Stell dich bitte kurz vor. Wer bist du und wo sind wir hier?

Ich bin Boris, 1993 nach Berlin gekommen. Schon als Student habe ich die Aufbruchsstimmung der damaligen Clubszene mitbekommen – überall gab es neue Räume, man konnte fast überall spontan feiern. Diese Zeit hat mich bis heute geprägt.

Beruflich habe ich dann rund 20 Jahre etwas völlig anderes gemacht, Bürojob, Szene eher als Gast. Vor drei Jahren habe ich beschlossen, das zu ändern, und angefangen, kleine Partys zu organisieren. Dabei wurde mir klar: Die Freiräume von früher gibt es kaum noch, Genehmigungen und Vorschriften machen vieles komplizierter. Trotzdem wollte ich Räume für Kultur wieder zugänglich machen. Über Umwege kam ich so auf dieses Gelände in der Ziegrastraße. Das Projekt war von Anfang an groß, ich bin ein bisschen naiv reingestolpert und habe viel Lehrgeld gezahlt – aber auch viel gelernt.

Wann habt ihr eröffnet?


Wir haben das Gelände Anfang Juni angemietet. Eigentümer ist ein Projektentwickler namens Trockland, der hier Zwischennutzungen zulässt. Ich dachte anfangs, Genehmigungen wie Brandschutz oder Schallschutz seien schnell erledigt, tatsächlich hat es deutlich länger gedauert. Dazu kam, dass ich ohne festes Team gestartet bin, es war ein ziemliches Hin und Her. Seit einem Monat sind nun alle Genehmigungen durch. Alles ist rechtlich abgesichert, und seit zwei Wochen bespielen wir das Gelände richtig.

Das ist weitgehend eine Outdoor-Area, also Biergarten aber ihr habt ja auch noch den kleinen Indoor-Floor?


Genau. Der Indoor-Raum ist nur für Personal. Im Kern sind wir eine Open-Air-Location am Tag.

Und ihr könnt dann halt ganz klassisch bis 22 Uhr liefern?


Die Gastronomie hat eine Genehmigung bis Mitternacht. Wenn draußen länger Musik läuft, hängt es stark davon ab, ob sich jemand beschwert.


Wie seid ihr denn überhaupt rein gekommen?


Über Kontakte. Ein Bekannter aus der Szene kennt jemanden in der Geschäftsführung des Eigentümers. So kam das zustande.

Was waren die größten Hürden?


Ganz klar: Brandschutz und Bürokratie. Obwohl das Gelände 7500 Quadratmeter groß ist, mussten wir Notausgänge durch einen Stahlzaun schneiden. Auch die Toilettenfrage war absurd – die Verordnung bezieht sich auf Gasträume, wir sind aber Open Air. Da musste ich viel diskutieren. Zum Glück war der Bezirk Neukölln ziemlich kooperativ, die Ämter waren verhältnismäßig entspannt.


Ihr nutzt das Gelände nur temporär. Heißt das, die Entwickler können euch jederzeit rauswerfen?


Ja, das kann passieren. Geplant sind Workspaces, Studios, Gastronomie und ein Marktplatz. Ich weiß, das klingt riskant, manchmal denke ich selbst: mutig oder einfach dumm. Aber so funktioniert Zwischennutzung nun mal.

Was sind deine Pläne für dieses Jahr?


Mir geht es um Kreativität, Kunst, Szene – klar auch um Techno und elektronische Musik. Aber ich sehe das Gelände breiter: Food-Märkte, Kunstmärkte, Open-Air-Raves, Ausstellungen. Ich habe schon eine Supporter-Gruppe aufgebaut, mit vielen Künstlern und Kreativen, die mitgestalten. Ich habe meinen alten Job aufgegeben, weil ich Gastgeber sein wollte. Kultur am Leben zu halten, das ist meine Motivation.

Wollt ihr auch unter der Woche öffnen?


Ja, ab dem 10. September starten wir mit einem Biergarten für die Nachbarschaft. Kein klassischer Biergarten mit Holzbankreihen, sondern mit Schrottplatz-Flair: Kräne, Metall, Industriespuren. Berlin-Underground statt Hochglanz. Außerdem gibt es Musik unter der Woche: Wir haben Kante FM gestartet, ein eigenes Radio. DJs können sich melden und auflegen – wir nennen das Ganze „Beats im Biergarten“. Am Wochenende liegt der Fokus dann auf Partys.

Woher kommt der Name KANTE?


Ursprünglich hatten wir einen anderen Namen, der aber nie richtig passte. Eines Abends saßen wir hier am Ufer, jemand meinte „Hafenkante“ – und daraus wurde „Kante“. Mit dem Zusatz NKLN. Der Name funktioniert, ist kreativ, spielerisch, und kommt gut an.

Letztes Wort?


Auch wenn es schwer war und teuer, ich gebe nicht auf. Sollte die Zwischennutzung enden, nehme ich Bar-Container, Toiletten-Container und Möbel und mache woanders weiter. Das Projekt geht auf jeden Fall weiter.