und Einzelkünstler*innen angeschlossen haben, ruft vom 1. bis zum 12. September 2026 zur zweiten, verlängerten Aktionswoche auf. Unter dem Dach der Kampagne #DeineStimmefuerKultur soll unübersehbar darauf aufmerksam gemacht werden, was in der Hauptstadt auf dem Spiel steht.
Das Alleinstellungsmerkmal der Metropole verteidigen Es geht um weit mehr als um einzelne Projekte. Die Kultur ist das entscheidende Alleinstellungsmerkmal Berlins – ein massiver Wirtschaftsfaktor und der Hauptgrund, warum Menschen nach Berlin ziehen, hier studieren, arbeiten oder die Stadt besuchen. Die beispiellose Freie Szene und das breite öffentliche Angebot bilden das Fundament einer vielfältigen Stadtgesellschaft. Dieses fragile Gefüge, so die Botschaft des Bündnisses, werde man nicht kampflos verloren geben.
Aufruf zur radikalen Sichtbarkeit Die Organisator*innen fordern alle Kulturakteur*innen auf, die zwölf Tage im September maximal zu nutzen, um den Protest auf die Bühnen, in die Galerien und auf die Straßen zu tragen. Ob Festivals, Konzerte, Lesungen oder Ausstellungen – alle Formate sollen unter den Schirm von #BerlinIstKultur gestellt werden. Die geballte Reichweite von Netzwerken, Presseverteilern und dem Publikum soll genutzt werden, um das Thema Kürzungen in das Zentrum der öffentlichen Debatte zu rücken. Eigene Veranstaltungen können direkt über ein Anmeldeformular des Bündnisses eingetragen und zentral beworben werden.
Politik im Visier: Der Fahrplan bis zur Wahl Die Aktionswoche ist strategisch platziert, denn am 20. September 2026 wird das Berliner Abgeordnetenhaus neu gewählt. Die Akteure machen gezielt Druck auf die politischen Entscheidungsträger.
Zentrale Termine der Kampagne sind unter anderem:
- 1. September (10:00 – 11:30 Uhr): Spitzenkandidierenden-Panel in der Deutschen Oper Berlin. Unter dem Titel „Berlin vor der Wahl: Welche Zukunft hat die Kulturstadt Berlin?“ müssen sich die Politiker*innen den drängenden Fragen der Szene stellen.
- 1. September (14:30 – 16:30 Uhr): Offizieller Auftakt der Aktionswoche auf dem RAW-Gelände.
- 1. September (18:00 Uhr): Zukunftspanel zu einer neuen Legislatur für Kulturelle Bildung.
- 4. September (15:00 Uhr): Informations- und Vernetzungstag zur Stärkung der Freien Szene im theaterhaus berlin (Mitte).
- 11. September: Workshop „Sprechen mit Politik“ im Deutschen Theater sowie der Kulturpolitische Salon der Stiftung Zukunft Berlin am Abend.
- 12. September: Großdemonstration gegen Rechts unter dem Motto „DIE VIELEN“.
Flankierend ruft #BerlinIstKultur dazu auf, Wahlkreisabgeordnete direkt zu konfrontieren und zu Stellungnahmen zu zwingen. Bisher haben 39 Kandidierende, darunter drei Spitzenkandidat*innen, den detaillierten Fragenkatalog des Bündnisses beantwortet.
Infrastruktur für den Protest Das ehrenamtlich arbeitende Team von #BerlinIstKultur unterstützt die Szene mit einer breiten Infrastruktur. Neben Plakaten, Postkarten und Aufklebern, die an verschiedenen Orten in Berlin zur Abholung bereitliegen, stehen alle digitalen Vorlagen und der offizielle Kampagnen-Trailer online zur Verfügung. Zudem erhalten Teilnehmer*innen bei den zweiwöchentlichen „Freitagstreffen“ (Start nach der Sommerpause am 14. August) regelmäßige Updates.
Zur Deckung unvermeidbarer Ausgaben, wie der Miete von Demo-Lastern oder für Druckkosten, ist das Aktionsbündnis auf Spenden über die Berliner Kulturkonferenz e.V. angewiesen. Wer die Gemeinsame Erklärung „DeineStimmeFürKultur“ noch nicht unterzeichnet hat, kann dies auf der Webseite der Initiative jederzeit nachholen.
Die Marschroute für den September ist klar: Berlins Kulturszene bündelt ihre Kräfte – für den Erhalt der Kulturstadt und gegen den fiskalischen Kahlschlag.





