Der Verein Freedom Sounds e.V. wurde 2012 mit dem Ziel gegründet, ein Festival zu veranstalten. Wir sprachen mit Peter Clemm vom gleichnamigen Freedom Sounds Festival, das mit seinem Fokus auf SKA eine besondere Stellung innerhalb der Festivals einnimmt.

Wer nicht so vertraut mit SKA ist, dem seien folgende Tracks ans Herz gelegt:

Und wer THE CLUBMAP als, vorrangig im elektronischen Bereich, angesiedeltes Magazin sieht, hat damit nicht ganz unrecht. SKA ist allerdings eine alte Liebe, die für den Schreiber dieser Zeilen mittlerweile 30 Jahre zurück reicht. Damals, als ich noch S.H.A.R.P Skin war…

Erzählt mal ein bisschen was über euch selbst, damit die Leser:innen euch kennenlernen.


Wir sind eine Gruppe von zum Teil schon sehr langjährigen, musikbegeisterten Freunden, die natürlich alle ganz seriöse Jobs haben. Neben mir selbst am stärksten involviert sind Sven, Uli und Jörg. Wir kümmern uns um die größten Baustellen: Booking, Anträge schreiben, allgemeine Orga, Finanzen und Filmen für unseren stetig wachsenden youtube-Kanal. Beim Festival sind wir ein großes Team von 20 bis 25 Menschen, die alle Jobs übernehmen, für die man keine qualifizierten Fachleute braucht.


Wie und warum ist das Festival entstanden?


Aus Trotz und weil wir etwas dafür tun wollten, dass Ska in Köln lebendig bleibt. Als langjährige Ska-Fans vermissten wir damals ein Festival in Köln. Seit den seligen Zeiten der Popkomm hat es das nicht mehr gegeben. Hin und wieder traten zwar gute Bands in Clubs auf, doch selbst bei erstklassigen Bands aus England oder den USA kamen oft nur ein paar Handvoll Leute. Das wollten wir ändern. Damals interviewten Sven (Trapp) und ich gelegentlich Bands und Künstlerinnen für Magazine und Fanzines wie Dynamite, Rockingsteady und Reggae Steady Ska, Uli (Grobusch) fotografierte. Daher hatten wir viele gute Kontakte und sprachen einige lokale Veranstalter an, ob sie mit unserer Hilfe ein Festival auf die Beine stellen wollten. Die Antwort war immer dieselbe: „Mit Ska kannst du kein Geld mehr verdienen.“ Das wollten wir auch gar nicht und irgendwann haben wir uns dann gesagt, so schwer kann es doch nicht sein, selbst ein Festival zu organisieren. Wir haben uns informiert, eine geeignete Rechtsform als gemeinnütziger Verein und mit dem Gebäude 9 einen Club gefunden, bei dem es von Anfang an menschlich und künstlerisch gepasst hat. Zur ersten Ausgabe (am 17. 03. 2013) haben wir Bands eingeladen, die wir persönlich gut fanden und zu denen wir einen Draht hatten.

Ein Headliner waren die Goldmaster Allstars, die bis dahin noch nie in Deutschland gespielt und hierzulande weitgehend unbekannt waren, genauso wie Cartoon Violence aus Wales. Dazu kamen Dr. Ring Ding, Sebastian Sturm sowie Masons Arms, Joe Scholes und Jamaika Jupp aus Köln. Wundersamerweise kamen über 400 Menschen und feierten mit uns ein gigantisches Fest, das ich auch heute noch als einen einzigen Rausch in Erinnerung habe. Danach war klar, wir müssen das noch einmal tun.

Was ist 2023 euer persönliches Booking Highlight?

Es ist unmöglich, ein einzelnes Highlight herauszuheben. Ich persönlich freue mich immer am meisten, wenn es uns gelingt, eine bis dato unbekannte Band zum ersten Mal ins Land zu holen und die dann das Publikum umhauen. Das ist uns einige Male gelungen. Neben den Goldmaster Allstars fallen mir da The Steady 45s, Western Standard Time Ska Orchestra (18 Mann, ein logistischer Alptraum), die Soothsayers aus London oder letztes Jahr The Officinalis aus Italien. The Beat mit dem Ranking Roger 2017 werden wir sicher auch nie vergessen.

Wie sieht es mit den Kosten aus? Sind die spürbar gestiegen (Personal, Miete, Energie) und hat sich das auf Ticketpreise ausgewirkt?

Das macht sich schon bemerkbar. Wir sind ja als Verein Mieter in dem Club, in dem das Festival stattfindet, zahlen also für alle diese Kosten eine pauschale Miete. Wir tun aber alles dafür, um die Preise möglichst niedrig und sozialverträglich zu halten. Anders als bei den meisten anderen Konzerten gibt es bei uns deshalb starke Ermäßigungen für Studierende, Schülerinnen und grundsätzlich Menschen, die sozial schwächer gestellt sind.


Seit wann gibt es die Förderung und wie könnt ihr sie effektiv nutzen?


Wir verbringen jedes Jahr viele, viele Stunden damit, Förderanträge zu schreiben, um die Eintrittspreise niedrig zu halten und trotzdem ein außergewöhnliches Line-up auf die Bühne bringen zu können. Die Früchte dieser Arbeit kommen in vollem Umfang den Künstlerinnen und dem Publikum zugute, weil wir komplett ehrenamtlich arbeiten. In diesem Zusammenhang gebührt dem Kulturamt der Stadt Köln und im aktuellen Jahr auch dem Programm Neustart Kultur ein großes Dankeschön für die Unterstützung, ohne die das Festival so nicht möglich wäre.

Was war die schwerste Aufgabe im Vergleich zum Vorjahr, wenn es überhaupt etwas gab?

Wir haben im April 2022, kurz nachdem Konzerte überhaupt wieder möglich wurden, ein dreitägiges Festival mit internationalen Acts aus Jamaica, den USA und halb Europa durchgezogen. Da kann uns dieses Jahr nichts mehr schocken.

Wie ist das Verhältnis zu den Locations? Offene Türen oder jedes mal wieder Überzeugungsarbeit?

Das Verhältnis zum Gebäude 9 war von Anfang an großartig, von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt, absolut wertschätzend. Der Club hat einen sehr guten Ruf (nicht nur) in Köln, sodass es relativ einfach war, andere Venues zu überzeugen. Mit dem Festival ziehen wir dieses Mal zum ersten Mal in die Kantine, denn für das Gebäude 9 ist es inzwischen einfach zu groß geworden. Das läuft bisher alles reibungslos und wir freuen uns schon sehr darauf, allen Gästen diese aus unserer Sicht ideale Location präsentieren zu können. Im Sommer machen wir wieder auch schon zum vierten Mal unsere eintägige „Chill Out Session“ in Odonien, der mit Abstand coolsten Open Air Location weit und breit. Auch dort fühlen wir uns sehr wohl. Und jedes Jahr kurz vor dem Fest kehren wir mit dem „Christmas Ball“ ins Gebäude 9 zurück, wo wir auch regelmäßig selbst auflegen.

Müsst ihr um Acts kämpfen um sie zu bekommen und wie lange plant ihr im Voraus?

Anfangs musste man manchmal etwas Überzeugungsarbeit leisten, aber es hat sich schnell rumgesprochen, dass wir Künstlerinnen fair behandeln und mit einem sehr offenen, begeisterungsfähigen Publikum gesegnet sind. Inzwischen ist es oft so, dass selbst relativ namhafte Bands bei uns anfragen, ob sie beim Freedom Sounds spielen dürfen. Das ist auch ein Grund, warum wir relativ weit im Voraus planen: Wir haben eine lange Wunschliste, die wir abarbeiten. Blöderweise wird sie trotzdem eher länger als kürzer.


Was wünscht ihr euch für die kommenden Jahre?


Zwei Wünsche: Erstens, dass es gerade in Deutschland wieder mehr junge Bands gibt, die sich an Ska, Reggae und Soul rantrauen, am besten, indem sie etwas Eigenes, Neues daraus machen. Um selbst etwas dafür zu tun, haben wir unser Jugendaustauschprojekt „Youthsayers Outernational“ gestartet. Zweitens würden wir uns freuen, wenn wir noch mehr Menschen dazu bewegen könnten, sich auf die Musik einzulassen, die wir so sehr lieben. Wir sind ganz bewusst kein reines Ska-Festival, sondern bieten auch Acts eine Bühne, die eher aus Richtungen wie Reggae, Soul, Rhythm’n’Blues, Jazz oder Punk kommen.

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