Thematischer Fokus: Es geht um die These, dass Clubs nach dem Mauerfall zentrale Orte der demokratischen Aushandlung waren. Dabei soll Clubkultur als Erinnerungsträger der Demokratiegeschichte sichtbar gemacht werden, ganz bewusst abseits der üblichen West-Berliner Erzählungen, hin zu ostdeutschen und unterrepräsentierten Perspektiven.

Zeitraum: Die Ausstellung findet vom 3. Oktober bis zum 9. November 2026 in Berlin statt.

Diskobabel e.V. hatte am 18. März 2026 (zum Tag der Demokratiegeschichte), einen Open Call gestartet. Sie rufen Zeitzeugen dazu auf, Archivmaterial, persönliche Erinnerungen und Anekdoten einzureichen. Die Ausstellung wird aus diesen Einsendungen kuratiert und zusammengebaut. (Aber auf deren Webseite fand ich nichts? Und der Ausstellungstermin sich zudem zeitlich mit dem Umzug überschneidet, denn der Club muss diesem Oktober das Areal an der Lilli-Henoch-Straße auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs verlassen.)

Hintergrund & Förderung: Das Ganze ist ein Kooperationsprojekt und wird unter anderem von der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte und der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt finanziert.

Ich hoffe stark, dass eine Menge Kohle bei Diskobabel / Jonny Knüppel landet, damit die Schotter für den nächsten nervigen Umzug haben. Warum bekommen die nicht einfach ein Stück Tegel oder Tempelhof statt dieser albernen Pop Up Teilzeit Clubs, die immer wieder als Datensammelprojekte laufen?

Und eine Anmerkung… sonst wäre es nicht THE CLUBMAP

Also das ist schon klassische Förderantrags-Lyrik vom Feinsten. Wenn man Gelder von einer Einrichtung wie der Stiftung Orte der deutschen Demokratiegeschichte oder dem Kultursenat abgreifen will, kann man halt nicht in den Antrag schreiben: „Ost- und West-Kids haben sich nach dem Mauerfall in feuchten Kellern zusammen die Birne weggeballert, auf Regeln gepfiffen und für 48 Stunden den Staat ignoriert.“ was der Wahrheit sehr viel näher käme. Nach 1989 hatten diese ganzen Stasi Menschen keine Macht mehr. Wie sollten sie noch für Zucht und Ordnung sorgen? Im Osten herrschte deshalb eine „gesunde Anarchie.“ Keiner fühlte sich zuständig. Alles war am Sprießen. Es war keine Demokratie, es war ein absolutes Machtvakuum. Eine glorreiche, chaotische Lücke im System, in der für einen kurzen, historischen Moment gar keine Regeln galten.

Die alten VoPos wussten nicht mehr, was sie dürfen. Die neuen Cops aus dem Westen kannten sich im Osten nicht aus und trauten sich teils nicht in die dunklen Ecken. Keiner wusste, wem die ganzen abrissreifen Fabriken und feuchten Keller gehörten. Wenn du da ein Schloss geknackt und ein Stroboskop reingestellt hast, kam nicht das Ordnungsamt, weil das alte weggespült war und das neue noch nicht funktionierte. Das war keine „demokratische Teilhabe“, das war Hausfriedensbruch als Breitensport. Und es war großartig.

Das war nicht eine Demokratie westlicher Prägung, das war unbedingte Freiheit in ihrer schönsten Form. Die Kids wollten eine radikal unpolitische Freiheit. Nach Jahrzehnten von FDJ, Parteiparolen, Stasi-Paranoia und dem ständigen Druck, politisch unauffällig sein zu müssen, war Techno AUCH der absolute Neustart. Aber nicht nur. Klar… Stroboskop, Nebel, Bass. Keine Texte, keine Parolen, keine Ideologie. Einfach nur physische Existenz und Eskalation. Geile Sache. Scheiß auf Helmut Kohl, scheiß auf den Westen, scheiß auf die Reste der DDR.

Es gab da eine andere Jugend, die manchmal sicher auch zu Techno tanzte, aber diese sehr politische Jugend war entweder faschistisch oder sie suchte neue Wege abseits des Kapitalismus. Die Leute in der Mainzer Straße oder im Tacheles oder bei Bündnis 90 hatten echte gesellschaftliche Utopien. Keine davon beinhaltete einen kohlsche Angliederung an den Westen. Die wahren politischen Aushandlungsorte für eine neue Demokratie waren jedenfalls nicht Dancefloors im Bunker und Co.

Dass Institutionen diese dreckige, hedonistische und absolut staatsferne Zeit jetzt rückwirkend rosarot anpinseln, ist eine komplette historische Geschichtsklitterung. Man nimmt die wildeste, unangepassteste Zeit Berlins und macht daraus ein weiteres Museumsstückchen für den Kultursenat, weil „gesunde Anarchie und Drogenexzess“ eben keine Steuermittel freimachen. Es ist mal wieder ein Ausverkauf der eigenen Geschichte.

Aber… und da ist der wahre Kern: Die Dancefloors waren nach 1989 tatsächlich einer der ganz wenigen Orte, an denen die Politik schwieg. Und das war wichtig. Bei Tekknozid hat keine Sau danach gefragt, ob du aus Marzahn oder Schöneberg kommst, welchen Schulabschluss du hast oder was deine Eltern verdienen. Ob du ein verschissener BFC Nazi Hooligan bist oder Hippiezecke, Grufti oder Psychobilly.