Berlin: Dazu verdammt, immerfort zu werden und niemals zu sein

Will man den Zustand dieser Stadt betrachten, hilft es 10 Jahre zurück zu gehen. Denn ohne solche Zeitsprünge lässt sich schwerlich ein Vergleich ziehen und wie sich die Sicht auf die Dinge innerhalb eines Jahrzehnts ändern kann, ist wirklich erschreckend.

Interessant dabei:

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Die Szene, um die es hier vorrangig geht, hat nie nach hinten geblickt. Die 2000er sahen sich als Neustart, und streiften die kompletten 90er ab, wie der Erstklässler die Kita. Fast 20 Jahre später wiederum ist der Mitte Hype ein #noninterest und wir älteren Menschen kritisieren die instagramverliebte Jugend für ihre Nichtbeachtung der Historie. Dabei ist Techno und Konsorten nur in kurzen Momenten wiederverwerteter Sounds (Rave Piano, Chicago Bass) eine, sich selbst zitierende, Popkultur. Die Party kann nicht “weiter gehen”, wenn sie in ihrer Erzählung verharrt. Das gilt auch für Clubs. Bewahren ist konservativ und das passt nicht zur Avantgarde.

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Nach diesem Gedankensprung gehen wir nun 10 Jahre zurück ins Jahr 2009. Tobias Rapps Buch “Lost and Sound – Berlin, Techno und der Easyjet” erschien. Daraus möchte ich eine Stelle zitieren:

“Die Lebenshaltungskosten sind niedrig, und eine ökonomische Entwicklung, die zehntausende Arbeitssuchende nach Berlin locken würde, ist nicht in Sicht. Die Mieten bleiben also niedrig. So viele Wohnungen können die ebenfalls schon sprichwörtlich gewordenen “reichen Schweden” gar nicht aufkaufen, das sich daran substanziell etwas ändern wird.”

Wie krass man sich doch irren kann…

Ende 2018 gab es innerhalb eines Monats den inhaltlich gleichen Satz zweimal zu lesen: In 10 Jahren ist Berlin tot.

Einmal tauchte er im Artikel “Berlin und seine Clubs. Eine Bestandsaufnahme für 2018” als Schlusssatz auf: “Also… gibt es sie denn noch diese verdammt Independent-Kultur? Klar. Schrippe Hawai, Internet Explorer, Heideglühen, Jackie O und Gr_und zum Beispiel. Ganz vorbei ist das Game also noch nicht, und es warten unendliche Weiten in den Außenbezirken. Den Innenstadtbereich dürften wir aber wohl in maximal 10 Jahren verloren haben.”

Hier war der „Mörder“ die fortschreitende Gentrifizierung und damit einhergehende Verdrängung. Der zweite Text erschien im Tagesspiegel und brachte den Satz direkt als Überschrift: „In zehn Jahren sind unsere Städte komplett zerstört“

“ In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Entwicklung jedoch rasant beschleunigt und bricht wie ein Tsunami über unsere Städte herein. Gerade Europa als größtes Tourismusziel der Welt ist stark gefährdet. Wir sind nur noch zehn Jahre davon entfernt, unsere attraktivsten Städte in Disneyland-Parks zur verwandeln.”

Hier war der Täter der überbordende Tourismus. Beide sind noch da und wachsen von Jahr zu Jahr. Die Aussichten sind also eher nicht so rosig, was ideal als Einleitung für all die Negativ Meldungen in 2018 passt.

Von den Schließungen letztes Jahr, dürfte die des Rosis Berlin am Schmerzlichsten sein, denn das JK hatte zumindest Aufbauhilfe durchs erfolgreiche Crowdfunding und relativ schnell einen neuen Platz und Strom dank “von Greifswald”. In dieser Reihe müssen leider auch noch Bassy Club, Stereo33, Kultstätte Keller, Hafen Berlin, Bar Babette genannt werden, die damit ebenfalls als Musikspielstätten von Berlins Karte verschwunden sind.

Nachfolgend: Die Bar Babette hat ABER Am Sudhaus 3 (12053 Berlin) eine neue Location gefunden, nachdem Immobilieninvestor Berggruen den Mietvertrag der Kult-Bar nicht verlängerte, und wird einzig nicht mehr die reizvolle Architektur bieten können. Und der Hafen Berlin hat letztlich sogar seinen aktuellen Pachtvertrag um ein Jahr verlängert bekommen. (Quelle: rbb24) Das Boot hat zwar ein großes Loch, aber schwimmt noch.

Trotzdem…das Bassy ist definitiv weg und war besonders kostbar, weil es nicht nur einer der vielen Berliner Elektro Schuppen war. Dort lief Dirty Blues, Western Swing, Country, Rock’n’Roll, 60’s Beat, Sixties Garage Punk, Blues, Trash, Surf, Exotica… Musik, die man sonst nur schwer fand.

Wie meinte Tammi Torpedo, der Chef des Bassy: “Ganz Berlin wurde elektronisch und wir stemmten uns dagegen. Der Kulturauftrag blieb der gleiche, Musik vor 1969.”

Die Chance, dass solche Läden neu entstehen ist ehrlicherweise weitaus geringer als die Eröffnung eines neuen Techno Schuppens, denn viele Szenen sind dem Untergang geweiht. Jahrzehntelang prägten Subkulturen weltweit die Jugend. Mit dem Ende des 20. Jahrhunderts scheint diese Ära zu enden, es fehlt schlicht und einfach der Nachwuchs für Clubs mit dieser Musikrichtung.

Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier meint dazu in einem Interview:

“Sie sind nicht verschwunden, sie leben in Nischen, die uns Normalos nicht mehr zugänglich sind, weil wir in der Nische der allgemeinen Durchschnittlichkeit leben, die alles nicht Normale ausfiltert. Das ist der Medienfilter des Boulevards. Er macht alles Abweichende unsichtbar… Musik ist weiter zentral in den Jugendkulturen, aber es ist heute überwiegend eine kommerzialisierte Breitbandmusik ohne jegliche Individualität. Sie wird produziert wie Massenwaren in automatisierten Fabriken. Sie stellt die Massenkultur nicht mehr in Frage. Die Musik der Jugend hat heute überwiegend systemlegitimierende Funktion, wie der Schlager. Nur mehr in den unsichtbaren Nischen gibt es das Abweichende, Vitale und Innovative.”

2018 war auch das Jahr des großen Festivalsterbens. Nachdem, ähnlich wie bei den illegalen Open Airs in Berlin, die Flut neuer Festivals gefühlt von fünf auf fünfzig allein in Brandenburg stieg, begann irgendwann auch Darwins natürliche Auslese zuzuschlagen. Die Gründe waren vielseitig, die Resultate immer gleich.

Wilde Möhre Festival, Nation of Gondwana, Twin Lakes, Plötzlich am Meer und das in MeckPom stattfindende Monis Rache raffte es dahin. Veranstalter Florian Mez gab bekannt, dass der Besitzer 20 Prozent der Einnahmen forderte. Und bei der NOG forderte die Landesforstbehörde für ihren Aufwand statt 2000 Euro nun 41.000 Euro. Aber… wie auch bei den Locations, ist es nicht das endgültige Aus für alle. Die Möhre wird 2019 stattfinden. Und die NOG wird ebenfalls die nächsten 5 Jahre ebenfalls stattfinden. Schauen wir mal beim Rest.

Es traf 2018 nicht nur Vergnügungsspielstätten, die dem reinen Hedonismus in oraler und akustischer Form dienen, sondern auch linke Kulturprojekte wie Potse und Syndikat44. Orte, die für viele Menschen, die mit einem Double Latte Machiato Caramael im Balzac oder Moscow Mule im Kater Blau nix anfangen können, eine Heimat waren.

Last but not least: Wenn wir den geplanten Bebauungsplan Ostkreuz im worst case Szenario betrachten, dann wäre sicher bald die Rummels Bucht in Gefahr und irgendwann die „Wilde Renate“ sowie das „About Blank“ bedroht. Nicht zu vergessen: Lummerland, Panther Ray“ und Anarche.

2018 war auch das Jahr in dem AfD angriff: Die AfD-Fraktionsvize in Friedrichshain-Kreuzberg forderte, Berlins berühmtesten Club Berghain dicht zu machen. Berlins derzeit berühmtester Club war dann aber doch größer und man kapitulierte. Desweiteren ging die AfD gegen Kulturprojekte vor. Speziell das, seit 1995 stattfindende „Nation of Gondwana“-Festival im Havelland, sei hier genannt.

Was passierte noch?

FDP Marcel Luthe hatte es auf die Clubs abgesehen. Er behauptete, dass Beamte zu wenig in Clubs kontrollieren. Dort, so Luthe, würden kriminelle Clans „ungestört“ Drogen verkaufen. Ich hab 2018 mal selbst bei der Polizei nachgefragt, weil die Welt in einem Artikel irgendwas von Rockern an Berliner Clubtüren schrieb, und bei einer Bar in Mitte das Gerücht in der Luft schwebte, die wären knapp an Schutzgeldzahlungen vorbei geschrammt. Die Berliner Polizei wusste von nix und konnte bei Razzien bisher auch keine Bananenkisten voller Koks aus einem Club tragen.

Die Musikmagazine Spex und Groove wurden eingestellt. Das Ende des Musikjournalismus ist also nah. Nun kann man auch anmerken, dass Print generell tot ist, und das schon seit Jahren. Viele Lifestyle Postillen gingen bereits den Weg des endgültigen Recyclings, denn der Werbemarkt erkannte die Vorzüge des detaillierten Behavioral Targetings, der Funnel-Optimization sowie CPL, CTR, CPM, CPOs und dem ganzen anderen Scheiß, der einfach besser performte und keine „geschönten“ Media Daten bezahlte. Diese Magazine sind auch nicht wirklich tot. Sie sind jetzt einfach nur digital. Waren sie die ganze Zeit eh schon, jetzt sparen sie sogar noch Papier. (Die Clubmap ging diesen Schritt übrigens schon 2011.)

Wie sagte Tim Renner: „Ein Magazin, das den Gegenstand Ton hat, macht in Medien Sinn, die auch den Ton mittransportieren können.“

Online kann man z.B. Soundcloud einbinden und den „Ton mittransportieren“. Offline käme nur die gute alte CD Beilage in Frage. Es hat leider nur niemand mehr einen CD Player.

Eigentlich ist Spotify der neue Musikjournalismus und die redaktionell betreuten Playlists ersetzen die Release Kritiken auf den letzten Seiten der Magazine. Dummerweise halten dich die Algorithmen mit dem Vorsortieren, Auswählen, Vergleichen auch davon ab, neue Musik abseits deiner aktuellen Vorlieben zu entdecken. Aber wer ist schon noch so neugierig?

Die „sogenannte Gatekeeperfunktion von Pop-Journalist_innen“ habe sich „weitgehend erledigt„, schrieb Chefredakteur Daniel Gerhardt zum Ende der Spex. Meine Meinung: Für den Großteil der Kids war Musikjournalismus eh nie relevant, denn die hören so verrückte Sachen wie Billboard Charts.

Die Tegel Nachnutzung für Clubs war auch so ein Gesprächsthema das extrem viral ging bei Facebook und Konsorten. Grob angedacht, soll die Catering-Halle, mit 4000 Quadratmetern das größte in Frage kommende Objekt, der Clubkultur dienen. Lutz Leichsenring, der Pressesprecher der Clubcommission meinte dazu in der Berliner Zeitung: „Wir wollen hier eine Kreativszene sehen, die entwickelt und ausprobiert, und die in der Lage ist, auch ein Nischen-Publikum anzuziehen. In Räumen, die von den Kreativen noch nicht erforscht sind.“

Die Idee ist so schräg und gleichzeitig brilliant, dass sie unbedingt umgesetzt werden sollte. Eine Mall für Clubs. 20 Locations mit unterschiedlichen Musikstilen. Ein Ticket für alle. RambaZamba die ganze Nacht. Unser eigener Ballermann. Es gibt sicher Menschen, die das sofort so sehen, denn es gibt immer Menschen, die nur Unruhe stiften wollen und alles schlecht reden. Aber es gibt hoffentlich Leute, die das mal objektiv durchdenken, und schauen was man da machen kann, das auch ohne Kulturförderung funktioniert. Am Rande des Flugfelds sind übrigens auch 5000 Wohnungen für 10.000 Menschen in Planung, die hätten dann auch gleich die passende Infrastruktur vor der Tür, und einen wirklich einzigartigen Kiez.

Den Preis für den nutzlosesten Bullshit am Platz 2018 bekommt die East Side Mall am Mercedes Benz Platz. 67 Shopping Malls gibt es in Berlin. Die immer gleichen Läden. Der immer gleiche Aufbau. Die immer gleiche Langeweile. Danke für dieses Prachtstück. Die künstlichen Konsumwelten sind zwar genauso praktisch wie Amazon Prime, zerstören letztlich aber den Charakter Berlins, wie… naja chinesische Anbieter den internationalen Online Handel. Das in Moabit auch noch das vollkommen deplatzierte Schultheiss Quartier eröffnet wurde, ging witzigerweise total unter, denn außer den Moabitern ist der Bezirk so ziemlich allen scheißegal.

Yaam Gründer Ortwin ist gestorben. Bei Facebook sind ja alle immer ziemlich schnell am Start, wenn einer stirbt, um ihre R.I.P.s und PRAYs auf die Pinnwand zu droppen, und der Welt mitzuteilen, was diese Person für einen selbst bedeutete… als ob das für jemand anderes interessant wäre. Ortwin Rau prägte über mehr als zwei Jahrzehnte das Reggae-Treiben in der Hauptstadt – und auch den Karneval der Kulturen. Das R.I.P. Level war low, aber dafür die Anteilnahme aus dem Kreis derer, die sich ernsthaft mit Clubkultur beschäftigen, umso größer.

Start Ups und Berlin… ja das ist ne schwierige Geschichte. Einerseits sind sie Wirtschaftsmotor dieser Stadt, andererseits eben aber auch neoliberale BWL Hoschis, die Subkultur platt machen.

2018 gab es zwei solcher Geschichten.

1.

2018 flogen alle Künstler aus der ehemaligen DDR Post in der Palisadenstraße 89 raus. Schuld war die hippe Factory Berlin. Der Tagesspiegel titelte: „Rausgeworfen, angelogen und verarscht“ wobei man sagen muss, dass die Factory offiziell lediglich Mietinteressent gewesen war und letztlich vom Projekt einfach absprang. Es sei denn, wie Alex Samules vom nun heimatlosen Künsterkollektiv vermutet, dass Factory Berlin und die P89 Immobiliengruppe, die das Gebäude erwarb, zusammenarbeiten.

Florian Schmidt (Grüne), Baustadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg sagte dazu „Die Factory Berlin hat dabei eine unrühmliche Rolle gespielt und kann sich da auch nicht mehr rausreden.“ Mehr Hintergründe und Zusammenhänge hier im TS Artikel.

Blöderweise hüpfte die Factory dann in die Jordanstrasse, was die Techno Türken und diverse andere Mieter ihre Räume kostete.

2.

Der Konflikt des Privatclubs mit den Samwers von Rocket Internet. Die Company hatte das frühere Postgebäude an der Skalitzer Straße 85 gekauft und die Miete von 11 Euro pro Quadratmeter auf 22 Euro verdoppelt, so Club-Betreiber Norbert Jackschenties. Außerdem wurde sich über fehlenden Lärmschutz beklagt und deswegen sollten nur noch maximal zwei Veranstaltungen pro Woche erlaubt sein.

Der (bittere) Lacher dabei: Nur wenn man selbst für die Samwers gearbeitet hat, kann man verstehen, wie ein Club mit seinen späten Öffnungszeiten ein Problem für Büroarbeiter sein kann. Ich hab noch eine Excel Liste mit meinen Stunden rumfliegen und kam teilweise auf über 240 Stunden im Monat. Um das zu erreichen, muss man auch mal länger im Büro bleiben.

Florian Schmid sagte auch dazu was: „Es ist erschreckend, wie die Samwer-Brüder oder andere Tech-Unternehmen die Stadt kaufen und angestammte Nutzer gekündigt werden.“ Unterstützung bekommt der Privatclub vom Musicboard und der Clubcommission, die sich für Musik- und Kulturschaffende in Berlin einsetzen

3.

Google und sein Campus. Nach heftiger Kritik im Bezirk stoppte der Internetkonzern seine Pläne. Unter dem Titel „Google-Campus“ war im ehemaligen Umspannwerk an der Ohlauer Straße ein Coworking-Space zur Förderung von Start-up-Unternehmen vorgesehen gewesen. Damit wären wir wieder beim Eingangssatz vom Wirtschaftsmotor. Im Bezirk fürchteten aber einige, der Campus werde die Gegend verändern und zu steigenden Mieten führen. Wohlgemerkt in einer Gegend, in der schon jeder zweite Hinterhof vom Parterre bis zum Dachgeschoss von Start Ups besetzt ist. Nun ja…

Google selbst machte den geilsten Move ever und gab das Haus einfach der Onlinespendeplattform Betterplace und dem Verein Karuna, der sich um Kinder und Jugendliche in Not kümmert. Alle Kosten übernimmt Google, für die nächsten fünf Jahre. Ein deutlicheres „Leck mich“ geht nicht.

Aller guten Dinge sind drei… Deswegen noch mal Florian Schmid. Und richtig, es geht um den ungelösten Konflikt des Bezirks Friedrichshain mit dem Holzmarkt. Hier stecken wir in einer schwierigen Situation. Beide Seiten legten in vielen vielen… also wirklich vielen Zeitungsartikeln schlüssig dar, wieso weshalb warum sie alles so gemacht hatten, und gaben einzig der anderen Partei die Schuld.

Die Zeitungsartikel lassen eigentlich nur den Schluss zu, dass sich beide Parteien einfach nicht leiden können, denn Zeit gab es genug, sich mal hinzusetzen und das Kind zu schaukeln. Ärgerlich für Berlin ist es allemal, denn hier wird grad ein städtisches Vorzeigeprojekt, dass andere Wege aufzeigen könnte, unnötig versenkt.

Aber bevor wir jetzt alle ins Taschentuch weinen… es gab auch Gutes. Hier kommen die positiven Meldungen 2018:

Die Clubcommission erhielt 1 Million für Lärmschutz vom Senat um die Lärm-Konflikte zwischen Anwohnern und Clubbesitzern zu entschärfen. Ziel des Programms „Lärmschutz Clubs“ ist es, die Berliner Clubkultur zu erhalten und dem Wandel der Stadt anzupassen. Ein lautes YAAAAY!!! ist hier durchaus angebracht.

Der Teufelsberg steht endlich unter Denkmalschutz. Wem das zu unspektakulär und auch  überflüssig erscheint, weil…. was soll denn schon passieren; der hat vergessen wo überall Investoren in Berlin mal eben Luxuswohnungen hinsetzen wollen.

Start des Drugchecking Programms. Ob Ecstasy, Amphetamine, Koks oder Cannabis… sie alle sind fester Bestandteil des Berliner Partylebens. Die Stadt brachte 2018 deshalb ein Modellprojekt zum „Drug-Checking“ an den Start. Kritiker warnten sofort vor einem „Förderprogramm für Dealer“, was aber auch nur die Kritiker selbst verstanden, denn solche Tests können Leben retten. Schon 1995 machte „Eve and Rave“ in der Berliner Techno-Szene auf gefährliche Ecstasy-Pillen aufmerksam und die Drogen werden nicht verschwinden, deshalb ist es definitiv besser so.

Das Modelspace – Projekt zur Legalisierung von Free Open Airs ist ebenfalls eine super Sache und für mich persönlich auf Platz 1. Der mögliche Schlachtplan könnte „Freiluftparty-Gesetz“ heißen und alles viel einfacher ermachen, denn bisher ist es unmöglich ein Open Air in Berlin anzumelden. Bislang müssen ungelogen 14 Unterlagen mit zehn verschiedenen Ämtern koordiniert werden – bei mindestens acht Wochen Bearbeitungszeit. Da ist der Sommer schon wieder vorbei.

Es gab ab 2015 eine Demo die zu mehr Toleranz und Nächstenliebe aufrief und mehr bürgerliches Engagement forderte. Die Ziele waren von Beginn an ausgesprochen vielfältig:

– FÜR eine menschliche Lösung der europaweiten Flüchtlingsproblematik
– FÜR eine kulturorientierte Senatspolitik
– FÜR den Erhalt von Grünflächen
– FÜR Leben statt Hauptstadtwahn ohne Armut und Gentrifizierung
– FÜR mehr Jugendförderung und Schutz
– FÜR eine nachhaltige Stadtentwicklung
– FÜR ein tolerantes Zusammenleben ohne Pegida und AfD

2018 feierte der Zug der Liebe sein bisher erfolgreichstes Jahr und war auch nicht mehr allein auf weiter Flur, denn Zehntausende strömten auch zu den „AdF Weglassen“ und „Gebt den Spreepark frei“ – Demonstrationen.

Und es gab noch mehr Schönes. Die Sicherung der Kulturorte Haus der Statistik und Alte Münze zum Beispiel. Lass dir das mal auf der Zunge zergehen. Seit 10 Jahren stand das Haus mit dem markanten „STOP WARS“ Schriftzug mitten in Berlin leer. Und jetzt werden hier Räume für Kunst, Kultur, Soziales und Bildung, bezahlbares Wohnen sowie ein neues Rathaus für Mitte und Verwaltungsnutzungen entstehen. Am Alexanderplatz. Wie cool ist das denn bitteschön?

Der Berliner Senat hat im Sommer 2018 auf Grundlage eines Beschlusses des Abgeordnetenhauses angekündigt, die Alte Münze als Kultur- und Kreativstandort zu sichern. 2019 sollen die Grundlagen für ein Nutzungskonzept erarbeitet werden.

Damit sind zwei große Projekte in Berlins Mitte mal eben safe. Schauen wir mal was 2019 bringt.