Aus der Mitte entspringt ein Fluss – Berlin und seine open air Parties

Gegenüber der Charite in der Invalidenstrasse, kurz bevor man die Brücke zum Hamburger Bahnhof überquert, erstreckt sich ein großes Denkmal, dass aus einer quadratischen Grundfläche besteht, die mit Wasser gefüllt ist und in der, eine schräg aus dem Wasser ragende Mauer steht.

Als ich dort vor einiger Zeit in den Abendstunden mit dem Rad vorbei rauschte, standen am Rand des Beckens vier Männer mit … Angeln.

Nein, nicht diese trägen Stöcke, die schlaff im Wasser hängen und wo ab und zu mal die Pose wippt. Fliegenfischer! In langen geschwungenen Bahnen zischten die Schnüre durch die Luft und gingen über dem Wasser nieder. Es war schön und völlig unglaublich. Und ich blieb erst mal stehen, schaute zu und kam zu spät zu meiner Verabredung.

Was hat das alles mit Musik & Clubkultur zu tun? Ganz einfach. Wenn es keine Möglichkeit gibt, in einem richtigen Fluss zu fischen, wird eben improvisiert.

Wenn es in den letzten Jahren in einem Bereich der Berliner Musik&Clubkultur eine sprunghafte Entwicklung gab, dann die der legalen, halblegalen oder völlig illegalen Outdoorpartys.

„Stoffwechsel“, Griessmühle, „Reclaim the sparkasse“, „downstairs unterm alex“ „wir sind park“, die Anzahl derer, die einfach mal selber machen, ist lang. Und damit sind sie so erfolgreich, dass alteingesessene Clubs nur noch neidisch werden können oder gleich Sommerpause machen. Natürlich gibt der „Das ist nicht erlaubt!“ Aspekt der Sache zusätzliche Anreiz.

Da wird auch schon mal die Konfiszierung der Bar Kasse hingenommen und eine Woche später munter weiter gemacht. Die Polizei anfangs noch bemüht, die Partys aufzulösen, wurde Opfer der eigenen Gewöhnung und lies das Feiervolk später gewähren. Man bat einfach nur darum etwas leiser zu sein und gut.

Das schöne an diesen Partys ist, vor allem, dass die übliche „Bis um halbdrei rum steh und nur mit dem Fuß wipp“ Kultur, die gerne in Berliner Clubs gepflegt wird, hier ad acta gelegt wird. Die Crowd rückt pünktlich an, was oftmals bedeutet, dass noch nicht mal die PA steht und um 23 Uhr wird bereits gerockt. Man weiß ja schließlich nie, wann Feierabend ist.

Teilweise gibt es dabei grandiose Ideen. Einen Minisender zu bauen und alle Leudde aufzufordern, ihre Ghettoblaster mitzubringen, um die Musike über ne Radiofrequenz zu transportieren… Hut ab! Bevor also wieder der Niedergang der Feierkultur beklagt wird, was sich jedes Jahr in unsäglicher Weise wiederholt, sollte beim nächsten Sonntagsspaziergang schnell mal ein Blick in die nächste Unterführung geworfen werden.

Tja, das Ende naht, denn der Bodenfrost, so verkündete es heute morgen der Wetterbericht, ist bereits im Anmarsch. Allerdings würde es mich überhaupt nicht wundern, wenn die nächste Party bei Minusgraden mit Heizpilzen auftrumpft.

Aufs nächste Jahr! DIY vs. Fliegenfischen!