Berlin: Der jährliche Rückblick auf 2019

Berlin war schon immer eine schwierige Stadt. 2019 ist sie noch etwas komplizierter geworden. Vieles lässt sich nur schwer in Einklang bringen. Ergebnisse, Meinungen oder Ansichten entziehen sich Diskussionen, und folgen nicht mehr besseren Argumenten oder simplen, durch Eltern geprägte, „Sowas macht man nicht.“ Grundsätzen. Es ist fast so, als wäre man in der Dauerschleife eines Meinungskrieges gefangen…

Der wichtigste Satz in diesem Jahr kommt von Esther Bejarano:

"Was kann gemeinnütziger sein als Antifaschismus? 
Es ist eine Arbeit für die Gesellschaft." 

Ein Monument in einer Zeit, in der Antifaschismus gleichgesetzt wird mit „Antifa“ und „gewalttätigen Linksradikalismus“ obwohl jeder überzeugte Demokrat immer in Opposition zu faschistischen Bewegungen stehen muss. Eigentlich jeder Mensch, der frei leben will.

Aber zurück nach Berlin. Berlin hatte 2019 viel Gutes und Schlechtes zu bieten. Ich habe versucht, die Widersprüche dieser Stadt festzuhalten:

Berlin ist: Wenn wir ernsthaft über Mietendeckel diskutieren und eine Mille pro Tag für den BER verbraten.

Berlin ist: Wenn wir die Verkehrswende wollen, während jedes Jahr völlig unvorbereitet die öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr fahren, weil niemand den Winter kommen sah.

Berlin ist: Wenn dem VVN-BdA die Gemeinnützigkeit entzogen wird, während am Tag deutschen Einheit Neonazis den Hitlergruss auf Demos zeigen.

Berlin ist: Wenn die Aktion „Deutsche Wohnen enteignen“ kritisiert wird, während DW in den vergangenen fünf Jahren weniger als 100 Wohnungen in Berlin baute.

Berlin ist: Wenn wir uns über die Eigenheiten von zugezogenen Schwaben aufregen, aber komplett anderen Kulturkreisen ihre Lebensvorstellungen zugestehen.

Berlin ist: Wenn wir laufend über Gentrifizierung und Touristen meckern, aber die eigene Bude via AirBNB vermieten und im Urlaub nutzen.

Berlin ist: Wenn wir verschissene Betonpoller vor Weihnachtsmärkten als normal hinnehmen, während eine Hamas-Konferenz im AWA-Festsaal in Moabit stattfindet.

Berlin ist:  Wenn wir sagen „Wer Deutschland bewohnt, ist Deutscher“ aber nicht „Wer in Berlin wohnt, ist Berliner“

Berlin ist: Wenn ein Förderfonds über eine Million für den Lärmschutz von Clubs vom Senat an den Start gebracht werden, während die Bezirksverordnetenversammlung das „Coral World“ an der Rummelsburger Bucht genehmigt.

Berlin ist: Wenn Aktionen, die Gutes bewirken wollen, nur zulässig sind, wenn erachtet wird, das sie von den „richtigen“ Leuten gemacht werden.

Berlin ist: Wenn wir Dealern ein Denkmal errichten, aber Anwohnern die Empfehlung geben, sich woanders hin zu verpissen.

Berlin ist: Wenn die Stadt von einer Welle an Protestaktionen und Demos überrollt wird, mit #fridaysforfuture #zugderliebe #extinctionrebellion #endegelände #savetheinternet, während die Legende von der Gleichgültigkeit der Millenials durch die Feuilletons geistert.

Berlin ist: Wenn Clans die Stadt ficken, aber man den Begriff „Clan Kriminalität“ als rassistisch abschaffen will und „Dogs of Berlin“ als coole Serie feiert.

Berlin ist: Wenn bei der  EuropeanClubnight & AuswärtigesAmt alle zu verbalen Fackeln und Heugabeln greifen, während beim BDS gegen das Berliner Pop-Kultur-Festival nur leise die Reiskörner rieseln.

Berlin ist: Wenn Frank Zanders sein jährliches Gans Weihnachtsessen für 3000 Obdachlose organisiert, und man ihn dafür als Massenmörder bezeichnet.

Berlin ist: Wenn das ZPS ernsthaft jüdische Asche ausbuddelt, in ein Glas packt, sich später entschuldigt und ihre Fans das trotzdem nicht nachvollziehen wollen/können.

Berlin ist: Wenn Diversität hochgehalten wird, aber intellektuelle Diversität darin nicht vorkommt. Das Vertreten einer Meinung die nicht Lagern zugehörig ist, wird sofort empört nieder geschrien.

Berlin ist: Wenn immer mehr Berliner ihren Sperrmüll auf die Straße stellen, während Initativen wie WIRBERLIN #WORLDCLEANUPDAY die Stadt entmüllen.