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Wie handhabst du Musikwünsche?

Ah, die liebt ja jeder DJ, haha. Wenn sich jemand einen Track wünscht, der in die Stimmung und das Set passt, spiele ich ihn vielleicht später im Set. Das ist aber eher selten der Fall. Aber wenn es bei dem Musikwunsch um die allgemeine Richtung geht, so wie „schneller“ oder Genre-Wünsche, kann man das durchaus machen. Dabei würde ich aber immer darauf achten, ob die ganze Crowd das so haben möchte, oder nur die Person, die sich etwas wünscht.

Was tun, wenn denn Equipment streikt?

Eine schnelle Lösung finden ist definitiv immer gut. Wenn einfach der Track hängenbleibt oder abbricht, merken die Leute schon, dass es ein technisches Problem ist und nehmen einem das nicht übel. Also einfach schnell den nächsten Track spielen.
Ich hatte bei einem Live-Set auf einer sehr großen Bühne auch schon das Problem, dass sich einer der Synthesizer durch die Hitze der Bühnenscheinwerfer stark verstimmt hatte, als ich auf die Bühne kam. Den Synth habe ich dann einfach während des ersten Tracks live nachgestimmt. Hat keiner gemerkt, glaube ich.

Was sind deine musikalischen Einflüsse aus der Kindheit?

Die frühesten Songs, an die ich mich erinnern kann sind „Twisted in my Sobriety“ von Tanita Tikaram und „Hinterm Horizont“ von Udo Lindenberg. Beide haben auf jeden Fall Eindruck auf mich gemacht, als ich noch sehr, sehr klein war. Außerdem hat mir mein Vater klassische Musik und Jimi Hendrix vorgespielt. Letzteren fand ich als Kind viel zu laut, hab mich dann in meiner Jugend aber selbst den verzerrten E-Gitarren zugewandt.

Lässt sich über Musikgeschmack überhaupt streiten?

Jein – es lässt sich über „Geschmack“ und „kein Geschmack“ streiten, finde ich. Es gibt sicher viele Genres, die mir persönlich nicht so gefallen, die aber trotzdem eine Daseinsberechtigung haben. Ich finde schlimmer, wenn Leute keinen eigenen Geschmack haben und jeden glatten, charakterlosen Schrott feiern, der ihnen vorgesetzt wird. Also wenn man aber einen eigenen Geschmack entwickelt hat und sich mit Musik beschäftigt hat ist es immer gut, finde ich, egal welches Genre.

Welcher Track würde bei deinem Einzug in dein Box Match laufen?

“The Farewell Courtyard” von Feynman. Der ist am Anfang leise und spannend und wird später einfach episch. Perfekt für einen Arenaeinzug.

Welches war der schlimmste Job den du jemals hattest?

Ich hatte ziemlich viele nicht so tolle Aushilfsjobs. Der schlimmste war sicher, Zeitungsabos an Studenten zu verkaufen, beziehungsweise Probeabos zu „verschenken“. Da wurde man auf Provision bezahlt und es war ziemlich schwierig und unbefriedigend.

Beschreibt deinen Sound jemandem, der dic noch nie gehört hat.

Elektronisch, treibend, tanzbar. Es gibt Melodien und harmonische Entwicklungen. Später im Track gibt es oft eine Art großen „poppigen“ Drop, bei dem alle vorher entwickelten musikalischen Motive zusammenspielen.

Hast du irgendwelche guten Tour-Geschichten auf Lager?

Ja, sicher, aber die meisten davon kann man nicht öffentlich erzählen. Auf jeden Fall kann ich nicht empfehlen, am letzten Abend eines Festivals zu spielen. Da sind die Backliner und Bühnentechniker meist nicht mehr so ganz frisch, und man selbst ja vielleicht auch nicht. Also ich hatte da teilweise schon sehr schlechten Sound – gerade bei Live-Sets.
Und eine andere Geschichte: Als ich mit meinem Live-Act Mojoy beim Brückenfestival in Nürnberg aufgetreten bin, hatten wir das Festival mal so auf Verdacht gebucht, ohne wirklich zu wissen, was das ist. Und als wir nach über sechs Stunden Autofahrt dort ankamen, stellten wir fest, dass wir Headliner des Abends waren und es nur eine Bühne gab. Wir wurden also mit dem Shuttle hinter die Bühne gefahren und als wir mal leicht über die mannshohe Bühnenkante nach vorne guckten, sahen wir, dass davor ca. 7000 Leute standen – viel mehr als unser übliches Publikum. Das war erstmal ein kleiner Schock, hat uns aber dann nur umso mehr angespornt und es ist auch alles gut gelaufen. Also immer gut, auf alles gefasst zu sein.

Was würdest du machen, wenn du kein Musiker wärst?

Sicher irgend etwas anderes freiberufliches Kreatives. Denn ich lasse mir einfach nicht so gerne sagen, was ich zu tun habe – deshalb freelance. Das könnte vielleicht etwas beim Film sein, jedenfalls macht es mir Spaß Videos für Instagram zu schneiden und graden. Oder notfalls vielleicht auch einfach IT Entwicklung – da ist man ja irgendwie auch kreativ.

Welcher Musikstil sollte am meisten Anhänger haben? Und warum?

Das ist mir eigentlich egal, solange es eine Vielfalt gibt und ich mir Sachen suchen kann, die mir gefallen. Natürlich wäre es schon toll, wenn nicht so belangloses Schlager-Gedudel das populärste Genre wäre.
Aber mich stört eigentlich eher, dass die Musik in Deutschland in kulturell wertvolle „ernste Musik“, also meistens Orchestermusik, und Unterhaltungsmusik unterteilt ist. Dadurch haben viele Musiker, die durchaus künstlerische, experimentelle Musil machen, weniger Chancen dafür gut bezahlt zu werden, oder eine Förderung zu bekommen.
Also, welches Genre die meisten Anhänger hat, ist mir eigentlich egal, so lange das damit verdiente Geld schön an alle kleinen experimentellen Sub-Genres verteilt wird, egal ob „ernst“ oder „Unterhaltung“.

Was ist die wichtigste Musikequipment-Erfindung aller Zeiten – und warum?

Das mag jetzt etwas lame klingen, aber ich denke, es ist der Verstärker. Verstärker haben die ersten Gitarrenverstärker und Rockkonzerte ermöglicht und so eine musikalische Revolution ausgelöst. Und Verstärker sorgen heute dafür, dass im Club der Bass ordentlich drückt. Ohne Verstärker wäre alles akustisch und das ist zwar ganz schön, wäre aber irgendwie wie im Mittelalter.

Was würdest du raten, um sich als Profi durchzusetzen?

Viel üben natürlich und mit anderen Musikern oder DJs zusammenarbeiten. Es ist wirklich fatal, sich in seinem Kämmerchen einzuschließen und zu denken, man macht die ganz große Kunst. Viele Musiker und Bands machen es so und dann werden die Sachen nie fertig, oder sie erreichen kein Publikum.
Außerdem: Ausdauer. Einfach immer weiter machen, egal ob es gleich klappt oder nicht. Es ist noch fast niemand über Nacht berühmt geworden. Und wenn doch, sind es meist von den Majors produzierte Acts, die auch ganz schnell wieder verschwinden.

Könntest du uns mehr über deine neue EP Next Summer auf Thisbe Recordings erzählen?

„Next Summer“ ist meine musikalische Verarbeitung des Covid-Lockdowns. Ich habe schon Anfang 2020 erste musikalische Skizzen dafür entwickelt. Die habe ich dann David von Thisbe vorgespielt und zusammen haben wir die Skizzen dann gesichtet und entschieden, an welchen ich für die EP weiter arbeiten würde.
Und als dann der lange Winter-Lockdown in Deutschland losging, hatte ich sehr viel Zeit, an den Stücken zu arbeiten. Ich habe mit vielen meiner Freunde über ihre Erfahrungen im Lockdown gesprochen und natürlich haben alles das soziale Leben sehr vermisst; über Monate. Für den Titel-Track „Next Summer“ habe ich deshalb meine Freundin, Maïlys, vor ein Mikrofon gestellt und sie zu ihren Erfahrungen im Lockdown interviewt. Die Idee des Wieder-Tanzen-Wollens hatte ich schon vorher entwickelt. So konnten wir den „Dance again“-Part gleich mit aufnehmen. Aus dem aufgenommenen Material habe ich dann eine kompakte Story geschnitten. Denn das ist „Next Summer“ eigentlich: ein Story-Telling-Track.
Und musikalisch wollte ich, dass der Track einerseits die Dunkelheit der Lockdown-Isolation einfängt, deshalb die fette, trockene Kick schon frühe im Track. Anderseits wollte ich die Hoffnung auf das neue freie Leben im nächsten Sommer musikalisch gestalten und habe dafür später im Track die sehr harmonischen Synthesizer-Arpeggios komponiert.

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