Es ist diese besondere Zeit im Jahr. Der Sommer verabschiedet sich langsam, das Licht in den Straßen der Hauptstadt wird weicher, ein wenig wehmütiger. Und pünktlich zu diesem Übergang, vom 9. bis zum 13. September, legt sich die Berlin Art Week wie ein feines, vibrierendes Netz über die Stadt. Fünfzehn Jahre ist es nun her, dass diese Woche das Licht der Welt erblickte.
Man erinnert sich unweigerlich an die Anfänge, an das tastende Suchen nach einem Format, das dieser unruhigen, oftmals zerrissenen und doch so lebendigen Kunststadt gerecht werden könnte. Aus einer Krise heraus sei damals etwas Neues gestartet worden, erinnert sich Messe-Direktor Kristian Jarmuschek heute – „wie ein Phönix aus der Asche“. Was damals als ambitionierter Versuch begann, ist längst zu einer verlässlichen Konstante im herbstlichen Berliner Kulturkalender herangewachsen.
Wer in diesen Septembertagen durch die monumentalen Hangars 5 und 6 des ehemaligen Flughafens Tempelhof spaziert, spürt den Atem der weiten Welt. Bei der Positions Berlin Art Fair kommen über 90 Galerien aus 20 Ländern zusammen. Es ist ein konzentrierter, fast ehrfürchtiger Blick auf das, was die Gegenwart umtreibt; ein Ort, an dem sich nicht nur Sammler und Kuratorinnen begegnen, sondern an dem die Kunst selbst nach Antworten sucht.
Doch das eigentliche Herzschlagen Berlins spürt man vielleicht am deutlichsten am Donnerstagabend, wenn sich die Dämmerung über die Stadt senkt. Zur Gallery Night öffnen rund 50 Galerien bis in den späten Abend ihre Türen. Es hat etwas zutiefst Verbindendes, wenn die Menschen durch die Straßen treiben, von Ausstellungsraum zu Ausstellungsraum, auf der Suche nach einem Bild, einer Installation, die ihnen etwas über sich selbst erzählt. Es geht um Begegnungen, um das neugierige Zusammenkommen, das die Galeristin Tanja Wagner so treffend beschreibt. Es ist die leise Hoffnung, dass Berlin trotz aller Veränderungen ein Ort bleibt, „an dem Kunst Räume und Menschen verbindet“.
Und die Kunst sucht sich unermüdlich neue Wege, dehnt sich bis an die Ränder der Stadt aus. Im rauen Reinickendorf, weit draußen in den alten Industrieanlagen der Wilhelm Hallen, entfaltet sich mit der Ausstellung Hallen 07 eine ganz eigene Poesie. Auf 9.000 Quadratmetern wird hier der Raum selbst zum Kunstwerk, wenn sich monumentale Objekte mit den Klängen des Deutschen Symphonie-Orchesters verbinden. Es ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, wie sich Berlin immer wieder neue Freiräume erschließt und bewahrt.
Gleichzeitig richtet sich der Blick zärtlich auf jene, die nachkommen. Wenn im festlichen Rahmen des PalaisPopulaire der VBKI-Preis für aufstrebende Galerien verliehen wird – nominiert sind die Gallery Gudmundsdottir, die galerie burster und der Super Super Markt –, dann sehen wir eine junge Generation, die den Mut hat, in dieser oft lauten Stadt ihre eigenen, feinen Akzente zu setzen.
Fünfzehn Jahre Berlin Art Week – das ist weit mehr als nur ein Jubiläum des Kunstmarkts. Es ist eine fortwährende Erzählung über diese Stadt. Eine Stadt, die sich im Spiegel ihrer Kunst immer wieder neu erfindet, die offen bleibt und, allen Widerständen zum Trotz, unaufhörlich im Gespräch mit sich selbst steht.





