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Interview mit Andreas von AMSELCOM

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1)Hallo Andreas, danke für deine Zeit. Stell dich doch mal kurz für unsere Leser vor

Ciao Leute, mein Name ist Andreas und ich habe mir vor 8 Jahren Amselcom ausgedacht und halte es heute noch am Leben. Erst nachdem ich Berlin verlassen habe, fing das Label an durchzustarten. Zwischenzeitlich hatte ich ein paar mal die Hoffnung verloren und war gestresst von den deutschen Behörden. Nach einer langen Reise um die Welt habe ich einen Weg gefunden Amselcom als Label zu perfektionieren. Seither macht es mir sehr große Freude Musik von Menschen zu veröffentlichen die ich liebe.

2)Wer hat Amselcom gegründet und warum wurde das Label gegründet?

Ich habe damals eine Band gemanaged und bin so mit Rafaele Castiglione in Kontakt gekommen.  In diesem Dreieck entstand das erste Amselcom Release: Yukazu – Voyage mit Rafaele Castiglione, der 3 Songs der Band geremixed hat. Rafa war lange auch als Musiker und Ideengeber dabei. Er hat wichtige Schritte in der Entwicklung Amselcom’s mitgestaltet und ist auch heute noch mein Kompass wenn es um grundlegende Fragen geht. 

Tanja schwebt auch schon immer über dem Label und hat überall ihre Finger drin. Wir 3 sind vermutlich die Gründer dieses Etablissements. 

3)Was für Qualitäten muss ein Künstler, oder sein Sound besitzen, damit ein Release bei euch möglich ist?

Gute Frage, weil mir beides (Mensch & Musik) sehr wichtig ist. Der Künstler muss auf jeden Fall von seinem eigenen Werk begeistert sein und mich damit anstecken können. Menschlich sollte er dennoch in der Lage sein auf Augenhöhe mit allen anderen zu kommunizieren. Klingt banal? Ist aber genau der Spagat den viele nicht hinbekommen.

Der Sound muss vor allem neu sein. Alles was noch nie dagewesen ist wird bevorzugt. 

Qualitativ ist die Idee wichtiger als der Mix. Wer denkt seine geniale Demo nicht abschicken zu können weil sie schlecht gemischt ist liegt falsch. Wir suchen immer das Debut mit all seinen liebenswerten Fehlern. 

4)Eure Cover sind ja sehr farbintensiv und kreativ gestaltet, quasi Kunst beim Cover. Warum legt ihr da Wert drauf?

Das ist mit der schwierigste Prozess bei der Produktion. Es geht darum visuelle Kunst und Musik auf eine Art zusammenzuführen die sich im Ergebnis gegenseitig in ihrer Aussage verstärken.  Außerdem ist es spannend die Kunst- mit der Musikszene zu verbinden. Ich denke dass Menschen die Moderne Kunst verstehen auch ein gutes Gespür für die Ästhetik elektronischer Musik haben. Amselcom war eine Kunstgalerie bevor es ein Musiklabel war – daher kommt die Idee.

5)Was muss ein Track besitzen um erfolgreich zu sein?

Wenn ich das wüsste gäbe es keine Flops mehr auf Amselcom – oder vielleicht doch?

Ich muss sagen dass ich die Off Releases liebe und immer das Risiko eingehen werde einen finanziellen Misserfolg zu erfahren. Eine Ep sinkt nicht in meinem Wertesystem wenn sie sich schlecht verkauft. 

Es gibt ganz klare Erfolgsformeln, die man einhalten kann und damit recht gut wirtschaften wird. Aber bei Amselcom geht es vor allem darum neue Konzepte auszuprobieren und Künstler zu fördern an die sonst niemand glaubt. Wenn ein Track authentisch ist und eine eigene Idee mitbringt schaue ich ihn mir genauer an. 

6)Was für Projekte sind demnächst geplant und welche habt ihr dieses Jahr realisiert?

Wir sind bis Mitte 2021 ausgebucht, es wird viel Musik von neuen Künstlern geben. Auch neue Kontinente werden dabei sein. Die Welt wird immer kleiner und wir fühlen uns überall zuhause. Antaares aus Mexico hat gerade eine Solo EP bei uns produziert, darauf freue ich mich schon sehr. Dominik Petzold aus Berlin kommt mit einem Album welches sich mit KI befasst. Holly North ist ganz neu bei uns gelandet und die Jungs von Caligo veröffentlichen bald ihre Debut EP auf Amselcom. Geplantes Nichtstun erklingt mit Xique Xique und KlangDruide in ganz neuen Farben… Monkyman, Lee Jones und Judith Ahrends waren zusammen im Studio und haben extrem gute Schwingungen erzeugt.

7)Wie verbringt ihr die gerade nicht ganz einfache Zeit?

Im Irrenhaus. Oder auf Keta wie eine Spinne an der Decke. 

So zumindest die Interpretation meiner Wahrnehmung. 

Wir sind in Italien und genießen das Leben auf dem Land. Ich glaube die Stadt radikalisiert mich gerade etwas zu sehr. Der öffentliche Konflikt fühlt sich für mich wie Krieg an und ich will lieber nicht in dieses Feuer geraten. 

Deutschland ist für mich erstmal Sperrgebiet, ich meld mich wieder wenn in Berlin die Sonne scheint. 

8)Was für Tipps könnt ihr Newcomer geben, die gerne was releasen möchten?

Schwere Frage, denn ich soll ja von eben diesem Newcomer überrascht sein. Wenn ich vorher schon weiß was auf mich zukommt ist es nicht mehr spannend. 

Ganz wichtig finde ich dass ein Newcomer wirklich neu ist und seine eigenen Ideen entwickelt. Wie jemand anders klingen ist langweilig und geht eh nicht lange gut. Also mein Tip ist vor allem: Glaube an dich selbst aber hinterfrage dein Schaffen auch jeden Tag aufs neue. Stelle dich selbst in Frage und auch auf das höchste Podest welches du bauen kannst. Der Taumel zwischen Größenwahn und Lampenfieber kann eine gute Droge in der Kreation sein. 

Vielleicht auch noch die Frage ins Innere: Will ich wirklich alles auf eine Karte setzen und Musiker werden? Wer hier unsicher ist sollte sich nochmal vom Druck der Konventionen befreien und nach Wegen suchen den Kopf zu entleeren. Wenn auf diesem Level etwas Sicherheit erlangt ist geht alles andere viel leichter. Dann noch lernen mit Kritik umzugehen und sich in einem System zurechtfinden welches keine Regeln hat. Eigentlich das ganz normale Leben, nur eben mit Kopfhörern.  

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