Während weiße, europäische DJs gerade Amapiano kommerziell bis zum Erbrechen melken und auf Ibiza verwursten, (in Berlin läzuft das eher so garnicht, was wiederum beklagt wird von den Crews hinter den Partys… was wiederum Quark ist, weil man nicht jede Musik mögen msss, was auch daran liegt, dass 115bpm einafch zu lahmarschig sind, hat sich der ursprüngliche, düstere Gqom in Südafrika in zehn rohe Subgenres aufgespalten (wie Sgubhu oder CPT Gqom). Die Szene dort biedert sich dem globalen Markt gar nicht erst an. Sie fragmentiert sich bewusst, zieht sich in die Townships zurück und bleibt unpoliert, hart und hyper-lokal. Letztlich ein ganz spannender Weckruf wie sich afrikanische Szenen gegen die globale kommerzielle Aneignung wehren, indem sie ihren Sound dekonstruieren und den Zugang für musikalische Touristen erschweren.

Die Aufsplitterung erinnerte mich stark an ein anderes Genre. Genau wie Jungle und spätestens Dubstep in den abgehängten Londoner Council Estates und den Wänden von Croydon entstanden sind, kommt Gqom direkt aus den Townships von Durban. Beide Welten nutzten gecrackte Billig-Software (FL Studio) und pfeifen auf teures Studio-Equipment.

Die Mutation verläuft exakt parallel. So wie UK Hardcore/Jungle innerhalb weniger Jahre in Techstep, Jump Up, Liquid, Neurofunk, UK Garage, Grime und 140-BPM-Dubstep zersplitterte, passiert das mit Gqom:

  • Ur-Gqom: Minimalistisch, düster, stark von polyrhythmischen Zulu-Drums getrieben.
  • Sgubhu: Treibender, strukturierter, mit deutlich prägenderen Kicks.
  • CPT Gqom (Cape Town): Schneller, härter, fast schon industriell und aggressiv.
  • 3-Step: Polyrhythmisch und gebrochen, als bewusster Gegenentwurf zur geradlinigen Standard-Klubkultur.

ABER UK Jungle und Dubstep wurden über Jahre hinweg vom britischen Musikmarkt selbst aufgesaugt (von Major-Deals für Goldie bis Brostep/Skrillex). Bei Gqom passiert etwas anderes: Südafrika hat mit Amapiano bereits das gigantische, gefällige Exportgut geliefert. Gqom spaltet sich nicht ab, weil es „erwachsen“ wird, sondern weil es dem Amapiano-Ausverkauf aktiv entkommen will. Es ist eine radikale Verweigerungshaltung.

Wo UK-DJ-Kultur auf Vinyl-Dubplates, Plattenläden und Piratensendern (Kool FM, Rinse FM) basierte, funktioniert der Gqom-Untergrund über WhatsApp-Gruppen, Datafilehost-Links und USB-Sticks, die direkt an die Minibus-Taxifahrer in Durban übergeben werden. Wer die Musik hat, bestimmt die Stimmung im Viertel. Schon ganz cool, oder?

Gqom nutzt also die Zersplitterung als Schutzschild gegen westliche Touristen und kommerzielle Ausschlachtung. Je unübersichtlicher, roher und lokaler der Sound bleibt, desto schwerer lässt er sich auf Ibiza im VIP-Bereich verwerten.