Es ist wieder soweit. Noch rund vier Wochen, dann verwandelt sich Köln-Ehrenfeld wieder in den Nabel der deutschen Pop- und Indie-Welt. Die Anwohner kleben schon wütende Zettel an die Türen, weil die Parkplätze geräumt werden müssen, und die halbe Musikbranche bucht sich überteuerte Airbnb-Zimmer, um beim c/o pop Festival wichtig mit dem Kopf zum Takt zu nicken.
Wir haben uns mal durch den aktuellen PR-Newsletter gewühlt und das ganze Marketing-Sprech herausgefiltert. Was bleibt, ist eigentlich ein ziemlich solides Line-up. Wenn man bereit ist, sich auf den Wahnsinn einzulassen. Hier sind die Dinge, die ihr euch auf den Zettel schreiben solltet, wenn ihr den Trip nach Köln wagt.
Der staatlich subventionierte Süd-Import Am Festival-Freitag gibt es im Helios37 die South German Export Session. Das Ganze wird präsentiert vom Pop-Büro Region Stuttgart und diversen Kulturreferaten. Klingt auf dem Papier nach einer staubtrockenen Beamten-Veranstaltung, bei der gleich jemand eine PowerPoint über Fördergelder an die Wand wirft. Ist aber eigentlich eine ziemlich clevere Nummer. Der Süden pumpt Geld in seine vielversprechendsten Newcomer und schickt sie in den Westen. Mit dabei ist Rapperin ildikó und die Stuttgarter Truppe ZWEIFEL, die den klassischen Gen-Z-Bindungsangst-Weltschmerz in Indiepop verpackt. Dazu PLUME, Udo West und Cosmica Bandida. Das sind die Acts, die ihr euch jetzt noch im kleinen Club für schmale Kasse ansehen könnt, bevor die Industrie sie komplett inhaliert und euch in drei Jahren 80 Euro für ein Ticket abknöpft.
Das Mysterium der Secret Acts Was wäre ein Festival heute ohne das künstliche Kribbeln von „Secret Acts“? Am Festival-Samstag bittet ZEITFANG im Yuca zum Tanz. Der Typ hat normalerweise so ziemlich jeden, der in der Szene Rang und Namen hat, vor seiner Kameralinse. Jetzt nutzt er sein Adressbuch und stellt Leute wie elia, Jaq oder die 16-jährige Luisa Schweig auf die Bühne. Und eben jene zwei streng geheimen Acts. Kann eine riesige Überraschung werden. Kann aber auch nur der Kumpel vom Gitarristen sein. Man muss halt hin, um es herauszufinden.
Das FLINTA PopCamp* Der Deutsche Musikrat (ja, genau der) mischt ebenfalls mit und bringt vier Acts aus dem Förderprojekt PopCamp 2025 mit. Wer jetzt an dröge Musikpädagogik denkt, liegt falsch. Das PopCamp hat in der Vergangenheit schon Leute wie OK KID oder Jeremias durchgewunken. Dieses Jahr gibt es vier FLINTA*-Acts, unter anderem die Indie-Pop-Künstlerin Ceci und Vandalisbin. Wenn ihr euren musikalischen Horizont mal außerhalb eurer Spotify-Bubble erweitern wollt, seid ihr hier richtig.
Der Wahnsinn am Ehrenfeldgürtel: Die Red Stage Kommen wir zum absoluten Höhepunkt der Absurdität, den wir heimlich ein bisschen abfeiern. Die Red Stage der Sparkasse KölnBonn. Ja, ihr habt richtig gelesen. Die wildesten Shows am Samstag und Sonntag finden in einer verdammten Bankfiliale statt. Da, wo ihr normalerweise am Geldautomaten steht und euch der kalte Schweiß ausbricht, weil der Dispo glüht, spielen jetzt Aufmischen, GERO oder Maurice Conrad. Eine pickepackevolle Bankfiliale als Club-Ersatz. Wenn das nicht die perfekte Metapher für den Ausverkauf der Jugendkultur ist, dann weiß ich auch nicht. Aber hingehen werden wir trotzdem.
Der Pre-Party-Tipp: Striktes Handyverbot Wer nicht bis zum offiziellen Festival warten will, sollte sich schon am 17. März in die Live Music Hall bewegen. Dort macht das Konzept unreleased halt. Rapper und Pop-Acts spielen Songs, die noch gar nicht veröffentlicht sind. Bausa und Trettmann standen bei sowas schon auf der Bühne. Der eigentliche Selling-Point ist aber ein anderer: Es herrscht verdammtes Handyverbot. Kein Filmen. Kein Instastory-Dauerfeuer. Ihr seid gezwungen, das Konzert mit euren eigenen Augen anzusehen und nicht durch das dreckige Display eures Vordermanns. Allein dafür lohnt sich das Ticket.
Fazit & Kohle Das 3-Tages-Ticket kostet euch schlappe 110 Euro und ist fast ausverkauft. Tagestickets liegen bei 40 Euro. Wem das zu viel ist und wer lieber den Rest seiner Kohle am Sparkassen-Automaten für überteuertes Kölsch abhebt, der kommt einfach am Sonntag. Da ist das ganze Programm umsonst.
Wir sehen uns in der Bankfiliale.





