01/06 Cultural Workers Studio, 02/06 Sangt Hipolyt & Zirland Zoiropa, 03/06 TROPEZ, 04/06 super bien!, 05/06 Scherben, 06/06 Changing Room, 07/06 Medium P, 08/06 sign, CIAT, 09/06 alpha nova & galerie futura, 10/06 soft power, 11/06 SCHNEEEULE, 12/06 Salve, 13/06 Mehringplatz 20, 14/06 Netzwerk Stimmenhören & Bureaucracy Studies, 15/06 gr_und, 16/06 Project Space 17, 17/06 A:D:Curatorial, 18/06 SONNTAG, 19/06 diffrakt, 20/06 Cittipunkt, 21/06 GUTS, 22/06 Scheusal, 23/06 Kleine Humboldt Galerie, 24/06 Scharaun, 25/06 CCCCCOMA, 26/06 ROSALUX, 27/06 anorak, 28/06 BETON, 29/06 Spoiler, 30/06 Xanadu

Die siebte Ausgabe des Project Space Festivals findet dieses Jahr vom 1.-30. Juni statt und ermöglicht mit einem umfassenden entschleunigtem Programm ohne Parallelveranstaltung einen umfassenden Einblick in die künstlerischen und gemeinschaftlich organisierten Projekträume der Stadt.

Eröffnungstage : 01-04.06.23

01/06 Cultural Workers Studio
02/06 Sangt Hipolyt & Zyrland Zoiropa
03/06 TROPEZ
04/06 super bien!

Am 1. Juni startet das Festival im Cultural Workers‘ Studio. Die im Februar 2022, in Folge des russischen Angriffskriegs von der Freien Szene in Berlin gegründete Not-Initiative im Atelierhaus Flutgraben ist eine Unterkunft, Arbeits- und Ausstellungsraum der gemeinschaftlich für und von Kulturschaffenden aus der Ukraine geleitet wird. Im Mittelpunkt der Ausstellung How to be a Studio steht die selbstorganisierte Arbeit der Kulturschaffenden, die die Integrität und Privatsphäre der Gruppe schützt und eine Plattform für Austausch und gemeinsame Anknüpfungspunkte bietet.

Der erste Höhepunkt innerhalb der Eröffnungstage des Festivals wird am 3. Juni im Sommerbad Humboldthain stattfinden. Seit 2017 sorgt der mit zusammen dem Freibadkiosk betriebene Projektraum TROPEZ dafür, dass bei Ausstellungen die Schwellenangst wegfällt, die viele Menschen in Kunstinstitutionen verspüren. In der Ausstellung BELIEVE werden Arbeiten von bildenden Künstlerinnen vorgestellt, die die (de-)stabilisierende Wirkung von Glauben ins Zentrum ihrer Beiträge rücken und dem Publikum dazu diskriminierungsfreie Alternativen präsentieren. Surreale Zukunftskonzepte sind traditionellen Formen von Glaube gegenübergestellt. Neun Künstlerinnen, u.a. Sahej Rahal, Chiu Laozhi, Patricia Reed, Maria Loboda, Christina Huber, Stacie Ant und Jimmy Beauquesne untersuchen die Aktualität von Spiritualität, Religion und Verschwörungstheorien. Ihre Arbeiten hinterfragen unser Vertrauen in verschiedene höhere Mächte und stellen neue moralische Orientierungshilfen wie trostspendende Ideen vor, die mal mehr, mal weniger ernst gemeint sind.

  1. Woche 05-11.06.23

05/06 Scherben
06/06 Changing Room
07/06 Medium P
08/06 sign, CIAT
09/06 alpha nova & galerie futura
10/06 soft power
11/06 SCHNEEEULE

In der ersten Woche des Project Space Festivals plant der Projektraum Scherben Besucherinnen an einen besonderen Ort in der Leipziger Straße zu führen, in dem ein Filmprogramm zu Onur Gökmens erster Einzelausstellung in Berlin zu sehen sein wird. Unter der Folie der für 2024 geplanten Umgestaltung der Leipziger Straße und ihrer von geopolitischen Bebauungspolitik geprägten Geschichte sowie den jüngsten Ereignissen in der Türkei hat Scherben Gökmen dazu eingeladen, eine raumspezifische Installation zu entwickeln, die Besucherinnen zu einem erfahrungsbasierten Austausch über eine nachhaltige Zukunft von Wohn-/Stadtraum animiert. Neben dem Horrorfilm Possession, der konzept- und titelgebend für Gökmens Ausstellung bei Scherben ist, soll ein Film von Gökmen selbst gezeigt werden sowie weitere filmische Arbeiten von u.a. Alan Martin Segal und Tolia Astakhishvili.

Ähnlich wie bei der geförderten Ateliervergabe des bbk Berlin, werden seit 2017 im Rahmen des Berliner Arbeitsraumprogramm auch teilgeförderte Projekträume, wie in der ehemaligen Sarotti-Fabrik in Berlin-Tempelhof vergeben. Der seit 2020, hier am Teltowkanal betriebene Kunstraum soft power schafft mit verschiedenen Projekten seines Programms Gemeinschaften zu anderen Orten, die sich mit Kolonialismus und Geschichte auseinandersetzen. Für das Ausstellungsprojekt Plural Perspectives, welches am zehnten Tag des Project Space Festival eröffnet wird, hat das Kollektiv den Kurator Dereck Marouço Sant’Anna da Silva dazu eingeladen zeitgenössische Dynamiken und vielfältige Sichtweisen auf physische Bauwerke zu enthüllen,, die ähnlich wie die Sarotti-Fabrik eine symbolische Bedeutung in der Stadt Berlin tragen. Die Künstler*innen Alice Creischer, Aykan Safoğlu, Edgar Calel, Jota Mombaça, Mukenge /Schellhammer beziehen sich in ihren Arbeiten, so auf verschiedene Denkmäler, Straßen(namen), Gebäude und Institutionen der Stadt.

Als künstlerisch-kuratorische Initiative ohne festen Raum beschäftigt sich Schneeeule, seit 2012 betrieben von der Künstlerin Silke Nowak, mit Ein- und Ausschlussmechanismen im Kunstbetrieb. Vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen als Arbeiterkind im Kunststudium, der Kunstwelt im Allgemeinen und mit Projekträumen, hat sich Nowak mit ihrer Initiative das Ziel gesetzt mit Künstlerinnen zusammen zu arbeiten, die in etablierten Kunstinstitutionen nur selten zu sehen sind, wie obdachlose Künstlerinnen sowie Künstlerinnen mit Behinderung die in Ausstellungskontexten häufig unter sich bleiben. Die Ausstellung Alltag am elften Tag des Festivals findet im Mehrgenerationenhaus Gneisenaustraße statt. Die beteiligten Künstlerinnen Cornelia Heidepriem, Rudolf Mezey, Eva Seufert, Christian Wollert beschäftigen sich mit Kochen und Essen, dem Gefühl für die eigene Umgebung und verwenden vor allem alltägliche Materialien zur Produktion ihrer Arbeiten.

  1. Woche 12.06.-18.06.23

12/06 Salve
13/06 Mehringplatz 20
14/06 Netzwerk Stimmenhören & Bureaucracy Studies
15/06 gr_und
16/06 Project Space 17
17/06 A:D:Curatorial
18/06 SONNTAG

Das Project Space Festival ist zu einem Anziehungspunkt für translokalen Austausch mit Projekträumen in anderen Städten geworden. So werden in diesem Jahr zwei Tage des Festivals in Berlin von den Projekträumen Bureaucracy Studies aus Lausanne/Schweiz und Project Space 17 Pristina/Kosovo organisiert.

Bureaucracy Studies aus Lausanne wird am 14. Juni in Kooperation mit dem Berliner Verein Netzwerk Stimmenhören e.V. (NeSt) eine Gruppen-Ausstellung mit Künstlerinnen und Autorinnen zeigen, die sich mit dem Phänomen des Stimmen-Hören auseinandersetzen. Beteiligt sind Dora Garcia mit dem Hearing Voices Café, Patsy Hage (mit Sonja Barend, Marius Romme, Julian Jaynes, Lana Wachowski, Lilly Wachowski und J. Michael Straczynski), das Berliner Theater der Verrückten mit Stephan Antzack und Bettina Hohorst, sowie Rolf Fahrenkrog-Petersen mit dem Berliner Netzwerk Stimmenhören e.V..

Das Programm des Project Space 17 aus Pristina beschäftigt sich mit der Wiederbelebung und Revitalisierung verlassener Gebäude durch ortsspezifische künstlerische Interventionen, die oftmals nur von kurzer Dauer sind. Die Gruppe stellt in Berlin ihr Projekt Metamorphosis vor. Das Projekt dokumentiert, mit welchen künstlerischen Mitteln das ehemalige Hauptstadtkino Rinia, ein Gebäude von hohem kulturellen und sozialen Wert für Pristina, vor der Privatisierung und dem endgültigen Abriss, gerettet werden konnte. Project Space 17 zeigt, welche wichtige Rolle Projekträume, in ihrer kulturellen Vitalität innerhalb der Stadtentwicklung einnehmen können und wie diese die Stadt und ihre Zentren vor ihrer Verödung und ihrem Zerfall bewahren können, wenn Kunst, Kultur und Stadtinitiativen gemeinschaftlich zusammenarbeiten.

  1. Woche 19.06.-25.06.23. 19/06 diffrakt
    20/06 Cittipunkt
    21/06 GUTS
    22/06 Scheusal
    23/06 Kleine Humboldt Galerie
    24/06 Scharaun
    25/06 CCCCCOMA

Cittipunkt, ebenfalls ein Projektraum, der seit 2022 mit Hilfe des Berliner Arbeitsraumprogramms entstanden ist, veranstaltet am Tag 20 des Festivals in der Brüsseler Straße im Wedding das Screening Bartleby und der Mann der seinesgleichen liebte. Das Screening zeigt zwei Filme, die sich mit dem Thema der Verweigerung in Bezug auf Arbeit, Produktivität, Subjektivierung, neuen Arbeitswelten und immaterieller Arbeit befassen. Der erste Film, Bartleby von Judith Hopf und Stephan Geene, untersucht unterschiedliche Arten von Verweigerungshandlungen und stellt eine kritische Reflexion über die Arbeitsbedingungen unserer Gesellschaft dar. Der zweite Film, Der Mann, der seinesgleichen liebte von Anna Herms, zeigt die Geschichte eines Mannes, der sich von der Gesellschaft abwendet und sich nur noch um sich selbst kümmert. Die anschließende Diskussion wird sich insbesondere auf die Geschichten des Kunststreiks, die Ursprünge von Produktivität während der Aufklärung, kulturgeschichtliche Aspekte der Faulheit, neoliberale Subjektivierung und zeitgenössische Verweigerungsstrategien konzentrieren.

Die Kleine Humboldt Galerie verwirklicht Projekte an historischen, der Öffentlichkeit meist verborgenen Orten innerhalb und außerhalb der Humboldt-Universität. Sie wird von Studierenden aller Berliner Hochschulen organisiert und realisiert jedes Jahr im Kollektiv verschiedene Ausstellungsprojekte. Als einer der Höhepunkt der dritten Woche des Festivals wird die Künstlerin Selin Davasse am 23.06.2023 eine ortsspezifische Performance im historischen Lehrgebäude für Veterinärmedizin, dem Tieranatomischen Theater zeigen. Dessen ursprüngliche Nutzung durch die preußische Kavallerie und die theatralische Architektur bezeugen, wie stark die Inszenierungen von Wissensproduktion und Dominanz zusammenhängen. Auf der Bühne des alten Anatomiesaals intoniert Davasse eine tierische Stimme, welche die eigene Rolle in patriarchalen Kriegs- und Kontrollsystemen bis hin zu einer feminisierten „horse girl aesthetic“ kommentiert. In ihrer Performance wird Selin Davasse ihre Forschung aus verschiedenen Disziplinen in Text, Performance und Sound übersetzen. In diesem Prozess verweben sich Theorie, Geschichte und Fiktion zu einer polyphonen feministischen Erzählung alternativer Gegenwarten und spekulativer Zukünfte.

Der Projektraum Scharaun wurde im August 2017 von dem bildenden Künstler Jaro Straub als interdisziplinärer Ausstellungsraum für Kunst und Architektur in Berlin-Siemensstadt gegründet. Der Ausstellungsraum befindet sich in einer Wohnanlage aus den 1930er Jahren, die von dem Architekten Hans Scharoun für Arbeiter der umgebenden Siemenswerke entworfen wurde. Scharoun selbst hat von 1930 bis 1960 in einer Wohnung in dem Gebäude gelebt und gearbeitet. Die besondere Lage des Ortes gibt Besuchern die seltene Gelegenheit, eine von Scharouns Siedlungswohnungen in nahezu unverbautem Originalzustand zu besuchen. Am 24.06. eröffnet die Ausstellung „Studio Stadt — Peripherien der Elektronischen Musik“ im Rahmen des Project Festivals mit zwei Audiowalks von Tatiana Echeverri Fernandez und der in Siemensstadt geborenen Künstlerin Ahu Dural. In der anschließenden Ausstellung Studio Stadt wird die Geschichte der elektronischen Musik als frühe Form digitaler Kultur im Verhältnis zur Transformation der urbanen Peripherie von Siemensstadt untersucht. Ausgehend vom 1960 gegründeten Siemens-Studio für elektronische Musik, das sich heute in der Dauerausstellung des Deutschen Museums in München befindet, verwebt Studio Stadt diverse (Ton)spuren und künstlerische Praxen entlang der Industrialisierung, Automatisierung und Digitalisierung der modernen Arbeits- und Lebenswelt.

  1. Woche 26.06.-30.06.23. 26/06 ROSALUX
    27/06 anorak
    28/06 BETON
    29/06 Spoiler
    30/06 Xanadu In der vierten und letzten Woche des Festivals möchten wir auf zwei besondere Veranstaltungen von Projekträumen hinweisen, deren Projekte sich mit Videokunst und künstlerischen Bewegt-Bildern auseinandersetzen.

anorak ist ein 2016 gegründetes künstlerisch-kuratorisches Kollektiv und Projektraum mit rund 140 Mitgliedern. Nach 5-jähriger nomadischer Tätigkeit eröffnete anorak Anfang 2022 seinen ersten festen Projektraum in Berlin Kreuzberg. Im März 2023 erfolgte der Umzug in einen durch den Senat geförderten Projektraum in das ehemalige Greenhouse in Tempelhof-Schöneberg, als einer von zwei neuen Projekträumen in der 8. Etage des ehemaligen Arbeitsamtes in der Gottlieb-Dunkel-Str. Für Tag 27 des Project Space Festival entwickelt das Kollektiv gemeinsam mit der in Berlin lebenden Künstlerin und Schauspielerin Cammisa Buerhaus ein einstündiges Performance- und Screening Programm unter dem Titel IF YOU PLEASE das sich mit dem transgressiven Potenzial von queerem Begehren im Kontext aktueller identitätspolitischer Debatten auseinandersetzt. Im performativen Spiel des Zuschauens und Zur-Schau-Stellens wird die brüchige Grenze zwischen dem inneren Erleben sozialer Rollenbilder und deren medialer Vermittlung verhandelt. Die Videoleinwand wird zum gebrochenen Spiegelbild, das von der Instabilität und Ambivalenz von Erinnerung, von narzisstischen Müttern, Doppelgängern und ‘consensual kinks‘ erzählt. Das Programm umfasst Filmarbeiten von Buerhaus (Who Are the Dora, Doris, 2021), Jordan Strafer ((PEP) PROCESS ENTANGLEMENT PROCEDURE, 2020), zuum hiperlinque und anderen, im Wechsel mit performativen Interventionen von Buerhaus. Das Programm öffnet einen tragisch-komischen Erfahrungsraum, in dem Körper und Körperbilder gemeinsam mit dem Publikum reflektiert und projiziert werden. Hierbei geht es nicht um die Wahrheit hinter den Bildern, nicht um ein Fenster in eine vermeintlich andere, bessere Welt, sondern um die gelebte Realität szenischer Darstellung.

Xanadu befindet sich in der vorderen Hälfte des Projektraums Horse & Pony in der Nähe des Körnerparks in Neukölln (Horse & Pony setzt sein Programm im Unter- geschoss des jetzigen Raums fort). Xanadu wird von Carrick Bell geleitet, die eine Hälfte des Teams von Horse & Pony ist. Xanadu ist als ein Raum gedacht, der sich der kontinuierlichen Präsentation von Bewegtbildarbeiten von Künstlerinnen widmet. Das Programm hat zwei Schwerpunkte: Einerseits werden externe Programmmacherinnen und Künstlerinnen eingeladen, programmierte Screenings zu bestimmten Themen, Formaten, künstlerischen Bewegungen usw. zu präsentieren. Zum anderen werden monografische Screenings einzelner Künstlerinnen präsentiert, die von programmierten Screenings begleitet werden, welche die Praxis der jeweiligen Künstler*innen kontextualisieren.
Für das Project Space Festival 2023 wurde Xanadu eingeladen, eine Fortführung des Micro Cinema Festivals auszurichten, welches 2022 erstmals im Rahmen des Project Space Festivals 22 stattfand. Dieses Event geht speziell auf Projekträume und Initiativen ein, die sich mit künstlerischem Bewegtbild auseinandersetzen und soll der Gemeinschaft dieser wichtigen künstlerisch-kuratorischen Arbeit innerhalb der Projektraumszene eine eigene Plattform bieten.

Infos im Überblick

Project Space Festival 23 – Eine Gemeinschaft von Räumen/A Community of Spaces
Juni 1-30, 2023:
Wechselnde Projekträume und Veranstaltungsorte in Berlin
Die Mitglieder der Jury:
Kate Brown, Kira Dell, Christopher Kline, Sakrowski, Laura Helena Wurth
Instagram: @projectspacefestival

  • BETON Berlin_Foto: Paula G. Vidal, PSF 2022.jpg
  • Spoiler Aktionsraum_Joe Clark PSF 2022.jpg
  • super-bien_Foto: Joe Clark, PSF 2022.jpg