Nach dem Aus des IfZ und dem Mjut trifft es nun den nächsten Player: Das Axxon N. im Kohlrabizirkus stellt vorerst den Betrieb ein. Damit verliert Leipzig nicht nur einen Club an einem architektonisch spektakulären Standort, sondern auch ein Mitglied des LiveKommbinats.
Doch während die offiziellen Statements von steigenden Kosten und fragilen Bedingungen sprechen, wird in den Kommentaren unter dem Abschiedspost hitzig diskutiert. Die Vorwürfe reichen von „zu wenig Investition und Liebe“ über eine „normale Marktbereinigung“ (weil sich das Ausgehverhalten geändert hat) bis hin zur ewigen Debatte, ob Techno politisch sein muss oder nicht.
Fakt ist: Ein Club mit dieser Kapazität und Lage ist schwer zu halten, wenn das Publikum ausbleibt. Ob es an mangelndem Herzblut, dem Konzept oder einfach der allgemeinen Krise der Clubkultur liegt, bleibt offen.
Der letzte Tanz: Wer dem Ort noch einmal die Ehre erweisen wollte, hatte am Wochenende vom 30. und 31. Januar 2026 die letzte Gelegenheit.
Die Hintergründe
- Der Standort: Der Kohlrabizirkus (die alten Großmarkthallen) ist legendär, aber auch ein Biest. Riesige Flächen, hohe Heizkosten und schwer zu bespielen.
- Die Kritik: Leipzig hat eine sehr politisierte Szene hat (Stichwort: Antifa-Kontext, Awareness-Konzepte). Manche Besucher fühlen sich davon bevormundet und wünschen sich „einfach nur Feiern“, während andere sagen, dass Clubkultur ohne politische Haltung in Leipzig nicht funktioniert.
- Die „Marktbereinigung“: Nach Corona hat sich das Publikum verändert. Die Leute gehen seltener raus, sparen mehr und sind wählerischer. Clubs, die kein messerscharfes Profil haben, trifft es zuerst.
Meine five cents… ich fand Name und grafischen Auftritt nicht gut für einen Club-Nachfolger des legendären IfZ. Und war damit nicht allein.
„Grafik-Gate“ (KI statt Kunst)
In der Leipziger Szene gab es Spott für die Social-Media-Präsenz:
- KI-Content: Dem Club wurde vorgeworfen, „billige KI-Videos“ und seelenlose Grafiken zu nutzen, die eher nach einer billigen Handy-App als nach Underground-Techno aussahen.
- Fehlender Vibe: Während das IfZ vorher eine sehr starke, düstere und handgemachte Ästhetik hatte, wirkte das Axxon N. digital-beliebig. Viele empfanden das als „peinlich“ und eines Underground-Clubs nicht würdig.
Der Name: „Axxon N.“
Der Name stammt wohl aus dem Film Inland Empire von David Lynch. Das klingt zwar auf dem Papier intellektuell, kam aber in der Realität eher sperrig und „gewollt“ rüber. Kritiker sagen, der Name habe nie eine richtige Bindung zum Publikum aufgebaut – er blieb ein Fremdkörper in der Stadt.
Fehlende Szene-Anbindung & Fehlplanung
Schnelle Pleite: Der Laden hat im April 2025 eröffnet und war laut Branchenberichten im August – also nach nur vier Monaten – faktisch schon pleite. Das Insolvenzverfahren läuft bereits seit November 2025.
- Sinnlose Investitionen: Es gibt Vorwürfe, dass viel Geld für „sinnlose Umbauten“ verpulvert wurde, anstatt in ein vernünftiges Booking oder die Atmosphäre zu investieren.
- Austauschbarkeit: Viele Gäste fanden das Programm zu beliebig. Das IfZ hatte eine klare Identität; das Axxon N. wollte alles gleichzeitig sein (Safe Space, Hardgroove, Experimental), hat aber niemanden so richtig abgeholt.
Also „Gute Location, schlechte Umsetzung.“ Dass das Axxon N. zum 31. Januar 2026 zumachte, wird von vielen nicht als reines „Clubsterben“ durch äußere Umstände gesehen, sondern als Scheitern eines Konzepts, das an der Zielgruppe vorbeigeplant wurde.





