Ihr arbeitet komplett ehrenamtlich und ohne fette Budgets. Wie oft müsst ihr bei Agenturen betteln, damit Acts zu euch auf die Burg kommen, statt für das dreifache Honorar auf einem kommerziellen Festival zu spielen?
Natürlich ist es jedes Jahr wieder eine neue Herausforderung, gerade mit steigenden Produktionskosten. Viele Agenturen kennen und schätzen uns und unser Booking-Team kommt immer ins Gespräch was sich realisieren lässt. Die Acts wissen auch, dass wir ehrenamtlich arbeiten und für einen guten Zweck spenden, unterstützen das und kommen gerne auch ein zweites Mal.
Ihr hattet 2023 gehofft, über Fördergelder die Lesebühne und die Kirchenbühne dauerhaft zu etablieren. Hand aufs Herz: Habendie Töpfe vom Landkreis Oder-Spree gereicht, oder zahlt ihr mittlerweile bei der Infrastruktur drauf?
Ganz generell wäre es stressfreier langfristigere Förderungen zu erhalten, dahingehend sind die Angebote allerdings recht rar. Also machen wir uns jedes Jahr aufs Neue an die Beantragung von Fördergeldern. Die Förderung des Landkreis Oder-Spree ist für uns ein sehr wichtiger Pfeiler, jedoch nicht ausreichend. In diesem Jahr konnten wir glücklicherweise wieder einige weitere Gelder einwerben.
Links und rechts sterben die kommerziellen Open-Airs wegen der Inflation weg. Warum tut ihr euch diesen ehrenamtlichen Stress 2026überhaupt noch an? Wo liegt das absolute Limit, an dem auch ein Non-Profit-Festival wie eures sagen muss: Es rechnet sich einfach nicht mehr?
Das sind Fragen, die wir uns regelmäßig stellen – im einzelnen, aber auch als Team. Die Kostensteigerungen sind auch an uns nicht vorbeigegangen, gleichzeitig haben wir auch nur sehr begrenzt Spielraum für finanzielle Anpassungen um diese an anderer Stelle aufzufangen. Gerade bei schleppendem Vorverkauf bedeutet das Stress. Das absolute Limit müsste dann zwangsläufig der Punkt sein, wo wir unsere Kosten nicht mehr decken könnten.
Unsere vielen tollen Partner*innen vor Ort, die so einiges ermöglichen, zahlreiche ehrenamtliche Helfende vor und während des Festivals sowie ein harter motivierter Kern im Festivalteam haben uns bisher nicht aufgeben oder untergehen lassen. Hier daher ein dickes Dankeschön an alle, die es mit uns bisher möglich gemacht haben! <3

Ihr habt über die Jahre beträchtliche Summen gespendet, aber eure eigenen Rücklagen wurden durch gestiegene Sachkosten komplettaufgefressen. Wie rechtfertigt man im Team intern, dass man Geld nach außen spendet, während der eigene Verein finanziell auf der Felge kaut?
Wenn man die Spendensumme eines einzelnen Jahres betrachtet, dann ist das relativ zu den Produktionskosten gar nicht mal so viel und ein Großteil der Spendensumme sind die Direktspenden aus den Ticketverkäufen. Das ist Geld, das uns nie gehört hat. Über die Höhe der Rücklage wird im Rahmen des Möglichen aber natürlich auch jedes Jahr wieder aufs Neue im Team abgestimmt.
Ein wichtiger Aspekt ist leider aber auch, dass wir selbst in den besseren Jahren nicht wirklich eine große Rücklage hätten bilden können. Da wir ein gemeinnütziger eingetragener Verein sind, dürfen wir das nur begrenzt.
Der Burghof ist euer Wohnzimmer, aber ihr bespielt auch die Kirche und habt eine Lesebühne. Wie schafft man es, dass sich das Programm auf so engem Raum nicht gegenseitig kannibalisiert?
Die Lesebühne findet am Freitag statt und die Kirchenkonzerte am Samstag, die Konzerte auf dem Burghof sind an den jeweiligen Tagen damit abgestimmt. Kleinere Verzögerungen sind natürlich immer möglich. Prinzipiell kann man aber alles erleben, wenn man das möchte und das ohne Überschneidungen.
Die Lese- und die Kirchenbühne sind auch für alle offen, d.h. man braucht kein Festivalticket. Auch deswegen legen wir Wert darauf, dass sich Programmpunkte nicht überlappen und alle – Festivalbesuchende und andere Interessierte – so auch in Kontakt kommen können.
- Jenseits von Millionen 07.-08. August 2026
- Burg Friedland (Niederlausitz/Brandenburg)
- Pestalozzistr. 3
- 15848 Friedland
- https://jenseitsvonmillionen.de
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