14,4 Milliarden Euro Bruttospielertrag verbuchte der legale deutsche Glücksspielmarkt 2024. Das entspricht der Summe aller Spielerverluste und liegt fünf Prozent über dem Vorjahreswert. So weist es der Tätigkeitsbericht der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) aus, vorgelegt am 27. Juni 2025. Die Steuer- und Abgabeneinnahmen aus Glücksspielen lagen bei rund sieben Milliarden Euro. Auf den GGL-regulierten Online-Sektor entfielen etwa vier Milliarden Euro, was 28 Prozent des erlaubten Markts ausmacht.

Parallel schätzt die Behörde den deutschsprachigen Schwarzmarkt im Internet auf 500 bis 600 Millionen Euro, gestellt von 858 Glücksspielseiten und 212 Veranstaltern ohne deutsche Erlaubnis. Die Kanalisierungsquote im riskanten Online-Segment liegt nach Berechnung der GGL bei rund 50 Prozent. Als Zielmarke hatte der Glücksspielstaatsvertrag 2021 deutlich über 80 Prozent vorgegeben.

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1,8 Milliarden Euro aus Online-Sportwetten

Online-Sportwetten holten 2024 einen Bruttospielertrag von 1,8 Milliarden Euro, ein Zuwachs von 400 Millionen gegenüber dem Vorjahr. Damit ist das Segment zur zweitstärksten Säule im regulierten deutschen Angebot geworden, nach den staatlich organisierten Lotterien.

Auf der GGL-Whitelist stehen Stand Mai 2026 rund 29 Sportwetten-Anbieter, darunter Tipico, Betano, bet365 und NEO.bet. Über die Hälfte aller Online-Sportwetten wird mobil platziert, bei Live-Wetten liegt der Anteil noch höher. Die Einsatzsteuer von 5,3 Prozent auf Wetteinsätze gilt branchenweit als struktureller Nachteil gegenüber unlizenzierten Konkurrenten, die ohne diese Belastung kalkulieren. Tipico zählt seit der ersten GGL-Lizenzvergabe 2022 zu den marktführenden deutschen Plattformen. Großereignisse wie die UEFA-Fußball-Europameisterschaft 2024 und die Olympischen Spiele in Paris zogen das Wettvolumen im selben Jahr nach oben, was die GGL mit erhöhter Werbeüberwachung beantwortete.

95 lizenzierte Spielotheken konkurrieren um Neukunden

Anders verhält es sich bei den virtuellen Automatenspielen. Der Bruttospielertrag dieses Segments lag 2024 bei rund 0, 6 Milliarden Euro, ein Bruchteil der Sportwetten-Erträge, aber mit Wachstumsdynamik. Auf der Whitelist der GGL standen im Mai 2026 rund 95 Anbieter mit Erlaubnis für virtuelle Automatenspiele, darunter Marken wie Merkur Slots, Löwen Play, DrückGlück, Jackpot Piraten und NetBet.

Der Wettbewerb in diesem Segment läuft stark über die Neukundenakquise. Bei Anbietern wie NetBet oder DrückGlück gilt ein Casino Bonus mit 100 Euro bei Registrierung als das verbreitetste Format und markiert die Obergrenze, in der sich der lizenzierte Markt um neue Spieler bewegt. Wer höhere Beträge verspricht, bewegt sich entweder außerhalb der GGL-Regulierung oder bewirbt keine direkten Einzahlungsboni, sondern Cashback- oder Freispielmodelle.

Eine Besonderheit der deutschen Regulierung verdient die Erwähnung. Die GGL-Lizenz erlaubt ausschließlich virtuelle Automatenspiele. Tischspiele wie Roulette, Blackjack oder Live-Dealer-Formate sind unter dieser Erlaubnis nicht zulässig. Damit haben deutsche Spieler auf die meisten Innovationen aus diesem Sektor gar keinen Zugriff.

Ab Mai 2026 sperren die Internetprovider

Mai 2026 markiert einen regulatorischen Einschnitt. Internetprovider wie Deutsche Telekom und Vodafone sollen den Zugang zu unlizenzierten Glücksspielangeboten via DNS- und IP-Blocking unterbinden. Bislang griff die GGL die illegalen Anbieter direkt an, mit beschränktem Erfolg. Nur 19 der 212 erfassten Schwarzmarkt-Veranstalter sind in der EU ansässig. Die übrigen sitzen in Curaçao, Gibraltar oder ähnlich entfernten Gerichtsbarkeiten. Die neue Maßnahme attackiert erstmals den technischen Zugang zum Angebot, nicht den Anbieter selbst. 

Curaçao gilt unter Spielern als bekannteste Adresse für Anbieter, die das deutsche Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat umgehen. Die kleinkaribische Lizenz ist günstig, schnell erteilbar und kennt weder dieses Limit noch die anbieterübergreifende OASIS-Sperrdatei, in der laut GGL-Daten Stand 2024 deutlich über 200.000 selbstgesperrte Spieler registriert sind.

Das Maßnahmenpaket der Behörde umfasst mehrere Schichten. 2024 hat die GGL 231 Untersagungsverfahren eingeleitet, rund 450 Seiten durch Verfügungen vom deutschen Netz genommen und weitere 657 Domains via Geo-Blocking auf Basis des Digital Services Act abgeschaltet. Seit September 2024 dürfen über Google Ads ausschließlich GGL-lizenzierte Anbieter werben. Hinzu kommt Payment Blocking durch Zahlungsdienstleister, das Transaktionen zu illegalen Anbietern unterbinden soll. All diese Sperren lassen sich mit einem VPN jedoch kinderleicht umgehen.

Die DNS-Sperren werfen technische und rechtliche Fragen auf. IT-Experten warnen vor Overblocking, also der Mitabschaltung legaler Webseiten. Datenschützer prüfen die Vereinbarkeit mit der DSGVO. Verhandlungen dazu sind absehbar.

Was die Evaluierung Ende 2026 prüft

Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 schreibt einen Evaluierungsbericht bis Ende 2026 vor. Auf dem Prüfstand stehen die Kanalisierung, die Wirksamkeit des Spielerschutzes, die Lizenzdauer, die Bearbeitungszeit für Spielzertifizierungen sowie die strukturelle Belastung der Lizenznehmer durch die Einsatzsteuer. Eine Auswertung des Branchenportals ISA-Guide vom März 2026 verweist auf das Paradoxon, dass die hohe Abgabenlast die Auszahlungsquoten unter 95 Prozent drückt und damit Spieler in den Schwarzmarkt treibt, den der Vertrag eigentlich zurückdrängen soll.

Vor dem Europäischen Gerichtshof liegen zwei Verfahren, die das Bild verschieben können. Im Tipico-Fall (C-530/24) geht es um die Rückforderbarkeit von Spielereinsätzen aus den Jahren vor der GGL-Lizenzierung. Nach zwei Verschiebungen — vom Dezember 2025 erst in den Februar, dann in den März — hat Generalanwalt Nicholas Emiliou seine Schlussanträge am 19. März 2026 vorgelegt. Sie fielen verbraucherfreundlich aus: Anbieter ohne deutsche Erlaubnis können zur Rückzahlung von Spielerverlusten verpflichtet sein. Das eigentliche Urteil des Gerichts steht noch aus. Daneben C-683/24, das Verfahren um die maltesische Bill 55, mit der Anbieter aus Malta gegen Schadensersatzklagen aus anderen EU-Staaten abgeschirmt werden sollen. Deutsche Zivilgerichte haben in den vergangenen Monaten wiederholt zugunsten klagender Spieler entschieden. Wie sich der EuGH am Ende positioniert, ist offen.