Entwicklung und Erfolg von Netlabels

Internetlabels, Netlabels oder auch Netz- bzw. Weblabels sind Musiklabels, die ihre Musik nur oder hauptsächlich Netz vertreiben. Oft handelt es sich dabei um selbstorganisierte, nicht kommerzielle Projekte. Gegen 2003 haben einige wenige Netlabels begonnen, geringe Geldbeträge für ihre Musik zu verlangen. Netlabels nehmen noch immer, gemessen am gesamten Musikmarkt nur einen verschwindend geringen Marktanteil ein. Seit 2004 unterstützt das Internet-Archive die Netlabelszene, indem Creative-Commons-lizenzierte Musik kostenlos und benutzerfreundlich archiviert wird. Oft stehen die Musikstücke unter einer der Creative Commons-Lizenzen, da GEMA-lizenzierte Musik selbst bei kostenfreier Abgabe trotzdem eine Alimentation der Labels an die Verwertungsgesellschaften bedingt, solange die bei der GEMA gemeldeten Musiker keine Exklusions-Klausel für Netzvertriebe in ihren Vertrag integriert haben. Netlabels bieten also kostenlose Musik-Downloads an und erlauben dem Zuhörer die Weitergabe der Musik. Das Ziel dieser Maßnahme ist letztlich die maximale Verbreitung der eigenen Musikproduktionen im Sinne einer Aufmerksamkeitsökonomie. Kommerzielle Netlabels, vertreiben die eigenen Musikproduktionen über MP3-Shops wie iTunes, Beatport, Finetunes und ähnliche Shop-Systeme. Diese kommerziellen Netlabels sind die Zukunft der alten Musiklabels, da die Konsumenten zunehmend virtuelle Formate bevorzugen. Der Ökonom Patryk Galuszka forschte zu Netlabels und veröffentlichte seine Ergebnisse 2012 in einer wissenschaftlichen Zeitschrift. Er fokussiert auf die Darlegung der Unterschiede von Netlabels und “klassischen” Labels und meint, dass Netlabels kulturökonomisch von den neuen Kosten- und Distributionsstrukturen des Internet profitieren, und sich für szenebasierte Akteure durch eine Orientierung an symbolischem Kapital kennzeichnen. Aber trotz dieser positiven Aussichten, die sich auch schnell nachvollziehen lassen, bliebt doch die Frage bestehen, was aus all den Netlabels wurde? Bei allen onlinebasierten Formen eines Angebots, steht immer wieder das Problem des Timings im Vordergrund. Die Idee kann noch so gut sein, ist der Zeitpunkt verfrüht, geht die ganze Sache baden. Ähnliches mussten auch Anbieter für Muskstreaming erfahren. Ich erinnere da nur an grooveshark, das mehr oder weniger von der Gema in die Knie gezwungen wurde. Spotify startete einfach ohne Gema Vertrag und legte einen echten Erfolg hin. 2015 dürfte es allerdings interessant werden, da dann spätestens der Regeltarif der Gema greift, und Spotify mit hohen Nachzahlungen konfrontiert sein könnte. Die einfachste Methode, um zu sehen wie der Stand der Dinge ist bleibt das Google Suchfenster. Die Ergebnisse sind ernüchternd. Viele Netlabel Pages sind überhaupt nicht mehr verfügbar, andere haben ihren Betrieb schon vor Jahren wieder eingestellt. Die Netlabel-Szene ist in den letzten Jahren also definitiv nicht lebendiger geworden. Sie lebt zwarirgendwie weiter, aber die Euphorie vorbei. Vielleicht war auch das Problem, dass unzählige neue Netlabels ans Tageslicht kamen und damit einher ging, dass eben auch viele schlechte Releases im Netz standen. Wer sollte das alles noch durchhören? Gute Netlabel wie Pentagonik haben sich entschlossen den Schritt nach ”vorn zu gehen“. Hin zum Digital-Label. Pentagonik begeht 2014 mittlerweile sein neunjähriges Jubilaeum. Das Label wurde im Jahre 2005 von Don, Max, Özgür, Buddy und Kai, fünf Freunden aus Berlin als Netlabel gegründet. Erstmals in Aktion trat Pentagonik im Frühjahr 2005 mit einer legendären Party in der ehemaligen Moschee am Kotti. Pentagonik konnte sich sowohl als Partyveranstalter im Watergate und im Arena Club als auch als Label einen Namen machen. Hier wurden Acts wie mit Tigerskin, AKA AKA, Ludwig Coenen und Demir & Seymen releast. Nach vielen erfolgreichen Veröffentlichungen auf dem Netlabel Pentagonik – online unter www.pentagonik.de unter Creative Commons Lizenzen – gründete die Gruppe 2008 das neue Pentagonik Digital Label, um die Musik des Labels bei den wichtigen digitalen Vertriebsplattformen unterzubringen. Ich habe keine Ahnung was daraus geworden ist. Ebenso wie Plattformen wie Hypem ihre Climax hatte, ist wohl auch die Zeit der Netlabels vorbei.Es mag sein, dass die Idee der kostenlosen Weitergabe von MP3s einfach nicht mit dem Verständnis der Menschen zusammen passt, das etwas von Wert auch etwas kosten muss. Ebenso wird die Marktmacht von Beatport, sowie Plattformen wie Juno und Bandcamp, die letztlich das Angebot der kleinen Online Labels zusammenführten, und Ihnen auch gleich die Möglichkeiten eigener Seiten und des internen Vertriebs boten, dafür gesorgt haben, dass die Netlabels mehr und mehr verschwanden. Heutzutage ist durch den Verkauf eines digitalen Tracks auch nicht wirklich mehr Geld zu verdienen. Dazu muss man schon Paul Kalkbrenner sein. Was die Netlabels anstrebten, die Vermarktung der Artists ihres Labels, erfolgt heute eher durch Soundcloud. Tracks, die zehntausende Hörer haben, steigern enorm die Bookingfrequenz ihrer Besitzer. Ein gutes Beispiel dafür ist diese spezielle Art von „Kindertechno“ die letztlich nur auf Edits von Popsopngs basiert.