Artist Interview: Alain Delay

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Moin Ronny „Alain Delay“, danke für deine Zeit… Erstmal zum Ankommen eine einfache Frage. Du bist ja musikalisch sehr kreativ, aber Techno ist so dein Ding. Wieso Techno?

Warum meine Leidenschaft Techno ist? In bin in der Zeit des Eurodance aufgewachsen, da kamen in den 90er Jahren noch die Top 100 auf MTV. Als kleiner Junge saß ich immer bei uns auf dem Wohnzimmerboden und habe die Lieder, die mir gefielen auf Kassette aufgenommen. Mich haben damals schon die elektronischen Beats mehr angesprochen, als alles andere. Mit 14 Jahren war ich dann das erste Mal auf der Loveparade in Berlin. Ich kam mir vor, wie in einer anderen Welt, ich bekam am ganzen Körper Gänsehaut … So viele Menschen, so geiler Beat, es war als ob ich genau in dieser Welt leben möchte. Ich war fasziniert und inspiriert von den Djs, die auf den Trucks spielten. Sie waren für mich die absoluten Superstars und ich stellte mir vor, auch mal dort oben zu stehen. Somit schaute ich den Djs in meiner damaligen Stammdisco genauer auf die Finger. Der Gedanke daran, auch mal hinterm Mischpult zu stehen, ließ mich nie los.  Irgendwann kam der Besitzer vom Calypso auf mich zu und meinte:“Ronny, du kennst so viele Leute hier, möchtest du nicht mal eine Veranstaltung machen?“  Ich sagte sofort zu und somit lud ich alle bekannten und Freunde zwei Wochen später zu „meiner“ Party ein.
Dann kam Tag X. Ich, derjenige der noch nie aufgelegt hatte, stand auf einmal hinterm Mixer.  Ich hatte mir ein paar coole CDs mit meinen Lieblings Tracks gebrannt und dann gings los.  Kein Plan von Übergängen, die Tracks liefen aus, Fader runter, anderer Fader rauf…  Professionell ist anders, aber die Leute haben die Musik gefeiert. Der Anfang meiner Veranstaltungsreihen war gemacht, aber das Ganze war doch noch sehr ausbaufähig.  Mit verschiedenen Dj Kollegen veranstaltete ich dann aller paar Wochen Partys und mit der Zeit lernte man immer mehr dazu.  Bis heute ist Techno eine Lebenseinstellung und ich bin froh, über die Möglichkeit, die mir damals geboten wurde.
Mit Höhen und Tiefen blieb ich immer dabei, denn Leidenschaft bleibt Leidenschaft.

Wie kommst du auf Ideen für einen neuen Track?

Klingt vielleicht komisch, aber ich Träume ab und an von Musik.  Als ich einmal wieder von einem Track träumte, stand ich auf und setzte mich sofort ins Studio um die Nummer umzusetzen.  Meine Freundin liebt den Song Manu Chao – Bongo Bong…  Somit durfte ich ihn mir im Urlaub in einer Dauerschleife anhören.  Obwohl sie alles andere als Techno hört, meinte sie, ich soll davon unbedingt einen Bootleg machen.  Erst dachte ich, dass lass ich lieber, doch als ich es tatsächlich umsetzte hätte ich niemals damit gerechnet, dass er so gut ankommt. Wenn ich einen Remix mache, habe ich schon eine gewisse Vorlage nach der ich gehe.  Ansonsten lege ich mich nicht fest in welche Richtung ich produziere.  Je nach Stimmung kommen die unterschiedlichsten Tracks raus.
Ich versuche mich auch musikalisch immer weiter zu entwickeln und probiere mich aus.
Ich nehme Tipps und gute Ratschläge sehr gerne an, denn daran wächst man!
Ein großer Dank geht raus an Sutura, der mir in der Situation eine große Hilfe war!
In meinen Tracks finden sich diverse Parts wieder, bei denen ich denke, dass Leute die meinen Sound feiern, auch erkennen können das die Nummer von mir ist.

Wie bereitest du dich auf ein langes musikalisches Wochenende vor, um es gut zu überstehen?

Es kommt immer darauf an auf welchen Gigs ich spiele…  Ich mache mir grundsätzlich vorher über die Tracks Gedanken, die ich spielen werde.  Ob in Clubs oder auf Festivals möchte ich der Crowd ein Set liefern, wonach ihnen die Füße qualmen. Was für mich wichtig ist, dass ich frühzeitig am Veranstaltungsort bin, da ich nach einer langen Reise erstmal Zeit brauche mich ganz gechillt auf den Gig vorzubereiten.  Noch heute bin ich sehr aufgeregt, weil man nie weiß was auf einen zukommt.  Aber eins ist sicher, Gin Tonic hilft da immer!

Du warst jetzt schon paar mal in Berlin, was macht Berlin für dich aus?

Berlin ist eine Herzensstadt für mich.  Die Menschen, die Mentalität und Stadt an sich ist einfach überragend!  Ich habe auf meinen Gigs so geile Leute kennengelernt und soviel Spaß gehabt, sodass ich mich jedesmal aufs Neue freue dort oben zu sein!  Mein absolutes Highlight war letztes Jahr auf der World Peace Day Parade, wo ich vor dem Brandenburger Tor spielen durfte. Wie David Hasselhof damals, nur anders (grins). Berlin ist und bleibt eine meiner Lieblingsstädte!  Hiermit grüße ich alle meine Freaks von dort oben und hoffe, man sieht sich bald wieder!!

Du hast in den letzten Jahren gesundheitlich viel mitgemacht, inwiefern hat die Musik da eine Rolle gespielt klar zu kommen und wie hat sie dir geholfen?

Lange Zeit habe ich sehr kämpfen müssen.  Meine Freundin und die Musik haben mich aus einigen Tiefs geholt.  Wenn man in einem Loch steckt und nicht weiß , wie man alleine wieder raus kommen soll, ist man froh, jemanden und etwas zu haben an dem man sich festhalten kann! Meine Freundin musste sehr viel mitmachen in dieser Zeit und ich danke ihr für alles, was sie für mich tat!  Mir blieb damals nicht so viel und somit habe ich versucht mich musikalisch weiter zu entwickeln und das geschafft, was mich als Künstler ausmacht.  Zum Glück ist diese Zeit überstanden und bin auch etwas stolz auf das, was ich mir in dieser Zeit erarbeitet habe.  Nach Jahren harter Arbeit, fühle ich mich nun angekommen in der Musik und im Leben!

Was war dein schönstes Erlebnis, was du durch DEINE Musik erfahren hast?

Wo soll ich anfangen…  Es gibt so viele tolle Erlebnisse, an die ich gerne zurück blicke.Es gibt jedoch einige Situationen, die für mich prägend sind.  Ein mittlerweile guter Freund hatte vor Jahren einen schweren Autounfall.  Dieser Junge war auf jeden meiner Gigs.
Nach seinem Unfall lag er sehr lange im Koma und ich nahm ein Set für ihn auf, welches ich seinen Angehörigen schickte.  Sie ließen dieses Set immer wieder am Krankenbett laufen. Wie ich später mitbekam, meinte der damalige Arzt sie sollten lieber etwas klassische Musik laufen lassen, doch die Familie wusste am Besten was ihm gut tat. Nach einiger Zeit reagierte er auf dieses Set und bewegte seine Finger. Nach langer Zeit im Koma wachte er auf und das Erste was er tat, er hat sich bei mir bedankt! Auf einer Party lernte ich dann auch seine Mama kennen, da er sie mir unbedingt vorstellen wollte und auch sie bedankte sich von Herzen bei mir.  Ich war sprachlos als sie mir erzählte, dass ihr Sohn durch dieses Set wieder aufgewacht sei.

Auf Reha lernte ich Marco kennen, der zu 80% gehörlos war. Wir kamen ins Gespräch und wie sollte es auch anders sein, wir unterhielten uns über Musik. Er sagte, sein Lieblings Künstler sei Menowin Fröhlich. Er fragte mich, ob ich nicht eine Techno Version aus seinem Lieblingstrack machen könnte.  Um ihm eine Freude zu machen versuchte ich mein Glück und als er den Bootleg anhörte, fing er an zu weinen und bekam am ganzen Körper Gänsehaut. Dieses Gefühl jemanden so glücklich zu sehen, werde ich nie vergessen!

Ein damaliger Fan, der mittlerweile auch ein guter Freund ist, ließ sich mein Logo auf seinen Unterarm tätowieren, mit den Worten:“ Deine Musik geht unter die Haut!“
Ich fands brutal, deswegen hat er seit diesem Zeitpunkt auf jeden Gig den Eintritt frei und alles for Free!  Ich könnte noch 1000 Dinge erzählen, die mich bewegt haben.  Das schönste Geschenk ist aber zu wissen, dass ich mit meiner Musik einige Menschen auch emotional bewege und dafür bin ich dankbar, denn das ist keine Selbstverständlichkeit!

Einige Menschen behaupten das der Techno stirbt. Wie siehst du das?

Techno stirbt… Niemals! Zeiten ändern sich, somit auch die Generationen.Doch Techno wird nie aussterben. Ich bin jetzt seit mehr als 18 Jahren in der Szene unterwegs und hatte nie das Gefühl, dass es mit Techno dem Ende zugeht. Es gibt so krasse Künstler, die dafür sorgen das es immer weiter voran geht. Auch auf meinen Gigs lerne ich immer wieder tolle Djs und Produzenten kennen, die alles geben, wo selbst ich als „alter Hase“ baff bin was sie abliefern! Von einigen wird man noch viel hören und man darf nicht vergessen, dass es verdammt krasse Labels und Veranstalter gibt, die alles andere als das Aussterben von Techno beweisen!  Mit den Generationen verändert sich auch die Musik und wir können gespannt sein, wo die Reise des Technos noch hin geht.

Wenn du einen Wunsch frei hättest….?!

Körperlich gesund auf der Nature One zu spielen!

Wo kann man dich als nächstes erleben, welche Projekte stehen an?

In der momentanen Situation gilt es abzuwarten was noch kommt. Viele Veranstaltungen wurden leider abgesagt. Momentan hoffe ich noch auf meine geplanten Gigs in der Schweiz, in der Rockfabrik Augsburg zu meinem B-Day (beide im Mai) und die Veranstaltungen mit meinen Jungs von Sick’N’Raw. Der Festival Sommer wird ja leider nicht stattfinden, somit fällt auch die Ruhr in Love ins Wasser, wo ich auf dem Loca 71 und Lost in Techno Floor gespielt hätte und das alljährliche Familientreffen auf der Nature One bei meinen Freunden von der Pydna Alliance und anderen tollen Camps muss nun auch noch bis nächstes Jahr warten. Auch spiele ich jährlich auf verschiedenen Paraden auf den Trucks von Paradeking. Ob sich da noch was ergibt, ist unsicher. Dafür freue ich mich umso mehr aufs nächste Jahr und genieße solange die Zeit mit meiner Freundin.
Gecancelte Termine werden zum Glück nachgeholt. Alles weitere dazu, wenn wieder gefeiert werden darf. Ansonsten gibt es demnächst wieder einen coolen Bootleg mit meinem Homy Shadym, ein tolles Projekt mit dem Namen „Stay at Home“ wo mehrere Künstler mit einer Spur beteiligt sind. Einige Remixe und EPs sind noch in Arbeit, z.B. mit der jungen Künstlerin KaiKai, die ne Mega Stimme hat.
Seid gespannt.

Ich freu mich auf das was kommt und ich hoffe, dass alle Clubs, Djs und Veranstalter gut und gesund durch die Krise kommen und kann es nicht erwarten, bald wieder in den Clubs und auf Festivals zu spielen und meine Freunde und Fans wieder zu sehen!

Pic by Oliver Immer