Berlin ist wunderbar. Endgültig. Jederzeit.

„Berlin ist hinüber. Endgültig. Aus.“

hieß es gestern im Springer Blättchen WELT.

„Im „Berghain“ ist längst die letzte Poritze beleuchtet. In Kreuzberg hat man wieder Angst vorm schwarzen Mann. Der Regierende hat das Charisma eines Glases Mineralwasser. Ist die Hauptstadt am Ende?“

Die dazugehörige Subheadline gab dann auch gleich Gas mit dem MedienDauerbrennerKeyword Berghain, brachte dunkle Urängste ins Spiel, disste den neuen Bürgermeister und machte es zum Schluss wie die Bild, indem die vorher getroffene Aussage, durch ein Fragezeichen relativiert wurde. (Im letzten Satz des Artikels wurde dann übrigens noch mal alles umgedeutet.)

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Endlich platzt also die Berliner Investitionsblase, denn Berlin ist für den ImmobilienMarkt kein relevanter Ort mehr , weil ein Freund der Autorin erzählte, dass er keinen Kredit für ein Bauprojekt bekam. Verdammt! werden sich jetzt viele WELTlesende Investoren denken, dann auf nach Krakau, dort die Mieten erhöhen, Förderungen einstreichen und ungenutzte Bürogebäude en masse zurücklassen, bis wieder ein Freund sowas zu einem Schreiberling sagt.

Es wird knallhart gegen ein Studentenwohnheim lamentiert, aber mir will dabei absolut nicht in den Kopf, wo dort Berlins Untergang versteckt sein könnte. Ärgerlich ist da eigentlich nur, dass die Betreiberfirma aus München stammt.

Kompletter Bullshit ist auch die wieder und wieder repetierte Mär von Kriegsdienstverweigerern, die, aus BRD und Spießigkeit entflohen, diese Stadt prägten. Das war vielleicht bis Anfang der 80er so. Dann fiel irgendeine Mauer und der Osten prägt seitdem die Stadt.

Es geht im Artikel dann weiter mit dem Beklagen fehlender Rebellion.  Nun, ich kann natürlich bei der EZB Eröffnung in Frankfurt schön alles zerlegen, aber niemand wird da letztlich sagen: Hey coole Sache! Zumindest niemand mit Verstand.

Und ja klar, man kann sich über Bürgerbegehren echauffieren. Da passiert eben nicht viel mit tougher Jugend, die sich nichts mehr vom bösen System gefallen lassen will, die aufsteht, die kämpft. Dummerweise liegt das aber an uns und nicht an Berlin. Man kann aber auch mal schauen, was da unterm Strich bei bürgerlichen Formen des Protestes raus kommt, wie ganz wunderbar unbequem diese ganzen Bürgerinitiativen, diese Volksentscheide und Begehren für die Politik sind. Weil sie nämlich ein weitaus massiverer Störfaktor sind, als ein Anti TTIP Graffiti an einer Hauswand. Siehe die unglaubliche TTIP Demo im Oktober! Und by the way… Visionen und neue Ideen muss man suchen, nur dann wird man sie auch finden.

Des Weiteren wird gegen die Avantgarde gewettert. Kenn ich als Begriff nur aus den 80ern. Sagt man das heute noch so? Ich zitiere mal:

„Die Avantgarde besteht größtenteils aus mittelmäßigen Schriftstellern oder alkoholabhängigen Steakfans. Selbst die Berliner Clubkultur, die gerne als Kreativmotor und Touristenmagnet genannt wird, ist in einem zweifelhaften Zustand. … warben die Stadtmarketingleute von „Berlin.de“ kürzlich damit, dass Bill Kaulitz von Tokio Hotel gerne mal ins „Berghain“ gehen würde.“

Der erste Satz ist einfach Quark. Die ganze Literaturwelt besteht „größtenteils“ aus Mittelmäßigkeit. Und sie findet sogar Absatz. Aber es gibt auch die Guten. Und wenn trinkfreudige Fleischfreunde irgendwas auf die Beine bekommen, solls mir recht sein. Dummerweise fehlt hier der Avantgarde Bezug der genannten Personen. Geht’s um den Trend der „Food Kultur“ also Bite Club, Platoon, Neue Heimat etc.? Keine Ahnung. Es folgt eine Kritik an Berlin.de, so als wäre diese auch nur in irgendeiner Weise relevant für die Außendarstellung dieser Stadt. Echt jetzt?

Es wird auch beklagt, dass frühere Alleinstellungsmerkmale wie Club Interieur und Musik nun in alle Welt kopiert werden. Tja… traurige Geschichte. Es ist unsäglich, dieses Sandkastengemeckere, von wegen, oh der hat das mir einfach weggenommen und baut sich eine eigene Burg. Erfolgreiche Dinge werden kopiert. Das ist auch eine Form von Huldigung. Oder wie bei den Samwer Brüdern, die Erkenntnis, damit Geld machen zu können. Ein Markenrecht auf Holzfassaden und elektronische Musik gibt es nun mal nicht.

Oh lala, dann geht’s natürlich auch gegen den Zug der Liebe. Schlichtweg alles an verfügbaren Infos ignorierend ergießt sich hier die Schmäh in die Tastatur und offenbart Unwissenheit, aber was noch viel schwerer wiegt, schlechte Recherche. Es folgen noch ein paar Absätze, aber das ist alles so unglaublich trister Kram, dass ich beim besten Willen nicht weiter ertrage, mir damit Zeit zu stehlen. Der letzte Satz offenbart dann auch die ganze Kritik als schreiberischen Kniff:

„Berlin ist hinüber. Das könnte eine der besten Nachrichten für die Stadt seit Langem sein.“

Weil ja all diese bösen Dinge, Berlin wieder zu dem machen würden, das es einmal war? Ganz genau, falsch gedacht.

Unrecht hat sie sicher nicht. Aber sie beschreibt ein Berlin, das nur Touris kennen und kackt den Frust an ganz Berlin aus. Der ganze Artikel erweckt den Eindruck, dass da jemand Platz füllen musste, aber irgendwie keine Lust hatte noch rauszugehen und Berliner Storys zu recherchieren. Schliesslich ist ja jede Poritze augeleuchtet. Und Dissen ist ja eh das neue BuzzfeedClickbaitDing, denn es können sogar alle auf einmal angepisst werden: Studierende, Alte, Junge, Ureinwohner, Zugezogene, Künstler und ganz generell Menschen. Ganz ehrlich… lass mal Laura.

Wie sagte ein Freund so schön:

„Am meisten geht man sich selbst auf die eier. dummerweise laesst laura E. diesen schritt aus – denn sie mag sich anscheinend am meisten. klassischer fall von narzisstischer persönlichkeit.“