Warum die LinkedIn-Romantik um die „Resident Culture“ purer Bullshit ist
Lufthansa streicht 20.000 Flüge, die Kerosinpreise verdoppeln sich und Ryanair rasiert seinen BER-Flugplan um satte 50 Prozent, weil die Gebührenstruktur des Flughafens schlichtweg ein Desaster ist. Der Himmel fällt uns sprichwörtlich auf den Kopf. Die logistische Wirbelsäule der internationalen Clubszene bricht gerade hörbar durch.
Und was passiert im Netz? Auf LinkedIn lese ich, dass dieser drohende Kollaps eine glorreiche „Chance“ für die Berliner Clubkultur ist. Da wird vom Ende des Überflusses geschwafelt und die Rückbesinnung auf die „Resident Culture“ gepredigt. Ironischerweise wird diese aufgesetzte „Back to the Locals“-Meinung brav auf Englisch getippt… für Berliner ist das also ohnehin nicht gedacht.
Die Mathematik des Untergangs
Joaaah, das ist ganz sicher keine spirituelle Reinigung der Szene. Das ist ein wirtschaftliches Blutbad. Die Berliner Clublandschaft hat sich schon vor 20 Jahren mit Haut und Haaren vom Tourismus abhängig gemacht. Wenn die Flieger nun am Boden bleiben, weil die Eskalation im Iran und das geopolitische Chaos ganz allgemein mal eben Kerosin zum Luxusgut pushen, dann bedeutet das für die meisten Läden nicht „Back to the Roots“, sondern schlichtweg das Ende. Das einzig Gute: Der ehemals profane Saft, spült nicht mehr jeden drittklassigen TikTok DJ für 30 Euro nach Berlin.
Wir steuern auf einen perfekten Sturm zu. (Allein schon, das so ein Vortex Core rund ist und sich dreht, wirkt verrückterweise wie die Rache besserer Vinylzeiten.)
Hier die Indregenzien. Die STURM Zutaten.
Zuerst die explodierenden Logistikkosten. Der durchschnittliche Touring-Artist wird wortwörtlich aus dem Himmel gepreist. Seht ihr meine Vison? Eine riesige Etikettierpistole, die so lange Schicht auf Schicht auf deren lächerliche Bomberjkacken pappt, bis das Gewicht zu groß wird und diese ganze Fast Fashion-Rave-Kultur am, Boden bleibt. Zuhause ist ja auch schön.
Nummero Zwei. Die realitätsfernen Gagen. Whgat happens? Really. WFT happens? Artist-Fees kleben weiterhin stur auf Peak-Inflation-Niveau. Ich lese es nur immer aber WARUM überhaupt passiert das? Und die Locals dümpülen auf Low Level und disktueiren mit Promotern übewr 150 Euro, und das 9k auf IG ja voll „niedlich“ wären.
Drittens: Für Promoter wird das Veranstalten zum Kamikaze-Einsatz. Selbst ein komplett ausverkauftes Haus reicht heute oft nicht mehr aus, um den Carbon-Footprint und das Kerosin des Headliners zu refinanzieren. (Hintergrund: In vielen Berliner Clubs hat sich das Modell dahin verschoben, dass externe Kollektive den kompletten Abend „mieten“ und damit nahezu das gesamte Risiko tragen, also fixe Miete plus zugesicherter Barumsatz.)
Die Illusion der lokalen Rettung
Die Gier frisst den Untergrund, und die Mittelschicht der Clubkultur wird gerade eiskalt wegrationalisiert.
Die Booking-Agenturen rufen für ihre Acts weiterhin astronomische Gagen auf, als hätte sich die Welt nicht weitergedreht. Der Deal vor ein paar Jahren: 3.000 € Gage + 250 € EasyJet-Flug. Der Deal heute: 3.000 € Gage + 1.200 € Flugkosten. Die Rechnung geht für den Promoter nicht mehr auf, aber die Agenturen weigern sich strikt, von ihren Margen runterzugehen. Sie wälzen das komplette Risiko auf die Clubs ab. Friss oder stirb.
Ein nicer Club mit einer Kapazität von vielleicht 500 Leuten und einem fairen Eintritt von 15 Euro hat ein hartes, mathematisches Limit. Du kannst nicht mehr Tickets verkaufen, als Leute reinpassen, und du kannst das Sterni nicht für 8 Euro verticken, ohne dass dir dein Stammpublikum den Tresen anzündet. Wenn die Transportkosten jetzt explodieren und die Gagen stur oben bleiben, gehst du als Promoter mit einem dicken Minus nach Hause… selbst wenn der Laden restlos ausverkauft ist.
Wenn der normale Club sich den internationalen DJ also nicht mehr leisten kann, wer bucht ihn dann noch? Genau: Nur noch die, denen die Fixkosten scheißegal sein können. Also Corporate-Festivals, hinter denen globale Heuschrecken und Investmentfonds stehen, die das Ganze über Sponsorengelder und astronomische Ticketpreise querfinanzieren und Clubs mit Fassungsvermögen von mindetsens 15000 Gästen.
Siehe meinen Artikel vom Dezember 2025:
Was wir 2026 wahrscheinlich verlieren werden:
„Kleine Clubs sind am stärksten bedroht. Sie können nicht gegenüber den großen Locations mithalten, die sich einafch teurere Line-ups leisten können. Die zudem ein Geflecht aus Bars und mehreren Clubs am Laufen haben, und so gegenfinanzieren können. Die bei größerer Fläche mehr Geld pro Party verdienen. Vermieter bevorzugen außerdem finanzstärkere Unternehmen, während kleine Clubbetreibende oft nicht mithalten können, was auch großen Event-GmbHs zugutekommt.„
Die Alternative, die jetzt online so romantisch verklärt wird a la wir lehnen uns einfach zurück und investieren in die Community vor Ort, ist ein schöner Gedanke für ein subventioniertes Jugendzentrum. Aber wer ernsthaft glaubt, dass die übriggebliebenen Locals die gigantischen Fixkosten der Berliner Venues auffangen, wenn der internationale Party-Strom versiegt, hat die Kalkulation eines Dancefloors schlichtweg nie verstanden. Das ist kein gesundschrumpfender Neuanfang. Es gibt hier keine romantische Rückkehr. Es gibt nur eine knallharte Konsolidierung, an deren Ende noch mehr Clubs schlichtweg verrecken werden.





