KRAKE FESTIVAL LEIPZIG – 28.3 /w Helena Hauff, FM Einheit, Alienata and many more

sat, 28nd march | doors open 23:00
Krake Festival Leipzig

Institut für Zukunft
An den Tierklinken 38–40
04103 Leipzig

midnight concert:
FM Einheit & Caspar Brötzmann – live
Helena Hauff
Alienata
Dot Product – live
Arad – live
DJ Tabledance
S Ruston b2b Voicedrone
MFX – live
Ick Mach Welle – live
+ local support

Das Krake Festival ist ein Festival für mutige elektronische Musik mit einem besonderen Fokus auf Künstlern, die neue Wege gehen und die Grenzbereiche der Clubkultur ausleuchten. Anlässlich unseres 10. Geburtstags feiern wir dieses Jahr nicht nur in Berlin, sondern auch im FOLD in London, wo wir im Oktober zu Gast sein werden, und
im Institut für Zukunft in Leipzig, wo wir mit fettem Programm angereist kommen, um alle Genre-Grenzen hinter uns zu lassen und eine dicke Party zu feiern.

Auf dem Mainfloor Trakt 1 ist das erste Highlight ein Mitternachtskonzert von FM Einheit und Caspar Brötzmann. FM Einheit hat als Teil von Einstürzende Neubauten Musikgeschichte geschrieben und seine musikalischen Ansätze haben unser Musikverständnis nachhaltig revolutioniert. Musik definiert er als Klang, als Instrumente verwendet er Stahlfedern und andere Objekte des großstädtisch-industriellen Alltags. Sein Ansatz erinnert an die italienischen Futuristen, die Musik am Anfang des 20. Jahrhunderts neu erfanden. Herkömmliche Instrumente werden abgelehnt, die neue Musik repräsentiert die städtische Umwelt, in der sich der Mensch bewegt. Seine gemeinsamen Auftritte mit dem Jazz-Gitarristen Caspar Brötzmann sind improvisiert und experimentell, bewegend und innovativ.

 

Es folgen zwei a/v-Shows: Dot Product sind ein Duo, dessen Musik sich vor allem aus Field Recordings speist. Mit ihren Recordern dokumentieren sie ihre Umgebung und erzeugen klangliche Referenzen zu ihrem künstlerischen Wirkungsraum. Bei ihren Auftritten werden diese klanglichen Referenzen verfremdet und daraus neue Räume und Welten geschaffen, die immer mit dem weltlichen akustischen Raum interagieren und ihn darüberhinaus re-interpretieren. Die beiden ausgebildeten Audioengineers sind Klang-Ästheten, die kaum hörbare Frequenzen, Nebengeräusche und eigentlich Unhörbares – wie z.B. die elektromagnetische Strahlung elektronischer Geräte von Mobiltelefonen – hörbar machen und als musikalische Elemente in ihr Werk miteinbeziehen. Für den Auftritt in Leipzig kollaborieren sie mit dem Videokünstler Geso und präsentieren ihr neues Konzept AV/TV, bei dem sie sich kritisch mit der Glaubhaftigkeit neuer Technologien auseinandersetzen. Das Motto „Was im Fernsehen gezeigt wird, wird schon wahr sein“ ist Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Auseinandersetzung, mit der sie Medien als Machtelemente hinterfragen. Was können wir glauben? Was ist real? Bezugnehmend auf politisch-aktuelle Themen und die Entwicklung neuer medialer Kommunikationsformen werfen sie Fragen darüber auf, wie die Gesellschaft heutzutage mit Information
umgeht. Was ehemals analog und greifbar und damit als „wahr“ galt, ist im digitalen Zeitalter nicht mehr greifbar und der Wahrheitsgehalt nicht einzuschätzen. Musikalisch wird dieses Konzept durch ein Wechseln zwischen analoger und digitaler Klangerzeugung umgesetzt und mit den interaktiv-visuellen Elementen des Künstlers Geso ergänzt.

 

Im Anschluss präsentiert Dara Smith sein Projekt Arad, mit dem er bei jedem Release unterschiedliche´künstlerische Identitäten erforscht. Sein letzter Release auf Bedouin records „was created by the Arad persona that was obsessed with the politics of space and filtered through the visual lens of neon Japanese male escort posters and florescent viriology mapping.“ (Dara Smith) Ergebnis ist eine audiovisuelle Performance, in der er
abstrakte Beats mit einem Live-Gesang verbindet, den er – völlig untypisch und sogar verpönt im Kontext des „Techno Underground“ – mit Autotune bearbeitet und damit Referenzen zur knalligen Pop-Musik herstellt, wodurch er beide Kulturformen in Frage stellt. Visuell wird das Konzept in schrillen Farben umgesetzt, Ruhe und Einfachheit korrelieren mit den Gesangsteilen, Chaos und Komplexität mit den instrumentalen Elementen. Seine Live-Show ist ein bewegender klanglicher und visueller Kommentar zu zeitgenössischen Seh- und Hörgewohnheiten, der sich im Spannungsfeld von Kritik und Lobpreisung bewegt.

 

Helena Hauff steht wie wenige andere ihrer Zunft für ein künstlerisches Verständnis der DJ-Kultur. Ohne eigene Präsenz in den sozialen Medien (keine Facebook-Seite, kein Instagram-Account, keine Website, keine Bio) widersetzt sie sich den üblichen Vermarktungsmechanismen der Musikindustrie und konzentriert sich auf die eigentliche Arbeit eines DJs, nämlich der Erforschung musikalischer Nischen und Präsentation bisher ungehörter Musik. Auch als Produzentin verfolgt sie ähnliche Ansätze: ihr 2018 erschienenes zweites Album „Qualm“ wurde in der Spex als „mutig, ungeschönt, düster, grobkörnig“ bezeichnet. Hauff schafft es wie kaum eine andere Künstlerin musikalischen Avantgardismus mit clubtauglicher und tanzbarer Musik zu kombinieren.

 

Alienata wird nicht selten als „Berlin Queen of Electro“ bezeichnet – kein Wunder, denn sie lebt Electro, ob in ihren Sets oder ihrem Label Discos Atónicos, das sich seit dem Start vor ein paar Jahren in rasantem Tempo zu einem der besten in diesem Genre gemausert hat. Alienata ist Resident beim Krake Festival und warum, kann man dann heute Nacht erfahren.

 

Trakt 2 wird eröffnet von Ick Mach Welle, einer inklusiven elektronischen Band, die aus dem gleichnamigen kultur-sozialen Projekt von Killekill und der Lebenshilfe entstanden ist. Die Mitglieder spielen live auf Synthesizern, Drummaschinen und mit Mikrophon/Effects, orientieren sich zwar vage an erprobten Songs, improvisieren aber gleichzeitig große Teile live, und finden mit fetten Beats, schrägen Klangflächen und verzerrten Vocals Ausdruck für ihre oft schwierigen Lebenssituationen als marginalisierte Mitglieder unserer
Gesellschaft. Mit ihrer Musik im Klubkontext schaffen sie es, trotz ihrer geistigen Einschränkungen einfach als Menschen und Künstler wahrgenommen zu werden.

 

Im Anschluss spielt DJ Tabledance. Frei von Konventionen verbindet sie in ihren Sets unterschiedliche Musikrichtungen wie Electro, Ghetto House und Jungle und erschaffen damit jedes Mal einen einzigartigen energetischen und eklektischen Mix szene- und genre-übergreifender Clubmusik.

 

M-F-X ist ein interdisziplinär arbeitender Künstler, der sowohl Musiker, Performer, Schriftsteller und Produzent von Radiofeatures ist. Der Berliner Künstler macht alles zu Musik, was ihm zwischen die Finger kommt, sei es ein Staubsauger, ein Akkuschrauber, die Speichen einer Rades oder ein Lederschuh, aus dessen Klappergeräuschen er einen futuristisch-klingenden Beat produziert. Seine künstlerische Aufmerksamkeit gilt
all den Nebengeräuschen, die in einem professionellen Studio sonst vermieden und ausgelöscht werden. Das Atmen eines Sängers, das Schnarren einer Bass-Seite. Diese Nebengeräusche nimmt er auf, rückt sie in den Vordergrund und bricht damit alle Regeln konventioneller Musikproduktion. Seine innovativen Ansätze und seine ausgeprägte Improvisationsfähigkeit machen ihn zu einem beliebten Kollaborationspartner hochkarätiger Musiker aller Musiksparten wie z.B. dem Solistenensemble Kaleidoskop, Michael Wertmüller oder der Band Von Spar.

 

Nach ihm spielt S Ruston ein b2b DJ-Set mit dem Londoner Künstler Voicedrone auf diesem Floor. Die aus Bristol stammende Künstlerin hat sich mit ihrem basslastigen Sound schon in der dortigen Szene einen Ruf gemacht. Inzwischen wohnt sie in Berlin, wo sie vor allem expliziten Ghetto House in queeren Kontexten präsentiert. Für Leipzig hat sie sich ihren Buddy Voicedrone mitgebracht, Resident und zentrale Figur des Londoner Clubs FOLD.