Berliner Subkultur

Subkultur: in komplexen Gesellschaften eine Lebensweise von in sich abgeschlossenen ethnischen, beruflichen oder altersmäßig gegliederten Gruppen, deren Normen zu den herrschenden Konvention der Gesamtgesellschaft kontrastieren. Die Subkultur wird in Berlin gern als treibende Kraft für die Attraktivität dieser Stadt genannt. Sie ist schwer dingfest zu machen, scheinbar überall präsent und mutet fast an wie die Geschichten über Elfen und Trolle auf Island.

Subkultur ist vornehmlich eine Sache derer, die nicht die nötigen Mittel dafür haben, eine klassische Vergnügungsstätte mitten in der Stadt finanziell zu stemmen. Subkultur heißt, rein auf den Raum begriffen, dass ihm entweder signifikante architektonische Merkmale abhanden gehen, die für eine ordnungsgemäßen Betrieb notwendig sind wie Brandschutzablagen und richtige Toiletten oder ganz auf einen festen Raum verzichtet wird und öffentliche Parkanlagen für Open Airs genutzt werden. Ebenso werden, wie auch in den 90ern, leer stehende Gebäude kurzerhand zu Partyräumen umfunktioniert, wobei hier traurigerweise bekannte Locations schnell zu verlassenen Fabriklofts hochgepriesen werden. Subkultur ist gleich Underground und ein nicht zu unterschätzender Attraktivitätsfaktor beim Verkauf von Eintrittstickets weil die Berliner Szene sich gut monetarisieren lässt, was vor dem Hintergrund, das die meisten Locations mittelständische Unternehmen, sind manchmal etwas albern wirkt.

Subkultur ist natürlich auch oder gerade in musikalischer Hinsicht eine klare Definition, derer die sich abtrennen wollen vom Mainstream. Dummerweise hat der Mainstream in den letzten Jahren mehr und mehr Sounds, Ideen, Habitus, Gestaltung und Mode der Subkultur aufgegriffen und sie sich so weit einverleibt, dass diese Verschmelzung sicherlich auch dazu beigetragen hat, dass Jugendkulturen heute ad acta gelegt werden können, die noch in den 90ern stark präsent waren.

Eine musikalische Vielfalt, die sich in diverse Sub Genres aufteilen lässt ist nicht mehr existent und hat dementsprechend auch keine signifikante Jugendkultur hinter sich, mal von Hiphop abgesehen. Spotify Algorithmen, Streaming, MP3… all diese Faktoren, plus einer, immer raffinierter werdenden und günstigeren, Möglichkeit Musik zu machen, haben dazu geführt, dass letztlich ALLES, wie es schon immer von Musikkritikerzynikern genannt wurde, doch nur POP ist.

Interessant bei der Berliner Subkultur ist die sofortige Ablehnung von Musik oder Individuen die damit kommerziellen Erfolg feiern können. Mir ist immer noch nicht klar, ob das schlicht und einfach Neid ist, oder die Angst, dadurch etwas von seiner Subkultur an ganz normale Menschen abgeben zu müssen, die somit etwas gut finden können, das man abgeschottet für sich in seiner kleinen elitären subkulturellen Welt behalten wollte. Dass ein solches Denken überhaupt noch existieren kann ist mehr als verwunderlich und zeigt, dass die jüngere Generation sich nicht mit der Historie, gerade im Bezug auf Techno, auseinandergesetzt hat, denn diese Entwicklung gab es schon öfter und, rein auf die Club Generationen seit 91 gezählt, mindestens dreimal.