19.8.2020 Humboldthain Club: Golden Diskó Ship + La Tourette (Double Releaseshow)

Adresse: Hochstr 46, 13357 Berlin. S-Humboldthain
Einlass 18:00 Beginn 19:00 Uhr VVK 12,00€ (via Ticketbu.de und KoKa36)
(Um ein sicheres Umfeld für Alle zu gewährleisten, empfehlen wir, die Tickets bereits im Vorfeld im Vorverkauf zu erwerben.)

GOLDEN DISKÓ SHIP und LA TOURETTE werden am 19. August zu früher Hochsommerstunde ihre neuen Alben ARACEAE und FUTURE KIDS live UND vor Publikum vorstellen! Wir hatten es eigentlich schon gar nicht mehr erwartet. Zunächst verlegten wir das Konzert von Mai in den August. Als dann klar wurde, dass auch im Sommer Indoorshows nur mit extrem beschränkter Kapazität möglich sein würden, machten wir uns auf die Suche nach der perfekten Outdoor Location.

Nun wird es wahr: Die Releaseshows der beiden Berliner Indie Acts ist die erste OFFIZIELLE OPEN AIR LIVESHOW im Bezirk Mitte, im schönen GARTEN des Weddinger HUMBOLDTHAIN CLUB. Auf der Veranstaltung haben Sexismus, Rassismus und Homophobie keine Chance.

Die Kapazität ist – aus Sicherheitsgründen – streng limitiert, also sichert euch bald ein Ticket.

Selbstverständlich gelten alle aktuellen geltenden Covid-19-Verordnungen, um die Veranstaltung für alle Beteiligten und Besucher*innen so sicher wie möglich zu gestalten. Besucher*innen sind dazu aufgerufen, ihren Mund-Nasen-Schutz mitzubringen und sich vor Ort an die Abstandsregeln zu halten.

Hier einige nützliche Hinweise:

Bitte tragt den Mund-Nasen-Schutz, wenn nötig.
Haltet den Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Besucher*innen und Mitarbeiter*innen.
Wenn Ihr euch erkältet oder krank fühlt, bleibt bitte zu Hause.
Bitte in die Armbeuge oder in ein Taschentuch niesen und husten.
Regelmäßig und ausreichend lange die Hände mit Wasser und Seife waschen.
Auf die Ausschilderung vor Ort sowie die Hinweise der Mitarbeiter*innen achten
Die Corona-Warn-App verwenden

Album-Informationen

Golden Diskó Ship – Araceae
CD/LP/DL VÖ: 29.5.2020 Karaoke Kalk

Theresa Stroetges ist und war schon immer eine Reisende. Unter dem Namen Golden Diskó Ship sowie als Teil von Bands wie Soft Grid oder dem Improv-Kollektiv Epiphany Now! hat die in Berlin ansässige Multiinstrumentalistin sich stetig ihren Weg durch die Randbereiche der experimentellen Musik gebahnt, ebenso aber die Möglichkeiten bewährter Formen erforscht – ob nun Folk, Rock, Techno oder Pop. Mit ihrem vierten Solo-Album, ihrem ersten für Karaoke Kalk, bricht das Golden Diskó Ship ein weiteres Mal in unerforschte Gebiete auf. »Araceae« ist von Veränderungen in unserer Umwelt ebenso inspiriert wie von dem beklemmenden Gefühl, das sich während intensiver Naturerfahrungen breitmacht – wenn auf der Oberfläche alles perfekt aussieht und doch darunter etwas nicht ganz zu stimmen scheint. Als Ganzes stellt das Album merklich elektronische Grooves in den Vordergrund, welche die Entfaltungsgrundlage für Stroetges’ verdichtetes und doch ausgedehntes Storytelling bilden.

»Araceae« entstand zu Teilen während einer Residency in Indien und ist das erste Album von Golden Diskó Ship, auf dem musikalische Gäste zu hören sind. Für »Wildly Floral, Slightly Damp« hat Stroetges mit dem Perkussionisten Dripta Samajder zusammengearbeitet, der mit einer Sri Khol verschachtelte Rhythmen über einen Beat laufen lässt, der in der Plattentasche von wagemutigen DJs sicherlich gut aufgehoben wäre. Sophia Trollmann spielt Saxofon auf »Ortolan«, einem fesselnden Miteinander von IDM-inflektiertem Techno und Jazz-inspirierter Improvisation. Beide Stücke sind herausragende und doch integrale Teile eines Albums, das eindeutig einem holistischen Plan folgt. Schon der Opener »Clouds of Neon Limelight« bewegt sich durch hymnische Synth-Pop-Gebiete, entwickelt sich aber schnell zu einer großen Saga voller unheilverkündender Untertöne und Stroetges’ Markenzeichen: geschichtete Vocals, die gleichermaßen Intimität herstellen wie sie ein nachdrückliches Gefühl der Unheimlichkeit hervorrufen.

Diese Verschränkungen prägen »Araceae« im Gesamten und tragen damit zur Entfaltung der übergeordneten Themen des Albums bei, der sinnlichen Wahrnehmung einerseits und den damit einhergehenden Entfremdungseffekten andererseits. »Game of Biryani« beispielsweise leiht sich einige seiner musikalischen Strukturen aus der Popmusik und stellt damit tradierte Songwriting-Konventionen infrage, die als irritierende Echoeffekte auftauchen anstatt überkommene Klischees zu reproduzieren. Mit den dichten Sounds von »Limping over the Prairies« und dem abenteuerlichen »Glow-in-the-Dark Gloves« fordert Stroetges ihre Hörerschaft noch weiter heraus, indem sie mit jeweils Noise sowie einer guten Portion Autotune-Einsatz für noch mehr Verfremdungseffekte sorgt. Die beiden Songs bilden das imposante Finale eines Albums, das unsere Vorstellungen dessen, was wir als natürlich erachten – ob nun in der Musik oder der Welt um uns herum – auf den Prüfstand stellt.
»Araceae« wurde von den Reisen seiner Schöpferin inspiriert, bricht aber selbst auf eine Expedition aus. Das Ziel: Herauszufinden, was jenseits des bloß Hör- und Sehbaren liegt.

La Tourette „Future Kids“
Vö: 14.8.2020

Das Duo „La Tourette“- Pianistin und Sängerin Tonia Reeh und Schlagzeuger Rudi Fischerlehner, veröffentlicht mit „Future Kids“ ihr zweites Album. Insgesamt ist „Future Kids“ das kompakteste, rasanteste und gleichzeitig vielseitigste Album der seit 2014 bestehenden Band. Es schreit Punk und atmet Soul. Diesmal haben La Tourette alles selbst gemacht. Alle Aufnahmen sind im Proberaum, oder Zuhause im Homestudio entstanden. Vertrauend auf die Qualität der Songs, die auch ohne teures Studioequipment tief in den Hörer eindringt.

Gleich mit dem ersten Stück, „Birthday Party“, wird man ohne Umschweife in eine seltsam anmutende, außer Kontrolle geratene Geburtstagsfeier hineingerissen, auf die sich ein Rechtsnationaler eingeschlichen hat, und die verdutzte Gastgeberin bedroht. Es bleibt kaum Zeit Luft zu holen. Begleitet von stakkatohaftem Klavier und treibendem Beat, gibt man sich nur zu gerne dem Rausch, dem Wahn hin, um Teil dieses betrunkenen Hahnenkampfes zu sein.

Im zweiten Stück, „Miau“, reißt einen der wilde Wirbel in weitere Höhen. Reehs gleichermaßen vorwurfsvolles, einschmeichelndes und verführerisches Jammern, Winseln und Wimmern und Fischerlehners nach vorne hetzendes Schlagzeug, prägen dieses kleine Songjuwel. Umringt von räudigen Straßenkatzen, lässt man sich gerne und bereitwillig kratzen und beißen.

Das Tempo wird im anschließenden Song „Rest in Jail“ ein wenig gedrosselt. Das Klavier, mit Orgel gedoppelt, erinnert an alte Motown Songs und die Backing Vocals kommentieren ironisch den parolenhaften Text. Man fühlt sich an hitzig-schwüle Nachmittage im staubtrockenen Nirgendwo erinnert.

In „Repeating Times“ legt sich Reeh Klagegesang einschmeicheld über die verzerrten Pianoflächen und es entsteht der Eindruck einer sich behende, schwer mahlenden Mühle: „He little Girl, please pull he Break“. Eine Aufforderung, sich aus genau dieser zu befreien.

Wie eine Befreiung prasselt das folgende „Rain“ auf den Hörer ein. Eine Umkehrung des unbeschwerten Filmschlagers „Singing in the Rain“ aus den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Denn hier ist nichts unbeschwert. Zu irreführenden poppigen Kinderlied-Melodien, wird einem schon bald bewusst: Der Schein trügt. Dieser Regen ist toxisch. Und dennoch tanzt man willig zusammen mit Gene Kellys grinsendem Skelett unter diesem verseuchten Wolkenbruch und feiert die eigene Zersetzung.

Das musikalisch zwischen schleppender Lethargie und wilder Ausbrüche, bis hin zum Kontrollverlust, irrlichternde „My friend John“ zieht einen hinein in eine Valiumgetränkte und verirrte Realität und steigert sich am Ende bis zur musikalischen Katharsis.

Im folgenden „Dollars & Brands“ kehrt die Schönheit, die Kraft und Stärke wieder zurück. Der Gesang wechselt zwischen schüchtern und dringlich. Geradezu kindlich-trotzig darf im Refrain mitgesungen werden.

In „No Harm“ wird dann ausgeteilt. Die Kraft erwächst aus der vorherigen Verzweiflung. Es wird gespuckt, getreten und selbstbewusst rumgegiftet. Mitreißende Harmonien, ein fordernder Gesang und ein treibendes Schlagzeug sprechen für die unbestreitbaren Hitqualitäten dieses kurzen wie eindringlichen Stücks.

Das abschließende, hypnotische und unglaublich cool vorgetragene „Arriba“, gibt diesem wilden, schönen, wahnsinnigen und euphorischen Album ein würdiges Ende. Wer beschwört hier wen? Der Schlangenbeschwörer die Schlange oder umgekehrt? Man mag nicht aufhören zu tanzen, zu diesem monoton-lässigen, salsa-getränkten Beat. Und wieder verfällt man in diesen süßen Rausch, der sich im Laufe des Stücks immer mehr verdichtet. Der sich steigert bis zur Trance. Es soll nie aufhören!

Eine Album wie ein Future Kid, das unlösbar anmutende Konflikte und Probleme nicht scheut und ihnen in die Augen schaut, aber dennoch nicht aufhört, zu spielen und zu tanzen, Spaß an der Welt zu haben und die Dinge anzugehen.