Interview mit Nico Deuster vom KRAKE Festival

(Bilder: Marco Microbi)

Persönliches Highlight des Festivalprogramms 2019?

Hm, das wird schwer zu sagen. Es gibt einige Dinge, auf die ich mich sehr freue: Das Experimental-Live Set von Dasha Rush z.B., die eigentlich immer begeistert, und für deren Set wir lange, lange anfragen mussten, bis das endlich klappte. Das wird im ehemaligen Krematorium Silent Green bestimmt großartig! Clubmäßig freu ich mich am meisten auf Paula Temple und die Warning-Crew, die mittwochs die Grießmuehle zerlegen werden, und auf Regis, der ein Jungle-Set Sonntag nachmittags spielen wird. Ach ja, und dann wäre da noch das 4 Stunden-Live Set von AnD. Das dürfte auch ziemlich geil werden. :)

Wie ist das Festival entstanden?

Das Festival ist entstanden aus dem Gedanken heraus, dass wir (mein damaliger Partner Holger Hilgers und ich) beinahe an Langeweile gestorben wären im damaligen Berlin, wo es außer Tech House und Berghain-Techno wenig Vielfalt gab. Das war ja sehr anders als heute, da gab es kein About Blank, keine Griessmuehle, kein Atonal, kein Leisure System, keine Säule usw. Und dem haben wir dann halt unser Festival entgegengesetzt, wo zwar auch Techno, House und Electro stattfindet, aber eben auch ganz viel anderes.

Was waren die Anfangsschwierigkeiten?

Wir hatten den Arbeitsumfang am Anfang krass unterschätzt. Ich hab damals ja wöchentlich veranstaltet, und dachte, ok, 3 Tage, das ist dann ähnlich vom Aufwand her, nur mal drei. Das ist aber nicht so, denn Deine Kumpels sind nach einem Tag durch, die anderen Leute, die arbeiten, müssen koordiniert werden, das explodierte auf einmal, und wir sind kaum hinterher gekommen…

Seit wann gibt es die Musicboard Förderung und wie könnt ihr sie effektiv nutzen?

Die Förderung durch das Musicboard bekommen wir seit 2015. Das Geld hilft uns sehr dabei, eine Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Wir sind ja deutlich gewachsen seitdem, und d.h. dass wir nicht mehr alles selbst machen können und Personal brauchen, um das Festival vorzubereiten, und dieses Personal will natürlich auch schon vor dem Festival bezahlt werden, und nicht auf gut Glück nach dem Festival… Viele der Künstler sind ja auch bei Agenturen, die Vorschüsse auf Gagen verlangen, da kommt bei 70 Künstlern, die wir ca. Pro Jahr buchen, ganz schön was zusammen. Diese Hürden zu nehmen – dabei hilft uns die Förderung, und dafür sind wir sehr dankbar, schließlich machen wir das Festival seit bald 10 Jahren und denken, dass wir damit einen Beitrag zur kulturellen Vielfalt Berlins leisten.

Wie ist das Verhältnis zu den Locations? Offene Türen oder jedes mal wieder Überzeugungsarbeit?

Wir haben unsere Stammlocations, und mit denen klappt das eigentlich auch immer ziemlich super. Das wird langfristig geplant, und die freuen sich eigentlich auch auf uns, ist mein Eindruck. :)

Müsst ihr um Acts kämpfen um sie zu bekommen, und wann startet ihr mit den Vorbereitungen?

Ja, das kommt schon vor. Manchmal klappt es auch einfach nicht aus terminlichen Gründen oder so, z.B. bei der einen Band, da ist der Sänger im mit seinen Kindern im Urlaub, wenn das Festival stattfindet, aber irgendwann geht’s dann meist doch! Das ist halt auch das Gute, wenn man so lange dabei ist und noch länger dabei bleiben will: Da hat man andere zeitliche Dimensionen. Und wer wirklich nicht will, oder arrogant auftritt, den wollen wir sowieso nicht auf unserem Festival da haben. Da verzichten wir dann dankend.

Woher kommt der Name „Krake“?

Holger nannte mich mal so, weil ich in so vielen Dingen meine Finger drin hatte. Ich fand dann, dass das ein guter Name für unser Festival wäre, weil das auch so vielfältig ist, und in verschiedenen Locations stattfindet. Wie ein großer Krake, der auf der Statt sitzt, und seine Tentakel ausbreitet.

Wie groß soll das Festival in den kommenden Jahren denn noch werden, wo ist das Limit?

Naja, durch die Kooperationen mit den Clubs, wachsen wir ja gar nicht wirklich in Bezug auf die Besucherzahlen. Da gibt es sozusagen natürliche Grenzen. Wir wachsen eher in Hinsicht auf unseren Ruf, und da gibt es kein Limit! :)

Wie definiert ihr, an welchen Tagen welches Programm läuft?

Montags ist es eher beschaulich, ambient oder konzertartige Sachen, mit denen wir das Festival einleiten. Mittwochs gibt es dann üblicherweise Raum für Label Showcases oder Crews, die wir in der Griessmuehle präsentieren. Freitag ist der vielfältigste Tag, wo es schon tagsüber einen Labelmarkt im Urban Spree Biergarten gibt mit Ständen und Tombola usw, und abends geht es dann meist weiter mit Acts, die Techno und Punk irgendwie verbinden. Diesmal zeigen wir aber z.B. auch „B-Movie“, einen Film über die Achtziger in Westberlin, und nehmen so Bezug auf das Thema Punk und Techno usw.
Samstag/Sonntag bis Montag früh ist dann immer das große Finale in der Griessmuehle, wo eigentlich alles passieren kann, was man sich im Club vorstellen kann. Electro, Live Shows, Body Performances, Techno, House, Disco usw.

Schon mal nachgedacht über eine komplett eigene Location?

Ja, gerne. Haha
Nur wo??

Was sind denn die größten Herausforderungen bei Planung und Durchführung?

Die Komplexität und die beschränkten finanziellen Mittel.

Welche Eigenschaften muss jemand haben, um beim Festival auf der Bühne zu stehen?

Einfach nur gut sein. Etwas Besonderes machen! Das muss nicht „ausgeflippt“ oder „ausgefallen“ sein, es muss authentisch sein. Es muss etwas sein, was nur Du machst. Das muss man Dir abnehmen können.