Eine Zusammenreimung ohne Gewähr auf Tatsachenbehauptung.
Es gibt reihenweise Kollektive und Formate im 160-BPM-Bereich, die nach außen wie reiner, asozialer Autoscooter-Hedonismus aussehen. Man könnte leicht meinen, das sei der Gipfel der unpolitischen Feierkultur.
Diese Crews nutzen den augenscheinlich prolligen Exzess lediglich als Trojanisches Pferd. Unter der Haube strikt organisiert, tief in antifaschistischen Strukturen verwurzelt und leisten zudem Awareness-Arbeit. Sie haben scheinbar nur verstanden, dass man queere und marginalisierte Schutzräume mitten in der schrillsten Eskalation verpacke muss.
Eine wirklich schräge These… und ja ich springe in ein komplett anderes Thema.
Was, wenn die Übernahme dieses prolligen Sound kein Zufall ist, sondern eine bewusste Reclaiming-Bewegung. Gabber, Hardcore und schneller Trance waren in den 90ern (besonders in Ostdeutschland und Holland) massiv von rechten Hooligans und Neonazis unterwandert.
Dass dieser Sound heute wieder dominiert, liegt aktuell daran, dass queere, feministische und antifaschistische Crews ihn sich zurückgeholt haben. Sie nehmen den Rechten die musikalische Gewalt weg und packen sie in sichere Räume. Könnte das stimmen?
Eurodance-Trash, Vokuhilas, Gabber-Kicks, Bauchtaschen und absoluter Autoscooter-Vibration. Und dahinter dann Leute aus der linken Berliner DIY-, Skate- und Graffiti-Kultur, die sich immer lautstark gegen Gentrifizierung positioniert haben und in ihren Bookings und Strukturen ein Level an FLINTA*-Förderung und Diversität etablierten, von dem sich viele elitäre, intellektuelle Techno-Labels eine dicke Scheibe abschneiden können. Kommt euch das bekannt vor?
Hyper-schneller Techno, Hardcore, Industrial und Gabber. Rein akustisch absolute Eskalation und Zerstörung. Und trotzdem einer der am strengsten kuratierten und politischsten Räume Berlins. Ein radikal queerer, sexpositiver und feministischer Space. Die Awareness-Konzepte kein PR-Feigenblatt, sondern Gesetz. Die Türpolitik gnadenlos selektiv, um marginalisierte Gruppen zu schützen. Extreme Achtsamkeit. Kommt euch das bekannt vor?
Wir dürfen nicht vergessen, wo dieser ganze 160-BPM-Hype seinen Ursprung hat. Kollektive wie Fast Forward Productions (mit Akteurinnen wie Mama Snake oder Courtesy, die starken Einfluss auf Berlin hatten) haben diesen Sound groß gemacht. Ihr Fundament war von Tag eins an strikt DIY, intersectional und fokussiert auf Safer Spaces und die Sichtbarkeit weiblicher und queerer Artists. Nach zehn jahren war 2025 wdann leider Schluss.
Mich lehrt das alles eines: Wir dürfen nicht immer nur alles pauschal scheiße reden. (Ich bin da ja ganz weit vorne.) Kritik zu äußern ist dort richtig, wo der Ausverkauf stattfindet, aber gleichzeitig müssen wir die Akteur:innen sichtbar zu machen, die das komplett anders angehen und Haltung beweisen.




