Lana del Rey Konzert im Tempodrom | Berlin

Lana del Rey im Velodrom. Das Mädel ist Jahrgang 86 und heißt eigentlich Elizabeth Woolridge Grant, was ja auch ein ganz hübscher Name ist. Bekannt wurde sie mit dem Song Video Games, der ohne Ende remixt wurde und 2011 sozusagen das Ding war.

Die US-Sängerin hat gestern rund 9000 Fans eine eineinhalbstündige Show geboten. Wir kamen um halbacht an, um acht sollte es losgehen. Davor gabs die übliche Vorband, diesmal waren es Cassidy aus Glasgow, die leider oft klangen wie U2 nur ohne U2. Fräulein del Rey ließ das Publikum warten. Etwas zu lange. Der Unmut machte sich bereits in stürmischen Pfeifkonzerten und Buhrufen breit, als sie dann allerdings anfing, hielten alle die Klappe. Davor wurden die Leute aber mit sehr stranger Musik malträtiert, die entweder sich gut dazu geignet hätte, politische Gefangene zu foltern, oder als Untermalung einer Stummfilmszene, in der ein Zugunglück passiert.

Die junge Sängerin kann verdammt gut singen. Also überraschend verdammt gut. Dazu kam Babydoll Kleid, falsche Wimpern, rote unnatürlich lange Fingernägel, und Schmollmund. Und eine ausgesprochen starre Mimik. Nancy Sinatra des 21. Jahrhunderts“ wird sie gerne tituliert. Das Nancys Gesicht voller Botox war, glaube ich allerdings nicht. Das ist auch das einzige was nervt… die Plastikfresse ohne jede Bewegung. Botox Lana.

Die Trägheit des Gesangsstils ist ihr Markenzeichen. Das kommt manchmal asynchron zum Beat daher, aber passt dann doch immer. Lustig ist, dass man auf den großen Leinwänden, sah, wie sie die Takte lautlos mitzählte, bis zum nächsten Einsatz. Das Bühnenbild war übrigens der Knaller und die Show durchgestylt perfekt. Amerikanisches Entertainment at its best. Alles in allem, war es ein verdammt tolles Konzert.

Zur Historie:
Laut eigener Aussage arbeitet sie mit den Songs ihre wilde Vergangenheit auf. Diese Vergangenheit beschäftigte auch schon die Presse, als man noch kaum etwas von Lana wusste. Nach ihren Erfolgen wurde sie als „Trailerpark-Queen“ und „Gangsta Nancy Sinatra“ vermarktet, bis sich herausstellte, dass ihr Vater wohlhabend und der Trailerpark eigentlich der Skiort Lake Placid ist. Tja, Shit happens. Aber letztlich ist es doch so, dass alle großen Popstars ihre eigenen Kunstfiguren erschaffen haben.