Berliner Clubfilmnächte vom 21.-27. November

Filme aus 5 Jahrzehnten Berliner Club-und Subkultur-Geschichte, an 7 Abenden in 7 Clubs. Mit dabei sind: Ritter Butzke, ://about blank, KitKat, Renate, Keller, Gretchen und der Flux Bau.

Montag, 21. November 20:00 – 23:00 „Berliner Clubkultur 1978-2015“ im Club GRETCHEN (Obentrautstr. 19-21, 10963 Berlin)
Dienstag, 22. November 20:00 – 23:00 „House of Shame“ im KitKatClub (Köpenicker Strasse 76, 10179 Berlin)
Mittwoch, 23. November 20:00 – 23:00 „Straßensamurai“ im ://about blank (Markgrafendamm 24c, 10245 Berlin)
Donnerstag 24. November 20:00 – 23:00 „Berlinized“ im Ritter Butzke (Ritterstrasse 26, 10969 Berlin)
Freitag 25. November 20:00 – 23:00 „Peaches Does Herself“ im Salon – Zur wilden Renate (Alt-Stralau 70, 10245 Berlin)
Samstag, 26. November 20:00 – 23:00 im Kultstätte KELLER (Karl-Marx-Straße 52, 12043 Berlin)
Sonntag, 27. November 20:00 – 23:00 „Oh Yeah.Berlin.“ im FluxBau (Pfuelstraße 5, 10997 Berlin)


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21.11. Gretchen
Ein Streifzug durch fünf Jahrzehnte Berliner Clubkultur 1978-2015

Als kulturhistorisch wertvollen Streifzug durch fast 40 Jahre Berliner Clubkultur bietet dieses nicht ganz ernst zu nehmende Filmprogramm: Kampftrinker und Pillenschmeißer, Trend-Punker und Techno-Leichen, Alkohol und andere Drogen, große Untergänge und schöne Sonnenaufgänge, geniale Gestalten und verpeilte Dilettanten, unvergessene Wochenenden und Partys zum Vergessen, und dazu Besuche an Orten und Zeiten vergangener Berliner Club-und Subkulturen, die Erinnerungen an eine sentimentale Jugend heraufbeschwören. Risiko und S.O.36, Blechkiste und Bunker, Tacheles und Eimer, Walfisch und WMF.

Filme u.a.: Der Trend – Punkrocker erzählen aus ihrem Leben, So war das S.O.36, Last Morning Of Risiko, Kampftrinken, Long Weekend XTC, The Mutoid Waste Files (Trailer), Berlinized (Trailer), After Hours


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22.11. KitKatClub
House of Shame – Chantal All Night Long

Regie: Johanna Jackie Baier, Deutschland 2010, 93 Min.

Chantal ist Veranstalterin und Gastgeberin, Frontfrau und Rampensau der von ihr ins Leben gerufenen, wöchentlichen Partyreihe „House of Shame“, die inzwischen weltweiten Kultstatus genießt. Der Film erzählt ihre Geschichte, die 1980 mit ihrer Flucht aus der engstirnigen Provinz ins großstädtische West-Berlin begann. In Interviews und Porträts, mit Geschichten vor, auf und hinter der Bühne, einer Menge Backstage-Gossip und vielen Musik-und Showeinlagen breitet der Film Chantals Lebensgeschichte in Berlin aus, das immer auf Tuchfühlung war mit den Subkulturen ihrer Zeit. Dazu zählten die wilden, frühen 1980er-Jahren in der Kreuzberger Oranienstraße, rund um das gerade frisch gegründete „SO36“ und die Ateliers der „Neuen Wilden“, aber auch alle Orte und Zentren der schwulen Emanzipation in West-Berlin. Aber HOUSE OF SHAME – CHANTAL ALL NIGHT LONG ist nicht nur ein Partyfilm der bunten Paraden und schrillen Outfits, sondern beschäftigt sich auch mit den ernsthaften Aspekten transsexuellen Lebens und Sterbens.


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23.11. About Blank
Straßensamurai

Regie: Samer Halabi Cabezon, Deutschland 2015, 71 Min

In einer besseren Welt wäre auch in Berliner Clubs immer „Nacht der offenen Tür“, alles würde sich relaxt von selbst beim Einlass in die Läden regeln, die Arbeit der Türsteher-Crews an den Eingangstüren wäre überflüssig. Das wäre die Utopie des Nachtlebens, die Realität sieht jedoch anders aus. Der feierfreudige Mensch zählt oft zur Spezies der Verpeilten, von denen manche mit den Enthemmungen, Entgrenzungen und Exzessen des Nachtlebens nicht klar kommen. So führt an den Türstehern und Türsteherinnen dieser Welt leider kein Weg vorbei. STRASSENSAMURAI porträtiert fünf Türsteher (vier Männer und eine Frau) bei ihrer Arbeit und in ihrem Alltagsleben. Einer ist ausgebildeter Schauspieler, einer allein erziehender Vater und die Frau in der Runde möchte ihr Abitur nachholen. Sowohl ihre Arbeit (glücklicherweise) als auch ihr Alltag sind in der Regel normal und unspektakulär, der Film verzichtet dankenswerter Weise auf den Schmu einer „harten Türsteher-Romantik“ à la Sven Marquardt. Sie stehen vorm Gretchen und der Wilden Renate, vorm SO36 und dem Clash. Sie pflegen zwar den Samurai-Kodex von Loyalität und Respekt, aber bietet der wirklich Halt in ihrer Arbeitswelt? Und was treibt sie an diese Arbeit zu machen? Was verbindet, was unterscheidet sie? Und wie treffen sie Nacht für Nacht ihre Entscheidungen in der größten Frage: Wer darf rein und wer nicht?

Vorprogramm: After Hours (2 Episoden) – Normverschiebung/Party & Arbeit (Regie: Kerstella, D 2009, 17 Min.)


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24.1. Ritter Butzke
Berlinized

Regie: Lucian Busse, Deutschland 2012, 79 Min. – with English Subtitles

Die Berliner Clubkultur der 1990er ­Jahre nach dem Mauerfall lässt sich nicht mehr auf einen Nenner bringen: Zu unübersichtlich wurde die Zahl der Freiräume und Akteure, zu anarchisch, teils unkontrollierbar, waren die politischen und sozialen Rahmenbedingungen. Gerade in der Mitte Berlins eröffneten sich gefühlt unbegrenzte Möglichkeiten. Überall sproßen kleine Clubs und Bars, seltsame Galerien und Kunstlabore aus dem Boden. Es entstanden Projekte in leer stehenden Häusern und Wohnungen, in verlassenen Hinterhöfen, Fabriketagen und unbenutzten Kellern. Läden, die zwar auch von elektronischer Musik geprägt waren, aber mit der zunehmenden Kommerzialisierung der Techno­Kultur nichts zu tun haben wollten. Es entwickelte sich eine Underground­-Kultur ohne Manifeste und Regeln, die offen war gegenüber allen möglichen Künsten wie Performance, Video, Theater und Malerei, aber auch für jede Art von schräger Mode und Musik. Eine bunt gemischte Szene verschiedener junger Menschen zelebrierte an diesen Orten eine unbekümmerte künstlerische und kreative Freiheit. Ob ein Projekt, mit dem man sich gerade beschäftigte, eine Zukunft hatte oder nicht – egal. Man lebte von einem Event zum nächsten Experiment und betrieb die Ent­-Etablierung von Kunst und Markt ganz spielerisch. In BERLINIZED beschreibt der Filmemacher Lucian Busse, selbst ein aktiver Protagonist jener Zeit, dieses spezielle Lebensgefühl in einer reflexiven Zeitreise in das Berlin­-Mitte der 1990er mit seinen Clubs, Bars, Kunst­ und Musikorten wie z.B. dem Eimer und der Galerie berlintokyo.

Vorprogramm: Berlin Club Videos u.a. mit visomat.inc, Safy Sniper, monitor automatique, Rechenzentrum


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25.11. Wilde Renate
Peaches Does Herself

Regie: Merrill Beth Nisker, Deutschland 2013, 80 Min. – with English Subtitles

Als sich die kanadische Musikerin und Performerin Merrill Beth Nisker Ende der 90er-Jahre entschied nach Berlin zu ziehen, entpuppte sich das als ein Glücksfall für Berlins Musik-und Clubszene. Unter dem Künstlernamen PEACHES veröffentlichte sie 2000 ihr bahnbrechendes Debütalbum auf dem Berliner Label Kitty-Yo. Es war eine Soundrevolution, die Geburt einer neuen elektronischen Clubmusik, die sowohl gegen den zunehmend inhaltsleeren Techno als auch gegen die von weißen, heterosexuellen Männern dominierte bräsige Rock-Mucke rebellierte. Fortan wurde Peaches zur Pionierin der Electroclash-Szene, die bis heute immer noch mit Berlin in Verbindung gebracht wird. Ihre Texte vermittelten aber auch ein neues Verständnis von Feminismus, und sie eröffnete damit einen künstlerischen Gender-Diskurs. Mit ihren Themen wie Sexualität, Körperideale und der Abkehr von traditionellen Geschlechterrollen wurde sie auch zur Türöffnerin für ein neues Verständnis von Club und Live-Gig. Peaches lotete auch früh die künstlerischen Möglichkeiten innerhalb des etablierten Kulturbetriebs aus. 2010 brachte sie ihr Musical PEACHES DOES HERSELF auf die Bühne des Berliner Theaters HAU. Der Film ist aus dem Material von 10 Live-Aufführungen entstanden. Unterstützt von 40 Tänzern und Sängern, darunter der transsexuelle Pornostar Danni Daniels und Stripper-Ikone Sandy Kane, schildert Peaches die semi-autobiographische Emanzipation ihrer Hauptfigur und entführt in ihre ganz eigene grelle und extravagante Welt.

Vorprogramm: Berlin Electro Videos


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26.11. Kultstätte Keller
B-Movie: Lust & Sound in West-Berlin 1979-1989

Regie: Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck, Heiko Lange – mit Mark Reeder, Deutschland 2015, 92 Min. – English/German

Der Film ist ein schrilles Märchen über eine verwunschene Trümmerstadt namens West-Berlin, das einst inmitten eines roten Ostens namens DDR lag. In dieser Stadt mit ihren seltsamen Bewohnern wurden aber jede Nacht alle Wünsche wahr, nach Drogen, Musik, Sex und Exzess. — Klingt übertrieben, ist es auch, aber mit viel Hingabe, Lust und manchem Augenzwinkern fabuliert Mark Reeder in B-MOVIE: LUST &SOUND IN WEST-BERLIN über das ach so wilde Leben im West-Berlin der 1980er-Jahre. Ob das alles so stimmt oder nicht – egal. Das Credo des Films ist einfach: Wer sich daran erinnert, ist nicht dabei gewesen! In einer atemlosen Collage aus privatem, aber überwiegend fremdem Bildmaterial aus dem Jahrzehnt – Kurzfilme, Dokus, TV-Aufnahmen – bringt Reeder die subkulturellen Verhältnisse in der damaligen Mauerstadt noch einmal zum Tanzen, souverän angeleitet von den eigentlichen Regisseuren des Films, Jörg A. Hoppe, Klaus Maeck und Heiko Lange. Das Trio hat stets das richtige Gespür dafür die launigen Kommentare von Reeder passend zu visualisieren. B-MOVIE ist ein Vergnügen für alle, die in den Jahren woanders oder noch nicht geboren waren, wie aber auch für all jene, die diese Zeit miterlebt haben und viel Bekanntes und manch Bekannten auf der Leinwand wieder entdecken.

Vorprogramm: Kurzfilmprogramm “The Making of West-Berlin” u.a. mit „Der Trend – Punkrocker erzählen aus ihrem Leben“, „Kampftrinken“


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27. 11. FluxBau 
Oh Yeah.Berlin. Macher aus der Berliner Subkultur

Regie: Art Bumiller, Deutschland 2015, 80 Min. – with English Subtitles

Das berühmte Berliner Club-und Partyleben fasziniert immer noch massenhaft ein internationales Publikum. Obwohl weite Teile der Szene inzwischen etabliert sind und elektronische Musik Mainstream ist, besitzt die Berliner Club-und Subkultur immer noch einen besonderen Reiz. Das liegt in erster Linie an den Künstler aus der Berliner Club-Szene, die aus eigenem Antrieb, mit zwar bescheidenen, finanziellen Mitteln, aber viel Lust am Ausprobieren ihre eigenen Welten schaffen. OH YEAH.BERLIN ist ein Porträt über ganz unterschiedliche Künstler, die in den Clubs aktiv sind und ein subkulturelles Selbstverständnis haben. Das Spektrum reicht dabei von der lebendigen Discokugel über Tape-Artists bis hin zum geheimen Labyrinth im Club-Keller.

Vorprogramm: Sonntags in Berlin – Kommentar zum Feiertag (Regie: Kerstella, D 2006, 30 Min.)