Zum diesjährigen Festival of Lights präsentiert das Humboldt Forum vom 11. bis 20. Oktober jeweils von 19 bis 24 Uhr drei Großprojektionen. An der Ostfassade können Besucherinnen und Besucher abwechselnd die künstlerischen Videoprojektionen O Ciclo Anual no Rio Tiquié / Ein Jahreszyklus am Tiquié sowie 250 Jahre jung! Alles ist Wechselwirkung bewundern. Die beiden Projektionen begeisterten bereits während der kurzen Premiere zum 250. Geburtstag von Alexander von Humboldt mit Zeichnungen des Sternenhimmels von Amazonien sowie Humboldts Leben in Bildern und Zitaten. An der Westfassade veranschaulicht ein erstmals auf das Humboldt Forum projiziertes Standbild auf lebendige Art und Weise das Verbindende im Wirken der beiden Brüder Alexander und Wilhelm von Humboldt.

O Ciclo Anual no Rio Tiquié / Ein Jahreszyklus am Tiquié
Die Videoprojektion eröffnet dem Berliner Publikum nochmals die Möglichkeit, indigenen Zeichnerinnen und Zeichnern vom oberen Rio Negro in Brasilien beim Arbeiten zuzusehen. Für die Projektion zeichneten Tuyuka, Tukano, Desana und Yebamasa die Sternbilder, nach denen sich ihre Ältesten in der Beobachtung des Jahreszyklus richten. Dieser faszinierende Einblick in die Komplexität indigenen Wissens, zeichnerisch und schauspielerisch erzählt von Indigenen selbst, ist eine besondere kollaborative künstlerische Arbeit. Sie bietet Raum für visuelle Begegnungen zwischen zwei Welten, die seit Humboldts Tagen ein gemeinsames Erbe teilen.

Realisiert wurde die Projektion von der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss in enger Zusammenarbeit mit dem Ethnologischen Museum der Staatlichen Museen zu Berlin und der brasilianischen Nichtregierungsorganisation Instituto Socioambiental (ISA), die seit 2003 am oberen Rio Negro Projekte zur indigenen Bildung und interkulturellen Forschung durchführt. O Ciclo Anual no Rio Tiquié / Ein Jahreszyklus am Tiquié erinnert an die Fragilität indigener Lebensrealitäten – mit allen Konsequenzen. Nichtregierungsorganisationen wie dem ISA wird das Arbeiten in Brasilien derzeit extrem erschwert – der Lebensraum Amazonien ist so bedroht wie nie zuvor in seiner Geschichte.

250 Jahre jung! Alles ist Wechselwirkung
Mit der Projektion 250 Jahre jung! Alles ist Wechselwirkung der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss im Rahmen des Humboldt-Jahres wird die Ostfassade des Humboldt Forums darüber hinaus zum Schauplatz des Lebens und Denkens Alexander von Humboldts. Alles ist Wechselwirkung – seine zentrale Feststellung über die Natur und die Welt – wird im Zusammenspiel zwischen Licht, Bildern und Architektur erkundet.

Die Projektion ist eine Reise in die Vielschichtigkeit und den Facettenreichtum dieses herausragenden Wissenschaftlers, Forschers und Philosophen, geprägt durch sein Verständnis von Wissenschaft: Sehen aus unterschiedlichen Blickrichtungen, vielsprachig formuliert sowie Natur und Kultur zusammendenkend. Die Projektion zeigt Humboldt nicht als Helden, sondern als Menschen und Wissenschaftler.

„So liegt in jeder Sprache eine eigentliche Weltansicht.“
Namensgeber des Humboldt Forums ist nicht nur Alexander, sondern auch sein Bruder Wilhelm von Humboldt. Das Schaffen der beiden Brüder, ihr Entdeckergeist und ihre Forschungsansätze sind Inspiration für die inter- und transdisziplinäre sowie transkulturelle Arbeit dieses zukünftigen kulturellen Zentrums in der Mitte Berlins. Welche konkreten Verbindungen bestehen zwischen dem Wirken der beiden Brüder? Welchen Fragen gingen sie nach, welchen Ideen und Ansätzen hatten sich beide verschrieben und welche Bedeutung hat ihr Schaffen für die Arbeit des Humboldt Forums?

Dieses weite Feld erkundet beim Festival of Lights ein auf die Westfassade projiziertes Standbild am Beispiel der Auseinandersetzung der Humboldt-Brüder mit Sprache und Sprachsystemen. Gezeigt wird ein Faksimile, das Alexander von Humboldt von seiner berühmten Amerika-Reise mitgebracht hat und das die politische Geschichte des mittelamerikanischen Königreichs Tlapa Tlachinollan (1300 bis 1564) beschreibt, insbesondere die Tributzahlungen, die in den Jahren 1486/1487 und 1521/1522 an die Azteken geleistet wurden. Diese Hieroglyphen eröffnen im wahrsten Sinne des Wortes eine eigene(Bilder-) Welt und veranschaulichen die parallel projizierte Feststellung Wilhelm von Humboldts: „So liegt in jeder Sprache eine eigentliche Weltansicht.“
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Festival of Lights: Drei Großprojektionen an zwei Fassaden des Humboldt Forums
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Datum Freitag, 11.10. bis Sonntag, 20.10.2019
Zeit jeweils von 19 bis 24 Uhr
Ort Ostfassade Humboldt Forum, am besten vom Marx-Engels-Forum aus; Westfassade Humboldt Forum, am besten vom Schinkelplatz aus
Eintritt frei