Dave Eggers – Der Circle

Während der fünf Tage meines Urlaubs hab ich ein paar Bücher gelesen. Eigentlich war für jeden Tag eins geplant, nun sind es doch nur vier geworden. Wir waren ja schließlich auch mal draußen. Buch Nummer eins ist von Dave Eggers und heißt “Der Circle” Ich hatte das Cover auch schon ein paarmal auf Facebook gesehen, aber nie drauf geachtet. Jedenfalls war es so gut, dass ich auf den Gedanken kam, darüber ein paar Worte zu verlieren.

Der Circle zeigt auf, wie es wäre, würden Google, Facebook, Microsoft, Amazon, Apple, und eBay nur noch eine Firma sein. Ein Konzern, den alle so sehr lieben wie Google, der seine MAs pampert ohne Ende, der nicht evil sein will, und doch letztlich durch seinen absoluten Transparenzgedanken die Welt in eine Dystopie a la Orwells “1984” stürzt. Das klingt vielleicht etwas dramatisch. Ich versuche es mal anders zu formulieren:

Stell Dir vor, deine Veganer Chefs würden Dich in einer öffentlich Plenumsdiskussion Stellung dazu beziehen lassen, warum du Dein Sperma von deiner heutigen morgendlichen Masturbation einfach in die Bio Leinen Tücher deiner Matratze hast fallen lassen, wo es zur Kontamination Deines, ansonsten rein nachhaltig recyclten, Firmenwohnheimzimmers beiträgt. Hier trifft Peinlichkleit auf Weltverbesserer Idiotie mit unterschwelliger Bedrohung deines intimsten Lebensraumes.

Dieses Buch ist auf alle Fälle sehr sehr sehr lesenswert, denn ich sehe nicht nur in der Entwicklung der privaten Ausforschung ein Riesenproblem #snowden #googlekontozwang #klarnamenzwang #tracking cookies, sondern auch in unserer Haltung gegenüber unserer Arbeit, in der wir mehr und mehr Dinge hinnehmen, die uns einfach nicht gut tun. Mich erinnert dieses Buch an die ganzen kauzigen Typen in Science Fiction Filmen, die immer zwanghaft gegensteuerten und die schöne neue Welt verteufelten. Man fand sie immer ganz witzig, aber letztlich belächelte man sie, waren sie doch Anachronismen einer längst vergangenen Zeit. Blöderweise ist mir das Grinsen nach diesem Buch vergangen.

Das Buch mahnt auch an, nicht soviel Zeit auf Facebook zu verplempern. Klar, es macht ja auch Spass, aber ebenso wie die angewachsene Flut an MP3s, die Essenz des Musik Genusses reduziert, verhindert das virtuelle Treffen der Freunde, die Zusammenkunft im echten Leben. Das ist aber nur die nebensächliche Problematik des Buches und uns eh allen vertraut. Gerade läuft auch eine Werbung im Fernsehen, die ganz gut dazu passt: Ein junges Mädchen hakt die Wunschliste seines Großvaters ab. Er erlebt virtuell mit, wie seine Enkelin für ihn einen Looping fliegt, vom 10Meter Turm hüpft und eine alte Flamme trifft. Das ist eine ganz nette Idee, doch unterm Strich hat der alte Mann letztlich nichts davon wirklich erlebt.