A L’ARME! FESTIVAL VOL. VI – 1 – 4 AUGUST 2018 | RADIALSYSTEM V BERLIN

AVANT-GARDE JAZZ & VIBRANT EXPERIMENTAL MUSIC

Mit Laurie Anderson & Bill Laswell´s Method Of Defiance, Klein, Maja S.K. Ratkje, Ellen Arkbro, JoëlleE Léandre, Michael Zerang & The Blue Lights, Mark Fell, C. M. Von Hauswolff, Radian, Large Unit Rio, Lillevan, Rabih Beaini, Valerio Tricoli, Wandagroup, Jessop&Co. u.v.m.

Reduced to the max! Vom 1. – 4. August kehrt Berlins renommiertes Avantgarde-Festival A L’ARME! mit seiner großen Vol. VI zu seinen Wurzeln zurück und knüpft raumgreifend da an, wo 2012 alles begann: Im pulsierenden Radialsystem V spannt sich vier Tage und Nächte ein genre-übergreifender Bogen von zeitgenössischem Jazz über Musique Concrète, Drone und Improvisation hin zu audiovisuellen Performances zwischen Installation und experimentellem Noise. Vom imposanten Festivalauftakt mit der US-amerikanischen Performance-Art-Ikone Laurie Anderson in festivalexklusiver Kollaboration mit »Method of Defiance« (Weltpremiere!) bis zum Abschluss mit dem abendfüllenden »Karkowski Project«, dass sich auf neuartige Weise dem Ausnahme-Künstler widmet, um ihn zu ehren. A L’ARME! bleibt auch 2018 seiner radikalen Linie treu und lässt unterschiedlichste künstlerische Energien aufeinander treffen. Lebende Avantgarde-Legenden wie Laurie Anderson, Joëlle Léandre, Bill Laswell, Carl Michael von Hausswolff oder Mark Fell teilen sich die Bühnen des Radialsystems mit weltweit gefragten Newcomern und Shooting Stars wie der nigerianisch-britischen Sängerin KLEIN, Maja Ratkje, Ellen Arkbro, Matilda Rolfsson oder Philipp Gropper, während internationale Klangkünstler wie Paal Nilssen-Love’s LARGE UNIT RIO, JESSOP&CO., WANDA GROUP oder KSIĘŻYC die Avantgarde-Szene aus Norwegen, Brasilien, Indien, Großbritannien und Polen an der Spree präsentieren.

A L’ARME! wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, einem breiten, doch hochqualitativen Spektrum von zeitgenössischem Jazz und radikaler, experimenteller Musik eine Plattform zu bieten, aus der Jahr für Jahr etwas kreatives Neues hervorgeht. In spannenden Kollaborationen, Konzerten und Performances geht es uns darum, lokale und internationale Künstler, Communities und Publikum zu verknüpfen, um Ideen auszutauschen, Hierarchien zu hinterfragen, Grenzen aufzubrechen und zu A L’ARME! FESTIVAL VOL VI, Radialsystem V, 1. – 4. August 2018 verschieben, um Bewusstsein für innovative Klänge zu schärfen und Freude zu haben, am Prozess der Erfahrung, gemeinsam außergewöhnlich „andere“ Musik zu erleben.

MITTWOCH 1. AUGUST 2018, Radialsystem V Berlin

Mit Laurie Anderson, Maja Solveig Kjelstrup Ratkje, Bill Laswell u.v.m. Heads up! DOPPELKONZERT – SZENARIO

Einlass: 18:00 Uhr Festival Garden (riverside) mit low-tech Food & Drinks

Konzert 1 – Beginn: 19:00 Uhr
Einlass: 20:30 Uhr Festival Garden (riverside) mit low-tech Food & Drinks

Konzert 2 – Beginn: 22:00 Uhr

Konzert 1 Halle:

Set 1

Maja Solveig Kjelstrup Ratkje (NO)– voice, electronics

Set 2 Halle:

Laurie Anderson (US) — vocals, violin
Bill Laswell (US) — electric bass
Dr. Israel (US) — vocals
Graham Haynes (US) — cornet
DJ Logic (US) — turntables
Josh Werner (US) — electric bass
Guy Licata (US) — drums
John Dellacatoma (US) — sound design

Konzert 2

Set 1 Halle:

Maja Solveig Kjelstrup Ratkje (NO)– voice, electronics

Set 2 Halle: 

Laurie Anderson (US) — vocals, violin Bio/photos here:
Bill Laswell (US) — electric bass
Dr. Israel (US) — vocals
Graham Haynes (US) — cornet
DJ Logic (US) — turntables
Josh Werner (US) — electric bass
Guy Licata (US) — drums
John Dellacatoma (US) — sound design

Informationen Mi.01.08.

Reduced to the max! Zur großen Vol. VI kehrt das renommierte Avantgarde-Festival A L’ARME! Zu seinen Wurzeln zurück und knüpft da an, wo 2012 alles begann: vier Tage und Nächte in den
pulsierenden Räumlichkeiten des Radialsystem V! Gleich zur Eröffnungsnacht wird das Festival von zwei hochkarätigen Ausnahmesängerinnen geprägt, die sich zwischen den Stühlen der
elektroakustischen Avantgarde und der Performance-Kunst bewegen. Maja Solveig Kjelstrup Ratkje hat sich über die Jahre von einer skandinavischen Star-Lokalmatadorin zum internationalen Geheimtipp entwickelt und präsentiert im Radialsystem V eine ihrer seltenen, faszinierenden Solo-Performances für Stimme und Elektronik – experimentell, entrückt und reich an kontroverser Schönheit.

NYC calling! Zwei wahre New Yorker Urgesteine im Berliner Festivalsommer! Laurie Anderson und Bill Laswell verbindet eine langjährige musikalische Freundschaft, die im zweiten Teil des Doppelkonzerts in einer atemberaubenden Weltpremiere kulminiert. „Method of Defiance“ ist der siebenköpfige Sound des Widerstands, wie er nach dem visionären Bassisten und Musikproduzenten Laswell verstanden werden muss. Erstmals trifft der weltmusikalische Avantgarde-Jazz des hochenergetischen Ensembles auf den charismatischen Freigeist Anderson!

First come, first serve! Maja S.K.Ratkje und MOD & Laurie Anderson spielen hintereinander in zwei aufeinander folgenden Konzert-Sets für zwei Besuchergruppen! Get yours while you can!

DONNERSTAG 2. AUGUST 2018, Radialsystem V Berlin

Mit Księżyc, Large Unit Rio, Andrea Belfi, Emilio Gordoa u.v.m.

Einlass: 18:00 Uhr Festival Garden (river side) mit low-tech Food & Drinks

Konzert-Beginn: 20:00 Uhr

Set 1 Saal: 

Andrea Belfi (IT/DE) — drums
Valrio Tricoli (IT) — electronics

Set 2 Halle: 

Agata Harz (PL) — vocals, objects
Katarzyna Smoluk-Moczydlowska (PL) — vocals, keys, objects
Lechoslaw Polak (PL) — accordion, keys, synth
Remigiusz Mazur Hanaj (PL) — tapes, hurdy-gurdy, violin
Robert Nizinski (PL) — clarinet, keys. Objects

Set 3 Saal: GORDOA / MALFON/ EDWARDS / NARVESEN

Emilio Gordoa (MX/DE) — vibraphone
Don Malfon (SP) — alto saxophone
John Edwards (UK) — double-bass
Dag Magnus Narvesen (NO/DE) — drums

Set 4 Halle: LARGE UNIT RIO

Paal Nilssen-Love (NO) — drums, percussion
Thomas Johansson (NO) — cornet, flugelhorn
Mats Äleklint (SE) — trombone
Kristoffer Alberts (NO) — tenor, alto saxophone
Julie KjÆr (DK) – alto saxophone, flute
Klaus Holm (NO) — alto and baritone saxophone
Per Åke Holmlander (SE) — tuba
Kalle Moberg (NO) — accordion
Ketil Gutvik (NO) — electric guitar
Tommi Keranen (FI) — electronics
Jon Rune StrØm (NO) — double and electric bass
Christian Meaas Svendsen (NO) — double and electric bass
Andreas Wildhagen (NO) — drums, percussion
Celio Decarvalho (BR) — percussion
Christian Obermayer (NO) — sound design
Paulinho Bicolor (BR) — cuica

Informationen Do. 02.08.

Seit seiner Gründung zeigt A L’ARME! als etabliertes Berliner Avantgarde-Festival auch die unterschiedlichen Improvisations- und Experimentalkünste aus dem kulturellen Schmelztiegel Berlin auf, mit all ihren mannigfaltigen Dimensionen und Subgenres.Das italienisch-berlinerische Duo Andrea Belfi / Valerio Tricoli eröffnet dabei zu Beginn des zweiten Festivalabends den quadrofonischen Saal des Radialsystem V, welcher auf die besondere, elektroakustische Klangkunst des Duos für Schlagzeug und Electronics wie zugeschnitten ist. Belfi und Tricoli zählen zur Speerspitze der aktuellen europäischen Avantgarde-Szene innerhalb der Schnittstellen der Musique Concrète, Sound-Art und der Improvisation und präsentieren auf dem AL’ARME! einen musikalischen Vorboten zum „Karkowski Project“ am Festival-Samstag. Der mexikanische, in Berlin lebende Vibrafonist und Komponist Emilio Gordoa war 2017 mit Nate Wooley’s großformatigem „Seven Storey Mountain“ zum ersten mal auf dem A L’ARME! zu erlebenund wird anlässlich der sechsten Festivalausgabe eine Weltpremiere vorbereiten. Der in Berlin lebende norwegische Schlagzeuger Dag Magnus Narvesen bildet dabei mit dem britischen Free Music-Veteran John Edwards am Bass die kongeniale Rhythmusgruppe, während der spanische Saxofonist Don Malfon auf besonderen Wunsch Gordoas als „adventurous voice“ das Quartett komplettiert.

Aus dem Polnischen übersetzt bedeutet „Ksiezyc“ Mond und versinnbildlicht den kontemplativen Sound des gleichnamigen Quintetts aus Warschau, das unter der Leitung des Klarinettisten und Klangforschers Robert Nizinski, sowie unteranderem den Sängerinnen Agata Herz und Katarzyna Smoluk-Moczydłowska eine urwüchsige, repetetive Form von experimenteller Klangkunst mit Drone- und Neofolk-Allüren präsentiert. Ksiezyc, est. 1990. Der norwegische Ausnahmeschlagzeuger, Bandleader und A L’ARME!-core-artist seit 2012 – Paal Nilssen-Love – brennt zum Abschluss des zweiten Festivalabends ein auskomponiertes Jazzrock-Feuerwerk ab. Die LARGE UNIT RIO stellt mit special guests aus Rio de Janeiro eine A L’ARME! FESTIVAL VOL VI, Radialsystem V, 1. – 4. August 2018 erweiterte Form der PAAL NILSSEN-LOVE LARGE UNIT dar und versammelt dabei die virtuosesten Free Music-Heroen aus Norwegen, Schweden, Finnland, Dänemark und Brasilien im Radialsystem V!

FREITAG 3. AUGUST 2018, Radialsystem V Berlin

Mit Michael Zerang & The Blue Lights, Joëlle Léandre, Philipp Gropper’s Philm, Radian & Billy Roisz/dieb13 u.v.m.

Einlass: 18:00 Uhr Festival Garden (river side) mit low-tech Food and Drinks

Konzert-Beginn: 20:00 Uhr

Set 1 Saal:

Martin Siewert (AT) — electric guitar
Katharina Ernst (AT/DE) — drums

Set 2 Halle:

Michael Zerang (US) — drums
John Dikeman (US/NL) — tenor saxophone
Dave Rempis (US) — alto saxophone
Josh Berman (US) — cornet
Kent Kessler (US) — double-bass

Set 3 Saal:

Joëlle Léandre (FR) — double-bass
Matilda Rolffson(SE/NO) — percussion
Elisabeth Harnik (AT) — piano

Set 4 Saal:

Philipp Gropper (DE) — tenor saxophone
Robert Landfermann (DE) — double-bass
Elias Stemeseder (AT/US) — piano
Oliver Steidle (DE) — drums

Set 5 Halle:

Martin Siewert (AT) — electric guitar, electronics
John Norman (AT) — electric guitar, electronics
Martin Brandlmayr (AT) — drums, electronics
Billy Roisz (AT) — electric bass, visuals
dieb13 (AT) —turntables

Aftershow by DJ PAAL NILSSEN-LOVE @ Saal

Informationen Fr. 03.04.

„Tender Music“ heißt das jüngste Album auf „Trost Records“, das die französische

Kontrabass-Legende Joëlle Léandre gemeinsam mit der österreichischen Pianistin Elisabeth Harnik 2018 veröffentlicht hat. Im quadrophonischen Saal des Radialsystem V trifft die festival-exklusive Trio-Premiere von Léandre/Harnik mit der jungen Perkussionistin Matilda Rolfsson aus Trondheim direkt auf „Philipp Gropper’s Philm“ – einem der derzeit gefragtesten Spitzenquartette des Avantgarde-Jazz um den gleichnamigen Tenor-Saxofonisten Gropper aus Berlin, komplettiert durch Elias Stemeseder aus New York am Klavier und der Berlin-Kölner Free Music-Battery Oliver Steidle/Robert Landfermann.

Chicago alert! „Michael Zerang & The Blue Lights“ präsentieren ihre „Songs From The Big Book Of Love“ vom gleichnamigen Album Live mit einer unvergleichlichen Spielfreude und setzen einen weiteren authentischen Avantgarde-Jazz-Akzent inmitten des Festivals. Die Besetzung dieses Ausnahmequintetts gleicht einem hochkarätigen Who-Is-Who der Chicagoer Jazzszene, das im Radialsystem V um den expressiven Star-Saxofonisten John Dikeman aus Amsterdam spannungsvoll ergänzt wird.

Die perkussiv-elektroakustische Linie des Duos Belfi/Tricoli vom Vorabend setzt sich mit dem österreichischen Duo „ALSO: Martin Siewert/Katharina Ernst“ innovativ fort. Der deutsch-österreichische Gitarrist, Klangkünstler und Musikproduzent Martin Siewert gehört zu den derzeit auf unterschiedlichen Ebenen einflussreichsten Avantgarde-Größen Europas und tritt beim AL’ARME! gleich zwei mal in Erscheinung. In quadrofonischer Duo-Performance mit der in Berlin lebenden Wiener Schlagzeugerin Katharina Ernst, sowie mit der 1996 gegründeten europäischen Artrock-Legende Radian, die wiederum exklusiv in audiovisueller Kollaboration mit dem Turntablistendieb13, sowie der Filmemacherin und Bassistin Billy Roisz aus Wien den Abschluss des Freitagabends bilden. Aftershow by DJ Paal Nilssen-Love!

SAMSTAG 4. AUGUST 2018, Radialsystem V Berlin

KARKOWSKI PROJECT „THE TRUTH AT ALL COSTS?”

Concept by Karina Mertin, co-curated by Mark Fell

Mit Klein, Ellen Arkbro, Mark Fell, Carl Michael von Hausswolff, Wanda Group, JESSOP&CO., Rabih Beaini u.a.

Einlass: 18:00 Uhr Festival Garden (river side) mit low-tech Food & Drinks
Konzert-Beginn: 20:00 Uhr After Show mit Open End

Studio A (5th Floor) open from Wednesday – Saturday

Multi layer sound installation by MARK FELL (UK) with archive material of Zbigniew

Karkowski

Set 1 Halle:

Ellen Arkbro (SE) — guitar & electronics

Set 2 Halle:

Massimo Pupillo (IT) — electric bass
Stefano Pilia (IT) — guitar
Lillevan (IR/DE) — video

Set 3 Saal:

Carl Michael von Hauswolff (SE) —electronics, organics

Set 4 Saal:

Anupal Adhikary (IN) — laptops, tape, electronics
Subho Sen S.(IN) — laptops, tape, electronics

SET 5 Halle:

Klein — vocals, electronics

SET 6 Saal:

Wanda Group / Louis Johnstone (UK) — electronics
Aftershow @ Saal (from midnight till dawn/open end)

Set 7 Saal:

Rabih Beaini (LB/DE) — live pa

Set 8 Saal:

Mieko Suzuki (JP/DE) — dj-set + electronics, field recordings

Informationen Sa.04.08.

KARKOWSKI PROJECT „THE TRUTH AT ALL COSTS?”

Als Musiker, Klangkünstler und Performer überwand Zbigniew Karkowski die Grenzen und Barrieren der zeitgenössischen Musik, von Noise und Elektronik – und öffnete so Räume, die seither von vielen weiteren Musikern erobert wurden. Doch wie setzt man sich mit dem Erbe einer so schwer zu fassenden Persönlichkeit auseinander? Wie zelebriert man es? Wie begründet man eine Historie rund um jemanden, der die Verzerrungen und Auslassungen der Geschichtsschreibung verachtete?

„The truth at all costs“, die Wahrheit um jeden Preis – mit diesen Worten beschrieb Karkowski in einem Text aus dem Jahr 1992 die transformative Kraft von Klang: die Fähigkeit, radikal in Frage zu stellen, wer wir sind. Um diesen Grundsatz auf seinen Urheber anzuwenden: Was ist die Wahrheit über Karkowski – sofern es überhaupt eine gibt? Und, noch wichtiger: Was ist ihr Preis? Wo und wie können wir ihn verorten, wenn wir seinen Einfluss auf unser musikalisches und sonisches Vokabular beleuchten? Sehen wir da, wo er einst war, eine Silhouette, die sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt hat? Oder zahlreiche unvereinbar wirkende Spuren seiner Gestalt? Blicken wir am Ende in einen zerbrochenen Spiegel, während wir doch hofften, ein meisterhaftes Renaissance-Porträt vor uns zu haben?

Da wir dem Drang widerstehen, finale Urteile zu fällen und Meinungen zu verfestigen, ist The Truth At All Costs? keine Gesamtschau und keine Spiegelung von Karkowskis Leben und Werk. Wir wollen die Schwierigkeiten im Umgang mit seinem Vermächtnis vielmehr betonen, statt sie aufzulösen. Lasst uns die vielgestaltigen Echos seiner Existenz nicht ins Eindimensionale schrumpfen oder in harmonische Auflösung überführen! Lasst aus dem unauflösbaren Rauschen neue Fragen entstehen!

ZBIGNIEW KARKOWSKI (* 1958 – 2013) war ein polnisch-schwedischer experimenteller Musiker und Komponist, der in Krakau, Polen, geboren wurde. Er beschäftigte sich hauptsächlich mit radikaler, elektronischer Flächenklanggestaltung, zeitgenössischer Musik, Industrial, Noise, experimenteller Performance und Popmusik. Er verstand seine Musik als Einspruch gegen die trockene, intellektuelle Kälte akademischer Neuer Musik des Westens, die ihre Wurzeln aus dem 19. Jahrhundert nicht loswerde. Seine Musik bricht die Barrieren zwischen Noise, Avantgarde, Elektronik und klassischer Musik. Seine Live Performances waren oft laut und mächtig, benutzen interaktive Technologien als eine viszerale physikalische Komponente, verortet zwischen Richard Wagner und den Ramones. Karkowski hatte ein besonderes Interesse an der Kraft von Ritualen und an der Erzeugung von metaphysischen Erfahrungen.

Seit 1996 lebte und arbeitete er in Tokio und war in der dortigen Underground-Noise-Szene aktiv. Karkowski arbeitete mit akustischen und elektro-akustischen Instrumenten. Er hat Stücke für große Orchester geschrieben, wie auch eine Oper und unterschiedliche Kammermusikstücke, die von diversen Ensembles in Schweden, Polen und Deutschland aufgeführt wurden. Er tourte mit seinen Werken in ganz Europa, Nordamerika, Australien und Japan. Mit Edwin van der Heide und Atau Tanaka war er Gründungsmitglied des elektroakustischen Musik-Performance-Trios Sensorband.

Das KARKOWSKI PROJECT„The Truth At All Costs?“ findet fünf Jahre nach dem Ableben des gefeierten Komponisten, Klangkünstlers und Musikers Zbigniew Karkowski statt. Es ist kein Gedenken, keine nostalgische Collage oder Hommage an sein Vermächtnis. Es widerstrebt der Versuchung, eine einfache Geschichte um ihn herum zu konstruieren – das würde er sicherlich zutiefst abgelehnt haben. Aber wie situieren wir jemandes „Beitrag“ zu unseren musikalischen Erbe, wenn dieser Jemand den vereinfachenden Auswirkungen diese Art von Prozessen so kritisch gegenüber steht? Karkowskis kraftvolle und manipulierende Musik umfasst neue Computertechnologien und analoge Instrumente. Seine Suche nach einem Klang irgendwo zwischen Richard Wagner und den Ramones war bestrebt danach, die trockene, intellektuelle Kühle der meisten zeitgenössischen Musik zu vermeiden: Es war im Gegenzug ein unintellektueller, direkter, viszeraler Sound. Sein selbsterklärter Fokus auf „direkte“ Musik oszillierte zwischen den primitivsten und komplexesten Klängen und setzte den Schwerpunkt auf Energie und Schönheit. Seine wichtigsten musikalischen Parameter bewegten sich zwischen Lautheit und Stille, Schönheit und Groteske, schnell und statisch, gewaltvoll und feinfühlig weich.

Indem wir Künstler*innen und Produzent*innen zusammenbringen, die nicht in jedem Fall mit Karkowski in Beziehung stehen, doch in ihrem Beharren auf einen kompromisslos eigenen Weg und ihrer Leidenschaft für Neues eine individuell-einzigartige sonische Handschrift entwickelt haben, um bestimmte Aspekte seiner Werke genauer zu betrachten und sich mit Karkowskis typischen Parametern auseinanderzusetzen, erweitern wir vielleicht das, worin seine zentralen Themen – Klang als Ritual, Klang als Waffe, Klang als Medizin, Klang als Sprache, Klang als Offenbarung – weiterhin nachhallen.

JESSOP&CO. besteht aus Anupal Adhikary und Subho Sen S., einem im indischen Kolkata ansässigen Duo, das mit Musik und Klang arbeitet, um Fragen von Ethnizität, Regionalität, geteilte Urbanität und ihren existentiellen Dilemma, Krisen und Provokationen zu untersuchen. Sie stellen einen feuchten, trostlosen und rohen Lebensraum dar, in dem alle Dinge, abstoßende Dinge ebenso wie schöne Dinge, nebeneinander ihren Platz finden. Fürsprecher einer Einbindung des Instabilen und Inkohärenten in das akustische Umfeld. Rigoros prozessierte elektronische Musik, veröffentlicht über limitierte Kassetteneditionen, SoundCloud und Bandcamp.

„Wir sind keine Musiker. Wir haben keinen musikalischen Hintergrund und haben nie irgendeine musikalische Ausbildung genossen. Wir machen einfach das, wonach uns der Sinn steht, aber unser Output klingt danach, wie wir die Ablehnung, Isolation und Beschränktheit unserer Existenz bewältigen. Karkowskis größter Einfluss auf unseren Gebrauch und Einsatz von Klang: Musik zu machen, die in starkem Kontrast zu der Kälte, Leblosigkeit sowie manchmal Scheinheiligkeit von „Kunstmusik“ steht, und eine Soundlandschaft zu schaffen, die voller Volumen und „physisch“ in ihrer Natur ist, eine lebendige und atmende Verkörperung des vollkommen realisierten Selbst, und eine Katharsis in der Subversion geschlossener Systeme und dem strikten Gebrauch dieser Systeme zu finden: Wir denken, das er [Karkowski] absolut Recht hatte, als er folgendes Statement machte:

„[…] All die Kunst- und Musikhochschulen sind absolut überflüssig, sie sind nicht notwendig. […] Du kannst über das Internet Zugang zu allen notwendigen Werkzeugen finden.“ [Zbigniew Karkowski zitiert nach Substantials #01, S.8 hg. Akiko Miyake. CCA KitaKyushu, KitaKyushu, 2003]. Nichts von dem wäre ohne das Internet und ohne die subversiven Bemühungen von Komponist*innen und Klangkünstler*innen wie Karkowski passiert, die sich für das Öffnen der Grenzen und die Überwindung kultureller Hindernisse stark gemacht haben, um eine Art globalen Ansatz realisieren zu können, wenn es um die Verbreitung und das Gedeihen der Klangkünste geht, ohne sich selbst aufgrund der verschiedenen kulturellen, ethnischen und visuellen Voreingenommenheiten einschränken zu müssen.”