Über das Siezen.

„You can say you to me.“ So soll Bundeskanzler Kohl einst US-Präsident Reagan das Du angetragen haben. Nun ja… Um das schnell zu klären: Das „you“ ist zusammen mit der Nennung des Nachnamens, ein Sie. Durch die Anrede mit dem Vornamen wird das „you“ zum vertraulichen „du“.

Das Siezen und das Duzen scheidet die Geister. Vor allem meine bzw. meinen, denn, obwohl als launischer Charakter verschrien, schlagen doch keine zwei Herzen in meiner Brust. (Ja, dieser Satz ist reines Geschafel um der Wortkunst willen.)

In Deutschland herrscht jedenfalls babylonische Anredeverwirrung: Du oder Sie? Es sei denn, man fragt jemand wirklich Älteren auf der Straße nach dem Weg, oder auch die Polizei. Sie Bulle ist übrigens auch nicht ganz Knigge.

Nicht überall ist die Sache so klar wie bei Ikea – dort wird gedutzt, dass sich die Schränke biegen. (Anmerkung des Autors: Biegen tun sich diese eigentlich nie, es lockern sich oftmals nur die Schrauben und die Schränke fallen einfach auseinander.)

Das „Hej“ ist aber für die bürgerliche Förmlichkeit problematisch. Wer zu schnell duzt, gilt als unhöflich. Wer zu lange siezt, wirkt steif. Grundsätzlich gilt: Gleich und gleich duzt sich gern. Ältere bieten Jüngeren das „Du“ an. Gilt das auch in der Firma? Und wie ist es, wenn Start Up auf Traditionsfirma prallt? Eine zaghafte Renaissance hin zum „Du“ unter Kollegen muss und sollte möglich sein. Es geht nicht an, unnötige Distanz zu schaffen bei der Zusammenarbeit, die zudem auch gern gegebene Herzlichkeit verhindert. Wem will man schon schnell weiter helfen, oder einen Gefallen tun, wenn man zum Schluss dann sagen muss: „Hej, kein Ding Herr Schmidt!“ Die Form des Siezens in Kombination mit dem Vornamen, wie in den USA üblich, ist einfach nur lächerlich.

Im Grunde sei die Sache ziemlich klar, sagt Peter Walschburger. Er lehrt Psychologie an der FU Berlin. „Je verunsicherter eine Gesellschaft, je bröckeliger die Werte, desto beliebter die „Rückkehr in die Rituale“. Ich würde jetzt mal ganz forsch behaupten, der Deutsche an sich ist ganz zufrieden und fühlt sich sicher, bei den Werten… nun ja es müssten höchstens ein paar Schellen bei gewissen Wutbürgern verteilt werden, um verworrene Gedankenläufe zu korrigieren.

Der einzige, also wirklich einzige, Grund für das Siezen ist Dieter Bohlen. Der darf seit einiger Zeit sogar offiziell und ausdrücklich Polizisten duzen. Per Gerichtsbeschluss! Hätte das Gericht ihm doch nur Redeverbot erteilt. Aber auch Justizia ist irrbar.

Irgendwann kommt man in das Alter, wo man automatisch gesiezt wird. Spätestens da wünscht man sich das „Du“, bei der Frage, ob man über die Straße gebracht werden möchte. By the way… Jemand mit „Sie“ anzusprechen, zeugt in keinster Weise von Respekt. Lasssen Sie sich das mal durch den Kopf gehen sie Arschloch!